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Ukraine-Krieg - Keine Lebensmittel mehr im Stahlwerk der Hafenstadt / Christian Lindner (FDP) weist Vorschlag zurück, Privatpersonen zuerst das Gas abzuschalten

Hoffnung auf Evakuierung in Mariupol

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dpa
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Kiew/Moskau/Berlin. Für Zivilisten in der zerstörten ukrainischen Hafenstadt Mariupol gibt es Hoffnung: Es sei eine „Operation“ geplant, um die Menschen aus dem belagerten Stahlwerk Azovstal zu retten, hieß es am Freitag in einem ukrainischen Pressebericht unter Berufung auf das Präsidialamt. Zuletzt hatte sich UN-Generalsekretär António Guterres in Moskau und Kiew dafür eingesetzt, für die Zivilisten einen humanitären Korridor zu öffnen.

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Während seines Besuchs in der ukrainischen Hauptstadt feuerten die Russen wie schon angedroht Raketen auf Ziele nahe des Stadtzentrums. Guterres sagte: „Ich war geschockt zu hören, dass in der Stadt, in der ich mich aufhalte, zwei Raketen explodiert sind.“ Die ukrainische Regierung sprach von einem „Gruß aus Moskau“. Die Bundesregierung nannte das Vorgehen Moskaus „menschenverachtend“.

Ein erster Evakuierungsversuch in Mariupol sei am Donnerstag gescheitert, weil russische Truppen gezielt ein Lazarett auf dem Werksgelände beschossen hätten, berichtete die ukrainische Zeitung „Ukrajinska Prawda“ unter Berufung auf eine Quelle im Präsidialamt. Mariupols Bürgermeister Wadym Bojtschenko äußerte die Hoffnung, dass es eine Übereinkunft zur Evakuierung von Zivilisten aus Mariupol geben könnte. In dem belagerten Stahlwerk gebe es fast keine Lebensmittel, Wasser und Medikamente mehr, sagte er nach Angaben der ukrainischen Agentur Unian. „Hier geht es schon nicht mehr um Tage, sondern um Stunden.“ Bei dem Angriff auf das Lazarett sei mindestens ein Soldat ums Leben gekommen, rund 100 Patienten erlitten weitere Verletzungen, berichtete die Zeitung.

Kämpfer lehnen Kapitulation ab

Im Werk Azovstal haben sich die letzten Verteidiger der Hafenstadt Mariupol sowie zahlreiche Zivilisten verschanzt. Trotz wiederholter Aufforderung von russischer Seite lehnen sie eine Kapitulation ab. Nach ukrainischen Angaben sollen in den Bunkeranlagen des Stahlwerks noch 1000 Zivilisten sein, darunter Frauen und Kinder. Nach russischen Angaben halten sich dort 2500 ukrainische Kämpfer und ausländische Söldner verschanzt.

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Nach dem Ja für die Lieferung schwerer Waffen prüft die Bundesregierung eine Abgabe der Panzerhaubitze 2000 an die Ukraine. Dabei gehe es um ein Materialpaket, zu dem neben den Niederlanden auch Deutschland und Italien beitragen könnten, berichtete die „Welt am Sonntag“.

Unterdessen ist Eon-Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley mit seiner Forderung, beim Notfallplan für die Gasversorgung über eine „umgedrehte“ Reihenfolge nachzudenken, weitestgehend auf Ablehnung gestoßen. Die gesamte Volkswirtschaft und damit auch die Einkommen der Menschen hingen daran, dass die Industrie arbeitsfähig bleibe, hatte Kley im „Manager Magazin“ gesagt. Die Politik sollte deshalb erwägen, erst bei Privaten abzuschalten. „Wobei natürlich lebensnotwendige Infrastruktur wie Krankenhäuser weiterhin davon auszunehmen sind.“

Politik und Experten wiesen den Vorschlag zurück. Er wolle nicht in Katastrophenszenarien schwelgen, sagte Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP). „Aber eines ist klar: Es ist undenkbar, dass bei der Großmutter zuhause die Wohnung kalt ist.“ Deshalb dürfe es nicht zu einer Situation kommen, in der man diese Abwägung treffen müsste. dpa

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