Leserbrief

Waldwirtschaft

Vielerorts steht nur noch Stangenholz

„2019 werden weniger Bäume gefällt“, BA vom 28. November:

Dass Hessen-Forst die überzogenen Hiebsätze im Lindenfelser Wald mit Naturgewalten rechtfertigt, ist eine Frechheit. Nach Eintritt der Stadt in den Rettungsschirm 2013 hat die Verwaltung dazu willkürlich einen Betrag von 25 000 Euro als jährlich zu erbringenden Gewinn definiert. Der liegt rund um das Dreifache über dem sonst üblichen Erwirtschaftungsbetrag aus dem Wald.

Nach anfänglicher Kritik hatte sich Hessen-Forst gefügt. Die Waldwirtschaftspläne wurden Jahr für Jahr durch die Stadtverordneten wohlwollend durchgewunken. Schauen wir uns an, wohin dies in unseren Gemeindewäldern geführt hat:

In der Umgebung der Burg wurden zahlreiche Altbäume gefällt und Wald entlang der Spazierwege zerstört. Vielerorts stehen nur einige Meter langes Stangenholz statt Bäumen. Inzwischen wurden weitere Fällmarkierungen angebracht, auch an Eichen.

Im Zentrum des Buchwalds gibt es massiven Kahlschlag durch den Einsatz von Harvestern. Der kümmerliche Restbestand wird mit der Zeit wegen Sonnenbrandes verenden. Bergeweise liegt dort Altholz, das ungenutzt vor sich hinmodert. Dutzende Bäume wurden so massiv verletzt, dass sie ebenfalls eingehen werden. Auch hier wurden weitere Bäume zur Fällung markiert.

Im Waldgebiet Winterkasten-Nord sind viele Kahlschlaggebiete aneinandergereiht. Das Gebiet am Rodenstein ist fast ausradiert. Im Gebiet Mark neben der Germannshöhe kämpfen die noch verbliebenen Buchen gegen den Sonnenbrand. Auch hier liegt bergeweise Altholz, das vor sich hinmodert.

Im Schenkenberg gibt es mehrere Kahlschlaggebiete und massive Verletzungen an vielen Bäumen. Zahlreiche Eichen im Südteil wurden durch Hessen-Forst gefällt, ebenso viele Buchen in der Umgebung. Im Waldgebiet Winkel wurden ebenfalls massiv Bäume gefällt, darunter viele Eichen.

Der Eichenbestand in Lindenfels beträgt aktuell rund fünf Prozent. Obwohl sie Gewinner des Klimawandels sind und gleichzeitig das Rückgrat unserer Wälder, werden sie weiterhin abgeholzt, weil sie hohe Marktpreise erzielen. Hessen-Forst hat dabei keinerlei Absicht, Eichen nachzupflanzen.

Im FFH-Schutzgebiet Seidenbuch gibt es dutzende Fällmarkierungen zur weiteren Altbaumentnahme. Der Schutzbeauftragte dieses Gebiet ist dabei Mitarbeiter von Hessen-Forst. Was ist der Wert des Menschen ohne seine Wälder?

Hakan Günder

Lindenfels

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