Leserbrief

Gewerbegebiet Im Gehren

Lindenfels muss Kapital und Kreativität bündeln

Bauschutt-Recyclinganlage in Kolmbach:

Die Bauschutt-Recyclinganlage ist der erste Sargnagel der gescheiterten Stadtentwicklungspolitik, es werden weitere folgen. Die Stadt Lindenfels rutscht den Hang hinunter und schafft es nicht, anzuhalten, um wieder an Höhe zu gewinnen. In der Stadtverordnetensitzung wurde das Tourismuskonzept abgelehnt, die Innenstadtentwicklung aufgegeben. Es mangelt an Ideen und Geld.

Mit dem wenigen Geld die Kehrtwende zu schaffen, geht scheinbar schwer bis gar nicht. Wir brauchen eine Idee und ein Konzept. Wenn wir gute Ideen haben und diese in ein Konzept und einen Wirtschaftsplan einfließen lassen, kommt das Geld. In der Wirtschaft und im Fernsehen wird uns das vorgelebt.

Ideen müssen zur Stadt passen

Die Start-up-Szene boomt. Es sind oft junge, nicht etablierte Unternehmen, die innovative Ideen mit hohem Potenzial haben, die aber Kapital benötigen. Kapital und Kreativität bündelt sich, das Geschäft beginnt. Lindenfels und andere Gemeinden brauchen diesen Impuls, um wieder auf die Beine zu kommen.

Die Ideen müssen aber zu der Stadt passen, sie unterstützen. Was macht Lindenfels aus, was macht Lindenfels attraktiv? Was macht Lindenfels lebenswert oder besuchenswert? Natur und Tourismus dürften dabei eine Rolle spielen. Die Perle des Odenwaldes liegt im Staub. Reinigen hilft nicht. Die Perle muss neu positioniert werden, die Welt und die Menschen haben sich in ihren Wünschen und Bedürfnissen geändert.

Ein E-Bike-Point als Alternative?

Von der Kolmbacher Bürgerinitiative wurde die Attraktivität des Gewerbegebietes Im Gehren infrage gestellt. Wir können froh sein, eine Firma gefunden zu haben, die bereit ist, dort zu investieren. Attraktivität wird hier aber als Konsequenz von 16 Jahren Vermarktungs-Misserfolg gemessen.

Der Begriff attraktiv muss aber in den Zusammenhang „für was“ gebracht werden, um bewertet werden zu können. Auch für ein Gewerbegebiet braucht es eine Vision. Wenn ich nicht weiß, wen ich dort ansiedeln will, wird sich der Erfolg nicht einstellen. Sonst aber kann ich potenzielle Partner ansprechen und überzeugen.

Wie könnte das Gewerbegebiet die Attraktivität von Lindenfels und Lautertal stützen? Das ist Brainstorming von einem Spaziergang und muss sicher vertieft werden. Die guten Veranstaltungen im Felsenmeer und auf der Burg haben mich dazu inspiriert. Natur und Tourismus hatten wir schon, Naherholungsgebiet, Heilklimatischer Ort, ein gutes Wegenetz und viele Möglichkeiten, um einzukehren. E-Bikes dominieren die Urlaubsgebiete der Alpen. Das Fahrrad wird für Leute attraktiv, die schon lange nicht mehr darüber nachgedacht hatten. Fahrradfahren wird für Regionen attraktiv, die bisher topographisch nur für Sportler attraktiv waren.

Warum siedelt die Stadt, gegebenenfalls gemeinsam mit Lautertal dort – nicht einen E-Bike-Point mit Shop und Kaffee an? Das kostet nicht viel Geld, unterstützt die Positionierung, bringt Besucher in die Region, bringt Attraktivität und damit Übernachtungsgäste. Parkplätze sind kein Problem, das Wegenetz ist direkt angeschlossen. GPS-Systeme können mit Wegen gespeichert, Top-Spots ausgewiesen werden. Veranstaltungen und Wettbewerbe fördern den Bekanntheitsgrad. Kinder aus Schulen im Umfeld können Fahrradtrainings erleben und so wieder zur Mobilität gebracht werden.

Es kann sein, dass der Gedanke schlecht ist, er ist auch nur ein Stellvertreter für einen Weg, um das Thema anzugehen. Er passt aber in das Bild von Lindenfels und Lautertal. Wenn solche oder andere Gedanken zu Ende gedacht werden, werden sich Partner für das Gewerbegebiet finden, die Lindenfels positiv aufladen.

Jürgen Fleer

Kolmbach

Info: Leserbrief-Richtlinien unter bergstraesser-anzeiger.de/ leserbriefe

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