Jeder hat seine eigene Art

Von 
Franziska Hurler
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Egal zu welcher Jahreszeit: Der Terminkalender ist immer voll bestückt mit Klausuren, Tests, Abfrageterminen und Präsentationen. Englische Vokabeln, mathematische Flächenformeln zu rechtwinkligen Prismen, physikalische Naturgesetze und chemische Abkürzungen - unser Gedächtnis muss sich so einiges merken. Schnell kann man da angesichts des riesigen Lernstoffbergs verzweifeln und es stellt sich die Frage, wie nun am besten und effizientesten gelernt werden soll. Die Antwort darauf liegt in einem selbst versteckt.

Nicht alle lernen gleich

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Denn was viele nicht wissen: Das Lernverhalten unterscheidet sich von Person zu Person. Man könnte fast sagen, es gibt so viele Lerntypen wie Menschen. Manche lernen lieber unter Zeitdruck, andere aus eigenem Antrieb. Der eine hört laute Musik, der andere bevorzugt Bibliotheksstille. Auch die Lernzeiten über den Tag hinweg sind nicht bei jedem gleich - besonders erwähnenswert sind hierbei die Nachtaktiven, die vielleicht mal wieder vergessen haben, dass am nächsten Tag ein Examen ansteht.

Den Test machen

Um also am besten lernen zu können, muss man selbst erstmal seinen eigenen Lerntyp herausfinden. Dazu gibt es viele Tests im Internet. Meistens ist man nicht strikt ein Typ, sondern hat Aspekte von mindestens zwei Sorten in sich.

Je nach Lerntyp werden verschiedene Sinne eingesetzt, um die Inhalte besser erfassen, verstehen und merken zu können. Hat man seinen Typ herausgefunden, können Sinnesorgane wie Augen, Oh-

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ren, Geruchs-, und ja sogar der Geschmackssinn zum Vorteil genutzt werden.

Je mehr Sinne am Lernprozess beteiligt sind, desto effizienter geht das Lernen vonstatten. Denn die Anzahl der Wahrnehmungsfelder im Gehirn beeinflusst die gedanklichen Verknüpfungen zum Lernstoff. Idealerweise nutzt man die Sinne, die bei einem am ausgeprägtesten sind.

Stärken nutzen

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Bei jedem Menschen sind andere Sinnesorgane stärker oder schwächer. Das ist einer der Gründe, warum es so viele unterschiedliche Lerntypen gibt. Das Sehen ist mit 83 Prozent am stärksten beim Pauken beteiligt, elf Prozent das Gehör, drei Prozent der Geruchssinn, zwei Prozent das Fühlen und ein Prozent das Schmecken.

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Zusammengefasst gibt es hauptsächlich vier Lerntypen: der auditive, der visuelle, der kommunikative und der motorische Typ.

Genau hinhören

Der auditive Lerntyp kann gehörte Informationen leicht aufnehmen, behalten und auch wiedergeben. Deswegen kann er zum Beispiel im Unterricht Erklärungen der Lehrer gut folgen. Der auditive Lerntyp kann gut auswendig lernen und mündliche Aufgaben lösen, durch Umgebungsgeräusche fühlen sie sich jedoch schnell gestört und bevorzugen eine gedämpfte Geräuschkulisse.

Empfehlenswerte Lernmethoden für den auditiven Lerntyp sind: sich CDs oder Lernvideos anhören, Selbstgespräche über den Lerninhalt führen oder Vorträge gegenüber anderen Personen halten, Lernstoff aufnehmen und immer am Handy anhören oder mit

einem bestimmten Lied im Hintergrund lernen.

Schön und bunt

Der visuelle Lerntyp lernt am besten, wenn Informationen gelesen und Handlungsabläufe beobachtet werden. Es fällt ihm leicht, sich Inhalte zu merken, wenn er diese in Form von Grafiken oder Bildern veranschaulicht. Er liest gerne Aufschriebe zu dem Thema durch, versteht Sachverhalte über Illustrationen und arbeitet gern mit Tafelbildern und schriftlichen Unterlagen. Menschen diesen Lerntyps hilft zudem eine schöne und anregende Lernumgebung - Unordnung und Chaos können schnell aus dem Konzept bringen.

Hilfreiche Lernmethoden für diesen Typ sind zum Beispiel: Im Unterricht mitschreiben, Mindmaps, Bilder, mit farbigen Stiften und Textmarkern arbeiten, Karteikarten (besonders gut geeignet zum Vokabellernen), Flipcharts verwenden, Lernvideos, im Geiste Bilder zum Lerninhalt machen, Lernzettel schreiben, Klebezettel in der Wohnung aufhängen, das Aufgeschriebene mit dem Smartphone abfotografieren und als Handyhintergrund benutzen.

Der kommunikative Typ lernt vor allem durch die Beteiligung an Diskussionen und Gesprächen. Er setzt sich in erster Linie sprachlich mit den Inhalten auseinander, das Verstehen im Dialog ist für ihn ausschlaggebend. Er muss Erklärungen mit anderen durchsprechen und diskutieren. Für jene Menschen, die auf diese Art lernen, ist es hilfreich, wenn sie sich über den Stoff unterhalten und dabei sowohl die Rolle des Fragenden als auch die des Erklärenden einnehmen.

Effiziente Methoden für den kommunikativen Lerntyp sind das Arbeiten mit Rollenspielen, Lerngruppen, Frage-Antwort-Spiele, mit sich selbst über das Gelernte sprechen oder anderen Leuten Vorträge darüber halten.

Einfach selber machen

Der vierte Lerntyp ist der motorische Typ und lernt dann vor allem dann gut, wenn er Handlungsabläufe selbst durchführt und nachvollziehen kann. Für ihn ist es wichtig, am Lernprozess unmittelbar beteiligt zu sein und durch das Prinzip "Learning by doing" eigenständige Erfahrungen zu sammeln. Dies gilt insbesondere für das, was durch Bewegungen, Handeln und Fühlen aufgenommen wurde.

Lernmethoden, die hier sinnvoll sein können, sind das Ausprobieren, Rollenspiele, Gruppenaktivitäten, Dinge nachbauen, Rechenaufgaben mit Material nachlegen und ausrechnen, bewegen und spazieren beim Lernen, Lernstoff mit Gestik und Mimik lernen, Experimente durchführen.

Lernen an sich muss also nicht immer langweilig, zeit- und nervenraubend sein. Man muss nur herausfinden, unter welchen Umständen man am besten lernen kann: die Wahl der Uhrzeit, des Orts und der Methode sind entscheidend. Und dann ist es auch gar nicht so schwer mit effizienten Mitteln ein zufriedenstellendes Ergebnis in der nächsten Arbeit zu erzielen. Bild: dpa