Leserbrief

Kirchen

„Verirrte Seelen“ der Barmherzigkeit Gottes anvertrauen

Leserbrief „Aus Protest vorzeitig den Gottesdienst verlassen“, BA vom 6. Januar

Mit großem Interesse las ich den Leserbrief. Mit sehr guten Worten fasste die Schreiberin den ersten Teil der Predigt des Pfarrers in Sankt Georg zusammen – mit dem Hinweis auf das Martyrium des heiligen Stephanus, dem Beginn der Christenverfolgung.

Die Verfasserin erwähnt dann die vom Pfarrer angesprochenen grausamen Aktionen in den Flüchtlingsbooten und -lagern, die „von einigen verirrten Seelen“ verübt werden. Sie scheint über die heutige Situation der Christen in vielen Ländern des Nahen Ostens nicht ausreichend informiert zu sein. Die Verfolgung der Christen in diesen Ländern hat ja nicht erst mit ihrer Vertreibung durch den IS begonnen. So sind beispielsweise seit dem Ende des Irakkrieges, der den Sturz Sadam Husseins zur Folge hatte, die Christen kontinuierlich Verfolgung, Diskriminierung, Gewalt und gezielten Anfeindungen ausgesetzt.

Woher kommt in diesen Ländern der wachsende Hass auf alles Christliche? Ausgangspunkt ist und bleibt der Koran, der in den muslimischen Ländern des Nahen Ostens Wegweisung für alle Entscheidungen ist.

Als Beispiel ein Auszug aus einem Bericht des Instituts für Islamfragen der Evangelischen Allianz vom 31. August 2010: Dem prominenten saudischen Rechtsgutachter des Islam, Muhammad Salib al-Munajjid, wird die Frage gestellt: „Wie sieht der Islam die Ungläubigen?“

Ein kurzer Auszug aus seiner Antwort: „Seid hart gegen die Ungläubigen, doch barmherzig gegeneinander (Sure 48, 29). Der Islam hat uns befohlen, die Juden und Christen von der arabischen Halbinsel zu vertreiben. Sie dürfen dort nicht bleiben, denn die arabische Halbinsel ist das Land der Botschaft des Islam.“

Ayaan Hirsi Ali, eine mutige muslimische Dissidentin, schreibt in ihrem Buch „Reformiert Euch!“ auf Seite 221: „In einigen Ländern unterstützen Regierungen und ihre Repräsentanten offen antichristliche Gewalt. Kirchen werden niedergebrannt und praktizierende Christen inhaftiert.“

Menschen, die von Geburt an dieser Ideologie ausgesetzt sind, verhalten sich leider entsprechend. Ich sehe es deshalb als Pflicht eines Pfarrers an, in dem angesprochenen Gottesdienst ganz besonders für diejenigen zu beten, die unter Ausgrenzung und Demütigung zu leiden haben. Vielleicht und hoffentlich hat der angesprochene Pfarrer ja nach der Predigt, in den sogenannten „Fürbitten“, auch jener großen Gruppe „verirrter Seelen“ gedacht und sie der Barmherzigkeit Gottes anvertraut.

Auf jeden Fall finde ich es bewundernswert, dass die Leserbrief-Schreiberin als Nicht-Christin in der Weihnachtszeit einen christlichen Gottesdienst besuchte und möchte sie ermuntern, das zu wiederholen.

Wolfgang Müller

Bensheim

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