Leserbrief

Forstwirtschaft

(Radi)-Kahlschlag im Schlosswald

Seit Dezember wohne ich im Lindenfelser Schlosswald. Ich hatte mir beim Einzug hinter dem Haus ein Plätzchen ausgemacht, das ich in diesem Frühjahr als „Freisitz“ herrichten wollte. Soweit die Theorie.

An wenigen Tagen im Februar haben mir Mitarbeiter der Stadt Lindenfels dieses Vorhaben gründlich vermasselt. Ich hörte nur immer und immer wieder Motorsägen heulen. Als die Arbeiten beendet waren, konnte ich in aller Ruhe das Ausmaß dieser Aktion ansehen. Sofort hatte ich den Gedanken, dass hier wohl eher Quantität als Qualität zählte.

Vom Kräutergarten der Burg aus betrachtet, sieht das Drama noch weitaus übler aus. „Freien Flug für freien Müll“, ging mir zuerst durch den Kopf. Ich überlegte dann, warum wohl so viele eindeutig gesunde Bäume fallen mussten, hatte zunächst aber keine Erklärung.

Ich ärgere mich darüber, dass mit den gefällten Bäumen nun der Sicht- und Schallschutz komplett dahin sind, genauso wie die Nistmöglichkeiten für einige Vögel und anderes Getier. Ab ist ab.

Reden kann man nach der Arbeit. Ich befragte also meine Vermieterin und erfuhr, dass viele der Bäume auf ihrem Grundstück standen und mehr oder weniger illegal „sterben“ mussten. Scheinbar ist zuvor nur geklärt worden, dass die Arbeiter über das Grundstück durften, um ihren Auftrag besser erledigen zu können. Was genau aber abgeholzt werden sollte, wurde wohl nie besprochen. Wie gesagt: Ab ist ab.

Hinzu kommt nun, dass die Zuständigkeit und die Auftraggeber offenbar nicht auszumachen sind. Meine Vermieterin erklärte mir noch den Grund für das Geschehene: Die Sicht ins Weschnitztal sollte frei werden. Doch dieses Vorhaben hat optisch und in vielen anderen Belangen nur bedingt gut funktioniert. Mitdenken wäre in diesem Fall bestimmt nicht verboten gewesen.

Heike Degenhardt

Lindenfels

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