Leserbrief

Holocaust-Denkmal

Unsere Gesellschaft misst mit zweierlei Maß

„In prominenter Gesellschaft“, BA-Leserforum vom 28. Januar, und „Das Denkmal ist angemessen“, BA-Leserforum vom 2. Februar

Die Intention des Leserbriefes vom 28. Januar wird von dem Verfasser des darauf folgenden Leserbriefes völlig missverstanden. Es geht darin keineswegs um eine Verharmlosung des Holocaust. Vielmehr macht der Schreiber deutlich, wie in unserer Gesellschaft aufgrund der sogenannten „politischen Korrektheit“ zweierlei Maß angelegt wird.

Und wenn in dem Leserbrief vom 2. Februar davon die Rede ist, dass nur „Selbstbewusste“ zu ihrer „Schuld“ und ihrem „Versagen“ stehen können, dann suggeriert der Verfasser damit, wir, die Generation der Nachgeborenen, müssten uns Versagen und Schuld im Hinblick auf den Holocaust vorwerfen lassen. Dem ist jedoch nicht so!

Es gibt keine Kollektivschuld, weder im moralischen noch im juristischen Sinne. Schuld ist immer individuell und setzt voraus, dass man Entscheidungsfreiheit hatte. Kein Geringerer als Stefan Krämer, damaliger Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, formulierte das in der FAZ vom 20. Juni 2006 so: „Es gibt keine Kollektivschuld. Nur weil jemand Deutscher ist, ist er nicht schuldig.“ Und Krämer führt weiter aus, jeder Mensch habe Verantwortung, ganz gleich, welcher Herkunft er sei.

Dr. Peter Zehfuß

Einhausen

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