Volkshochschule Mittleres Taubertal - Interaktiver Workshop zum Thema Verständigung unter verschiedenen Kulturen "Niemand tritt gern in Fettnäpfchen"

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Begrüßungsrituale: Eine Übung zur interkulturellen Verständigung beim VHS-Seminar im Grünsfelder Rienecksaal

© Ulrich Feuerstein

Bei der Kommunikation zwischen verschiedenen Kulturen kann es Missverständnisse geben. Diese zu vermeiden war Ziel eines VHS-Seminars.

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Grünsfeld. 2015 sind viele Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Auch in den Main-Tauber-Kreis. Etliche haben mittlerweile eine Aufenthaltserlaubnis, lernen eifrig Deutsch und möchten sich gerne hier einleben. Ehrenamtliche helfen bei Alltagsproblemen. Und die Behörden leisten ihren Teil für die Sicherung der materiellen Existenz. In der Begegnung machen mitunter kulturbedingte Missverständnisse das Zusammenleben schwer.

Damit solche erst gar nicht entstehen, veranstaltete die Volkshochschule Mittleres Taubertal einen interaktiven Workshop im Rienecksaal. Ehrenamtliche aus den Helferkreisen, aber auch Mitarbeiter von Behörden und Unternehmen lernten, wie Kommunikation gelingt und Missverständnisse dadurch vermieden werden.

Viele Aufgaben, keine Probleme: So lautete die Einschätzung von Bürgermeister Joachim Markert. In Grünsfeld zumindest seien die Flüchtlinge gut integriert, auch wenn es nicht einfach gewesen sei, die notwendigen Plätze für Kindergarten, Schule und Berufspraktika zu organisieren. Dass alles vor Ort so reibungslos klappt, ist - so Markert - vor allem den zahlreichen ehrenamtlichen Helfern zu verdanken, die der Kommune wertvolle Unterstützung böten.

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Die Volkshochschule Mittleres Taubertal ist nach Angaben von Christine Schelhaas seit 2014 intensiv in die Asyl- und Integrationsarbeit im Main-Tauber-Kreis eingebunden. Die Leiterin betonte, dass die VHS inzwischen mehrere Hundert Asylbewerber und Flüchtlinge auf ihrem sprachlichen Weg in Deutschland begleitet habe. Beeindruckend sei, wie stark sich viele Asylbewerber und Flüchtlinge bemühen, Deutsch zu erlernen.

"Den wenigsten von ihnen fällt dies leicht, denn sie bringen ganz andere, oft sogar nur sehr geringe Schul- und Bildungserfahrung mit", berichtete Schelhaas. Besonders schwer falle die Umstellung auf die lateinische Schrift. "Ohne Kenntnisse der Schrift geht es jedoch nicht", wusste die VHS-Leiterin aus Erfahrung. Diese sei unabdingbar, um dauerhaft Fuß im Alltags- und Berufsleben zu fassen.

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"Es ist eine menschliche Aufgabe, mit Diskrepanzen umzugehen", befand Franz Ködel. Er engagiert sich selbst in der Flüchtlingshilfe. Auf seine Anregung fand das VHS-Seminar in Grünsfeld statt. Für die Integration spielt nach Ködels Auffassung die Kommunikation eine entscheidende Rolle. "Nur so ist eine Verständigung als Grundlage zwischenmenschlichen Verstehens möglich."

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Darum ging es auch in erster Linie im Rienecksaal. Franziska Laue und Tobias Kegler vom Deutsch-Arabischen Kulturzirkel in Stuttgart leiteten das Seminar. Beide haben etliche Jahre im Ausland gelebt und vielfältige interkulturelle Erfahrungen. Mit den Teilnehmern überlegten sie, was Kultur überhaupt ist und welchen Einflussfaktoren sie unterliegt. Gemeinsam überprüfte man Maßnahmen, mit denen eine für alle gewinnbringende Integration gefördert werden kann, und analysierte erfolgversprechende Kommunikationsstrategien.

In einem ersten Schritt setzten die Seminarteilnehmer sich mit dem Blick auf die kulturellen Unterschiede auseinander. Ihre Erkenntnis: Die eigene Wahrnehmung ist ziemlich subjektiv. Was der eine zum Beispiel als herzliche Begrüßung versteht, nimmt der andere unter Umständen als große Respektlosigkeit wahr.

Die Teilnehmer versuchten zudem, Kriterien für eine gute Integration zu entwickeln. "Wichtig ist es, die Sprache des neuen Heimatlands zu kennen", wurde beispielsweise genannt. Flüchtlinge sollen nach übereinstimmender Meinung außerdem einen Beitrag zur Gesellschaft vor Ort leisten und die Grundrechte anerkennen. Darüber waren sich die Teilnehmer auch einig: "Niemand verlangt von Flüchtlingen, dass sie ihre eigene Persönlichkeit aufgeben." Eine Toleranz und Anerkennung des Ist-Zustands sowie der Gesellschaftsstrukturen vor Ort in der neuen Heimat sowie Respekt vor der Persönlichkeit aller anderen Mitbürger seien jedoch ein Mindestmaß, das man von jedem, der in einer Gesellschaft leben will, erwarten dürfe.

Die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer unter den Seminarteilnehmern wiesen darauf hin, wie wichtig es ist, positive Ansätze zu verstärken. "Wir unterstützen Flüchtlinge dabei, ihren Weg zu finden", lautete eine Wortmeldung. Jeder von ihnen bringe kollektive und individuelle Prägungen mit. Diese seien von Kultur zu Kultur unterschiedlich.

Die Mitarbeiter der VHS verfügen mittlerweile über einen reichen Erfahrungsschatz im Umgang mit Flüchtlingen. "Die meisten sind sehr froh und dankbar, wenn man ihnen offen aufzeigt, welche Regelungen und gesellschaftliche Normen gelten", erklärte Christine Schelhaas. Niemand trete gerne in Fettnäpfchen. "Kulturelle Unterschiede und Unterschiede in den Traditionen werden deshalb von unseren Lehrkräften sehr einfühlsam im Unterricht thematisiert", machte die VHS-Leiterin deutlich.

"Das Seminar war ein großer Erfolg." Christine Schelhaas' Fazit am Ende der Veranstaltung war eindeutig. Alle Beteiligten wünschen sich ihren Angaben zufolge eine Fortsetzung. Ihr Dank galt der Volksbank Main-Tauber, die mit einer Spende die kostenfreie Teilnahme möglich gemacht habe.

Für den zweiten Teil, der als Erweiterung auch Asylbewerber einbinden soll, werden noch Sponsoren gesucht. feu