Leserbrief

Neue Initiative

Für Wohnungen sorgen, ohne Flächen zu versiegeln

„Neue Initiative will Südstadt verhindern“, BA vom 8. Januar

Das Ziel dieser Initiative ist auf jeden Fall zu unterstützen. Dass man damit gleich Bensheim „rettet“, finde ich unpassend, eher rettet man ein Stück Natur und Boden.

Kommunalpolitiker sind oft in der Situation, dass sie wichtige Ziele verfolgen müssen, die im Widerspruch zueinander stehen. So kann es passieren, dass man dringend benötigte Wohnungen schaffen will und das so wichtig nimmt, dass der Schutz des Bodens hinten runterfällt. Weil man denkt, dass man halt bauen muss. Ich finde, man sollte vielfältiger nach Lösungen suchen.

Die „Bürger für Bensheim“ haben vor einiger Zeit einmal eine ganze Reihe von Möglichkeiten vorgeschlagen, wie man Wohnraum schaffen kann, ohne neue Flächen außerhalb zu versiegeln. Warum kann man denn nicht Wohnungen bauen durch Aufstockung von Einkaufszentren – und dabei die Dächer gleich noch mit Solaranlagen bestücken? Warum versiegelt man so viele große Flächen, nur damit da Autos gelegentlich drauf rumstehen können? Sind die denn wichtiger als Menschen, die Wohnungen brauchen? Vielleicht kann man da ja auch Wohnungen drüber bauen, wenn man die armen Autos nicht gleich obdachlos machen will?

Es gibt einen Aspekt, der sicherlich nicht einfach anzugehen ist, an den man aber auch denken sollte: Muss denn die Wohnfläche pro Person auch in Zukunft immer weiter steigen wie seither (1998: 38 Quadratmeter, 2019: 47 Quadratmeter)? Wenn man Kinder bekommt, steigt der Bedarf an Wohnfläche. Wenn sie ausgezogen sind, man vielleicht auch noch den Partner verloren hat, braucht man nicht mehr so viel.

Leerstände abbauen

Manche älteren Menschen leben allein in einem Haus, das früher für eine ganze Familie gebaut oder gekauft wurde, ein Haus, an dem die Bewohner verständlicherweise hängen, das sie aber in der Größe gar nicht mehr richtig bewohnen können, vielleicht auch den Garten kaum noch pflegen können. Und einen Teil zu vermieten, geht wegen des Zuschnitts der Zimmer nicht.

Was macht man, solchen Menschen zu helfen, eine kleinere und barrierefreie Wohnung anzubieten – möglichst in der Umgebung – und sie zu motivieren, umzuziehen? Damit würde man Wohnungsleerstand abbauen und bedarfsgerechtes Wohnen ermöglichen – ohne Neubau.

Ich war die letzten Monate in einer AG Flächenschutz beteiligt und wir haben eine Resolution ausgearbeitet, die am kommenden Samstag auf der 2. Biodiversitätskonferenz zur Abstimmung steht. Da haben wir ausgeführt, wie wichtig es ist, den Boden zu schützen und was die Kommunalpolitik tun kann, weiteren Flächenverbrauch zu stoppen.

Otto Merkel

Bensheim

Info: Leserbrief-Richtlinien unter bergstraesser-anzeiger.de/ leserbriefe

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