Bei der Flucht fast alles zurückgelassen

Unsere Jugendredakteurin traf sich mit zwölf "namenlosen Fremden" und hörte sich ihre Geschichten an.

Von 
Pauline Löffler
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Unsere Jugendredakteurin blickte zwölf jungen Flüchtlingen beim Deutschunterricht über die Schultern und fragte sie nach ihren größten Wünschen.

© W.

Sehr gespannt, aber auch etwas nervös warte ich im Unterrichtsraum der Inlingua Sprachschule in Würzburg. Den zwölf Asylbewerbern, allesamt junge Männer, geht es wohl ähnlich. Sie machen auf mich einen etwas schüchternen Eindruck. Doch im Laufe der Unterrichtsstunde entpuppen sie sich als überaus freundliche Menschen, die hoch motiviert sind, Deutsch zu lernen.

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Sie alle haben eine sehr harte Zeit hinter sich und leben hier ohne ihre Familien und ohne einen genauen Plan, was ihre Zukunft anbelangt. Aus diesen Gründen habe ich eine bedrückte, ja vielleicht sogar traurige Stimmung bei ihnen erwartet. Doch das Gegenteil davon ist der Fall. Sie sind fröhlich, lachen, machen Witze und sind sehr dankbar, dass sie hier sind und Deutsch lernen dürfen. Diese Fröhlichkeit hat mich überrascht, fasziniert und gleichzeitig sehr gefreut.

Normales Leben vor dem Krieg

Doch es gibt eine Sache, die vielen von ihnen sehr zu schaffen macht. So äußert sich W., 24 Jahre: "Ich muss mich immer wieder dafür rechtfertigen, dass ich ein Handy besitze. Die Menschen in Deutschland verstehen nicht, dass wir keine armen Menschen sind. Wir haben einfach keinen Frieden. Aber wir sind keine armen Menschen. In Syrien hatten wir ein ganz normales Leben vor dem Krieg und natürlich auch Smartphones. Würden Sie etwa nicht ihr Handy mitnehmen, wenn Sie fliehen würden?"

Z., 23 Jahre, springt ein: "Ich hatte auf dem Boot nur meine Kleidung, einen Rucksack und mein Handy. Meinen Rucksack habe ich während der gefährlichen Fahrt auf dem überfüllten Gummiboot verloren. Mein Handy ist mein Leben: Der einzige Kontakt zu meiner Familie - das Navigationsgerät, durch das ich nach Deutschland gekommen bin."

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Ich frage sie nach ihrem größten Wunsch. "Studieren zu können", "Meine Familie nach Deutschland zu holen", "Dass der Krieg in Syrien aufhört", "Deutsch zu können". Für diesen letzten Wunsch arbeiten die Asylbewerber hart. Denn nur durch Kommunikation kann das gegenseitige Verständnis wachsen und das friedliche Zusammenleben einfacher werden.