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Buch - Tiere klagen vor dem Europäischen Gerichtshof

Autor Günter Ebert lässt in „Das Tribunal der Tiere“ Kreaturen vor Gericht ziehen

Von 
hvb
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Tiere klagen an: Sie wenden sich vor dem Europäischen Gerichtshof gegen das Verschwinden ihrer Lebensräume, gegen die brutale Macht der Menschen, die sie nur jagen, weil sie Fell, Knochen oder andere Teile ihres Körpers als Trophäe besitzen wollen. Doch es sind nicht nur die großen Tiere wie der Schneeleopard, der sich vor den Zielfernrohren von Wilderern zu erwehren hat, es sind auch die kleinen, einst so vertrauten und heute seltener gewordenen Geschöpfe wie das Glühwürmchen, die Biene oder der Hase, die vor Gericht ziehen.

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Günter Ebert hat ihre Klage in klassischen Paarreimen verfasst. Auch der Mensch, die Krone der Schöpfung, kommt zu Wort und beklagt die Rücksichtslosigkeit, mit der er sich die Erde zum Untertan gemacht hat. „Die Natur allein ist das wahre Gesetz, Das vom Menschen erschaffene nur Geschwätz“, heißt es da.

Ebert hat seine Argumentationen pfiffig und listig gewählt. Teils gibt es einen Seitenhieb auf die Politik, die Veränderungen negiert und den Handlungsbedarf ignoriert. Teils bekommt die optimierte Glyphosat einsetzende Landwirtschaft ihr Fett weg. Aber auch der Gartenbesitzer, der den kurzen englischen Rasen einer blühenden Wiese vorzieht, und das Beet lieber schottert als ein wenig natürliche Unordnung zuzulassen, nimmt er aufs Korn.

Der Autor wirft viele Fragen auf, legt sie dem Richter in den Mund, lässt die Tiere sprechen, den Leser erstaunen und erstarren. Viele Arten sind bereits ausgestorben, vielen steht das kurz bevor, etliche leiden unter den menschengemachten Bedingungen, die ihnen das Leben schwer machen.

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Auf 64 Seiten hat Günter Ebert ein zwar schnell zu lesendes, aber umso schwerer verdauliches Büchlein geschrieben. Es wirkt nachhaltig und beschäftigt beim Spaziergang im Wald oder in Feld und Flur. Schön illustriert hat es mit Schwarz-Weiß-Zeichnungen Xenia Tschurikow im Stil des 19. Jahrhunderts. Das Vorwort stammt von der Wissenschaftsjournalistin Tanja Busse, die das Buch „Das Sterben der anderen“ geschrieben hat. Erschienen ist es im Akademischen Verlag München, ISBN 978-3-940732-53-8 zum Preis von 14,80 Euro.

Günter Ebert ist der ausgewiesene Schmetterlingsexperte in Baden-Württemberg. Seit 1963 hat der 1935 in Nürnberg Geborene die Großschmetterlingssammlung des Staatlichen Museums für Naturkunde Karlsruhe aufgebaut und arbeitet seit seiner Pensionierung als ehrenamtlicher Mitarbeiter. Zudem ist er Herausgeber des zehnbändigen Grundlagenwerks „Die Schmetterlinge Baden-Württembergs“ und Träger der Fabricius-Medaille der Deutschen Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie für besondere Leistungen in der entomologischen Grundlagenforschung. Außerdem wurde ihm der 7. Ernst-Jünger-Preis für Entomologie des Landes Baden-Württemberg für herausragende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Entomologie verliehen. hvb

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