Die Ringelnatter - Sie verschlingt auch größere Beutetiere stets im Ganzen An Teichen und Weihern ist ihr Zuhause

Von 
Reinhold Winkler
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Die Ringelnatter hat ihr Revier an Teichen und Weihern. Zusammengeringelt ruht sie an sonnigen Plätzen. Sie ist ungiftig und für den Menschen ungefährlich.

© Winkler

Menschen empfinden im Allgemeinen Abscheu vor Schlangen. Sie ekeln sich vor dem sich windenden, glänzend-glatten Körper und vor dem starren Blick der Schlangenaugen. Wurden sie früher vielfach als hinterlistig und gar als Ausgeburt des Teufels verschrien, galt ihnen an anderer Stelle die Verehrung als heilige Tiere. Die Äskulapnatter war Asklepios, dem griechischen Gott der Heilkunde, geweiht. Das Zeichen seiner Kraft war der Äskulap-Stab, eine von der heiligen Schlange umringelte Stange. Dieser Äskulapstab ist bekanntlich noch heute das Wahrzeichen der Heilkunst und das "Wappen" der Ärzteschaft.

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Eine heimische, jedoch für den Menschen ungefährliche Schlange ist die Ringelnatter. Sie bevorzugt die Nähe des Wassers. Am Ufer hat sie ihre Lieblingsplätze, wo sie sich sonnt. Ihr langgestreckter, schlanker Leib mit dem dünnen, zugespitzten Schwanz erreicht beim Männchen eine Gesamtlänge von etwa 80 Zentimetern, beim Weibchen knapp einen Meter und manchmal auch deutlich darüber.

Ihr Schuppenpanzer ist auf dem Rücken grau gefärbt. Auffällig sind vier bis sechs Längsreihen von schwarzen Flecken, die sich auf dem Körper entlang ziehen. Neun schwarzbraune, große Hornschilder bilden einen besonders starken Schild auf dem Kopf.

Ein sicheres Erkennungsmerkmal sind die gelblich-weißen halbmondförmigen Flecke beiderseits hinter dem Kopf, die aus der sonst dunklen Einfassung deutlich hervorleuchten und wie Ohrmuscheln aussehen. Die Augen der Ringelnatter weisen runde Pupillen auf (bei der Kreuzotter sind diese senkrecht geschlitzt).

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In Ruhestellung liegt sie gern spiralförmig zusammengerollt an einem sonnigen Platz. Sobald sie sich fortbewegt, gleitet der Körper mühelos und elegant dahin, als hätte er viele Beine wie etwa der Tausendfüßler. Allerdings hat die Ringelnatter keine Gliedmaßen, auch keine Schulter- und Beckenknochen sind vorhanden. Stattdessen sitzen zahlreiche Rippenpaare so gelenkig an den Wirbeln, dass sie gleichsam als Ersatz für Beine dienen können. Die Rippen stehen durch starke Muskeln mit den breiten Bauchschuppen in Verbindung, welche nur in einer Reihe angeordnet sind und wegen ihrer speziellen Form als Bauchschienen bezeichnet werden. Beim Spreizen der Rippen richtet die Ringelnatter diese Bauchschienen nacheinander auf. Sie stemmen sich in den Boden ein, werden dann wieder angelegt, und zwar in rascher Aufeinanderfolge, womit die Vorwärtsbewegung deutlich unterstützt wird.

Wenn sie gejagt wird, zeigt sie ihre besondere Flinkheit: Das Schlängeln in seitlichen Wellenlinien ermöglicht eine schnelle Vorwärtsbewegung. Diese Schlängelbewegungen erweisen sich auch im Wasser als nützlich. Die Ringelnatter kann nämlich gut schwimmen. Bei Gefahr taucht sie plötzlich weg, wobei sie in der Lage ist, dank eines großen Vorrats an Atemluft längere Zeit unter Wasser zu bleiben.

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Am Teich, wo sie sich zuhause fühlt, gibt es Frösche, Molche, Kröten und Fische in reicher Auswahl. Vor allen anderen Beutetieren bevorzugt sie besonders die braunen Grasfrösche. Sie werden im Wasser ebenso geschickt gefangen wie an Land.

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Das Beutetier ist oft größer und breiter als Kopf und Körper der Natter. Beim Ergreifen des Opfers öffnet sich das gespaltene Maul sehr weit. Kiefer und Gaumen tragen Zähne mit rückwärts gerichteten Spitzen, aus denen kein Entkommen möglich ist.

Die beiden Unterkieferhälften sind nicht, wie bei Säugetieren, vorn verwachsen, sondern durch ein elastisches Sehnenband beweglich miteinander verbunden. Zwei besondere Knochen, die Quadratbeine, befestigen die Unterkieferhälften locker am Schädel. Auch die Oberkieferhälften und die Gaumenknochen sind beweglich.

Sobald die rechte Seite zugepackt hat, kann sich die linke aus der Beute lösen, vorgreifen, nachziehen und wieder festhalten. Rechte und linke Kieferhälfte greifen abwechselnd nacheinander so vor, wie man zum Beispiel ein Seil mit beiden Händen heranzieht.

Das Beutetier wird im Ganzen verschlungen; dabei wird es mit viel Speichel schlüpfrig gemacht. Der Rachen, die Speiseröhre und der Magen der Natter sind sehr dehnbar. Weil sie kein Brustbein besitzt und die Rippen unten nicht verwachsen sind, kann sich auch der Rumpf stark ausdehnen.

Die Ringelnatter ist also in der Lage, ein größeres Beutetier unzerkaut hinunterzuwürgen. Nach einer so opulenten Mahlzeit wird sie träge. Sie braucht jetzt für längere Zeit kein Futter und verwendet nun viel Energie für den Verdauungsvorgang, der einige Zeit in Anspruch nimmt.

Im Hochsommer legt die Ringelnatter bis zu etwa 25 weichschalige, längliche Eier.

Als "Brutofen" verwendet sie gerne verrottendes Holz oder einen Komposthaufen.

Nach acht bis zehn Wochen schlüpfen die fertig ausgebildeten jungen Ringelnattern, die anschließend bereits selbständig auf Beutefang ausgehen.