Leserbrief

Corona und Aerosole

Was passiert eigentlich beim Atmen?

Leserbrief zu „Augenmerk auf Aerosolen“, BA vom 26. Mai.

Zur Ergänzung meines Leserbriefs „Man müsste nur die richtigen Fragen stellen“ (BA vom 26. Mai) drängt es mich noch, mich zu den neuesten Erkenntnissen von Professor Drosten zu äußern. Aus Sicht des Charité-Professors verstärkt sich nämlich der Eindruck, dass es zusätzlich zur Tröpfcheninfektion eine deutliche Komponente von Aerosol-Infektionen gebe, ja sie spiele sogar eine wichtige Rolle.

Da muss man mal die Frage stellen, was denn bei der Atmung eigentlich passiert. In den kleinsten Lungenbläschen findet der Austausch des eingeatmeten Sauerstoffs mit dem auszuatmenden CO2 und H2O statt. Dass dieses Wasser nicht aus Tröpfchen bestehen kann, leuchtet ein; es sind vielmehr feinste Teilchen, eben Aerosole, die bis zur Ausatmung teilweise zu Tröpfchen (oder gar Tropfen) agglomerieren und auch als solche sicht- und spürbar werden können. Die sind natürlich von Aerosolen in mehr oder weniger großer Zahl begleitet.

Dass sich Viren auch auf denen festsetzen, ist nun die neue große Erkenntnis, glaubte man doch bisher zu wissen, dass diese sich nur auf Tröpfchen anheften und sich so auf ihre Verderben bringende Reise machen. Deswegen war man sich auch sicher, dass sie nach maximal zwei Metern zur Erde fielen und dort hoffentlich zertrampelt würden, soweit sie nicht von einem Mundschutz eingefangen wurden.

Nun muss man – leider – die neu entdeckten Aerosole berücksichtigen, die sowohl durch den Mundschutz entweichen als auch von den Helmen nicht aufgehalten werden. Warum nur wissen die Fachleute nicht, wie sich die Atemluft ausbreitet? Dabei kann doch jedes Kind beobachten, wie weit sich bei Frost der Atem mit den kondensierten Wasserbestandteilen vom Mund entfernt und sich nicht nach zwei Metern gen Boden verabschiedet, sich bald in der Luft verdünnisiert und nur scheinbar verschwunden ist. Das kann man auch bei Kondensstreifen und Rauchern beobachten.

Welche Schlüsse zieht nun Herr Drosten aus diesen Erkenntnissen? Ich fasse zusammen: Man solle sich auf das Lüften konzentrieren.

Zum Abschluss erlaube ich mir, ihn wörtlich zu zitieren: „Ab irgendeinem Zeitpunkt brauchen wir einfach vielleicht auch eine große Überarbeitung unserer jetzigen Richtlinien anhand neu aufkommender Vorstellungen zum Infektionsmechanismus.“

Das sind gleich mehrere Salti rückwärts: „…irgendeinem… einfach vielleicht… große Überarbeitung… aufgrund neuaufkommender…“ Wenn nicht jetzt sofort geforscht wird, wo doch alle Forscher mit riesigem Geldregen gefördert werden, wann dann? Will man etwa darauf warten, dass sich die Dramen wiederholen, um betonen zu können, dass man doch recht gehabt hat?

Ich bin einer von 80 Millionen Hobby-Virologen und -Pandemiologen, die zur Aufklärung beitragen wollen; auf keinen Fall will ich die Irritationen verstärken, die durch die ständig wechselnden Aussagen der Wissenschaftler und wahlkämpfenden Politiker im Übermaß produziert wurden.

Jochen Henke

Bensheim

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