Beliebt, aber umstritten

Von 
Ursula Heß
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Facebook ist vor allem bei der jüngeren Bevölkerung weiterhin sehr beliebt. In der jüngsten Vergangenheit stand das Unternehmen aufgrund von Datenmissbrauch-Fällen aber zunehmend in der Kritik. © dpa

Alles begann im Nordosten der USA, genauer gesagt im Bundesstaat Massachusetts. In der Stadt Cambridge, angrenzend an Boston, liegt die berühmte Havard Universität. Am 4. Februar ging hier ein Netzwerk online, welches zunächst als Jahrbuch nur für die Studenten vorgesehen war. 15 Jahre später hat sich Facebook zu einem Weltkonzern weiterentwickelt, auf das im Monat mehr als zwei Milliarden aktive Nutzer zurückgreifen. Der Wert des Unternehmens: über 500 Milliarden US-Dollar.

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Mark Zuckerberg, damals noch Student der Psychologie und Informatik an der Universität Harvard, entwickelte die Website facemash.com. Die Seite stellte ein öffentliches Bewertungssystem zur Attraktivität von Frauen dar. Aufgrund von Protesten – die Bilder wurden ohne Erlaubnis ins Netz gestellt – wurde die Seite schnell wieder aus dem Netz genommen. Der große Andrang auf facemash zeigte aber Zuckerberg, dass seine Idee, Menschen im Internet miteinander zu verbinden, durchaus Potenzial hatte.

Pikant: Mehrere Mitkommilitonen behaupteten, das Zuckerberg deren Idee gestohlen habe. In einem Vergleich einigten sich 2008 die beiden Parteien: Der Facebook-Gründer übergab seinen ehemaligen Freunden 1,2 Millionen Aktien und 20 Millionen Dollar. Zu diesem Zeitpunkt war das soziale Netzwerk schon längst kein Studenten-Projekt mehr. Die Plattform wuchs über die Jahre immer weiter und hatte 2011 bereits 800 Millionen Mitglieder. Am 18. Mai 2012 ging Facebook an die Börse. Um sich dem Hauptkonkurrenten zu entledigen, kaufte Facebook 2014 einfach den Instant-Message-Dienst WhatsApp für vier Milliarden US-Dollar in bar und 15 Milliarden US-Dollar in Facebook-Aktien. Das Logo des Netzwerks ist übrigens deswegen weiß-blau, weil Zuckerberg eine rot-grün-blind ist und Blautöne am besten sehen kann.

Doch mit der Zeit, dem großen Wachstum und dem immer größer werdenden Einfluss kamen auch immer wieder Probleme auf. Auch wenn Facebook heutzutage gegen sexistische Bilder vorgeht, gibt es weiterhin Inhalte, die gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen. Das Aussortieren solcher Inhalte klappt nicht immer und somit geistert vieles auf Facebook herum, was dafür eigentlich nicht vorgesehen ist.

Weiterhin verbreitet

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Trotzdem ist Facebook weiterhin sehr beliebt. Mit dem erstellten Profil kann man mit Freunden in Kontakt bleiben und Neuigkeiten über Personen des öffentlichen Lebens, Firmen oder Sportvereine erfahren, in dem man deren Seiten „folgt“.

Facebooks Motto lautet: „Facebook ermöglicht es dir, mit den Menschen in deinem Leben in Verbindung zu treten und Inhalte mit diesen zu teilen.“ Eine offene und vernetzte Welt also, die aber auch immer wieder Kritiker auf den Plan ruft. Europäische Datenschützer und Sicherheitsexperten monieren vor allem die mangelhaften Datenschutzpraktiken. Schon bei seiner Seite facemash nutze Mark Zuckerberg Bilder, dessen Copyright-Rechte er nicht besaß. Im Frühjahr 2018 rückte das Unternehmen dann zunehmend in den Blick der Öffentlichkeit. Die Sonderermittlung zur Beeinflussung des Wahlkampfs in den Vereinigten Staaten 2016 hatte ermittelt, dass russische Agenten Daten von Facebook in größerem Umfang benutzt hatten, um den US-Präsidentschaftswahlkampf zu beeinflussen.

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In Zuge dessen wurde auch bekannt, dass sich das Unternehmen Cambridge Analytica die Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern verschafft hatte. Dieser Datenmissbrauch schlug große Wellen. Die britische Datenschutzbehörde Information Commissioners Office verhängte eine Geldstrafe in Höhe von 500 000 Pfund und auch das deutsche Bundeskartellamt will die Sammlung von Nutzerdaten durch Facebook zukünftig massiv einschränken, sollte sich das Verhalten von Facebook nicht ändern.

Wichtiger Nachrichtenkanal

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Das Reuters Institut belegte 2015, dass die Bedeutung von Facebook auch als Nachrichtenkanal wächst. Demnach nutzen zwei Drittel der Befragten Facebook zum Lesen und teilen von Nachrichten. Des Weiteren wurden, laut einer Langzeitstudie aus dem Jahr 2014 der TU Darmstadt und der TU Dresden, 91 Prozent aller Nachrichten von Online-Medien über Facebook veröffentlicht. Jedoch verbreiten sich auf Facebook auch Fake News, die dem Netzwerk vermehrt Probleme bereiten. Auch die Filterblase steht in der Kritik: Durch spezielle Einstellungen erhalten die User nur Nachrichten, die in das jeweilige Weltbild passen und dieses bestätigen.

Die jüngeren Generationen nutzen inzwischen vermehrt andere soziale Netzwerke wie Instagram, Snapchat oder Twitter. Insbesondere Instagram, eine Tochterfirma von Facebook, die als „Microblog“ den Hauptfokus auf Fotografie und Videographie legt, boomt. 2012 wurde die App von Facebook Inc. gekauft. Facebook ist heute eine Plattform für alle Altersgruppen.

Nach Zahlen des Online-Portals „Statista“ macht der Anteil der 25 bis 34-Jährigen den größten Anteil aus, doch es gibt durchaus auch ältere Nutzer.

Um Minderjährige zu schützen, wurde 2009 ein Beirat ins Leben gerufen, der dafür sorgen soll, dass Facebook ein „sicherer“ Ort bleibt. Außerdem kooperiert Facebook mit MTV und der BBC gegen digitalen Missbrauch und Cyber-Mobbing. „Hate-Speech“ und sogenannte „Trolle“ sind aber weiterhin ein Problem (siehe Text unten).