Leserbrief

Klimanotstand

Führen wir Krieg gegen unsere Kinder und Enkel?

Wir haben den Ernst der Lage noch nicht begriffen. Der Weltklimarat weist noch einmal darauf hin: Schon jetzt sind die Gefahren für ein Überleben der Menschen auf der Erde weit größer als 2015, als in Paris die Klimabeschlüsse gefasst wurden, die dann nicht eingehalten wurden. Regelmäßig freitags fordern daher Jugendliche weltweit zu energischem Handeln auf.

Trotzdem wird bei uns in Bensheim in Leserbriefen fast nur über das Haus am Markt geschrieben, was es schon nicht mehr gibt. Angesichts der begrenzten Regenerierungsfähigkeit unserer Erde können wir es uns nicht mehr leisten, Häuser, die unter großem CO2-Ausstoß gebaut worden sind, einfach abzureißen, wenn sie uns nicht mehr gefallen. Statt das Bürgerhaus zu renovieren, hat man es – bis auf die Außenwände – abgerissen, ohne recht zu wissen, was an seine Stelle treten soll. Noch ist das Bürgerhaus nicht wieder hergestellt, da wird das Haus am Markt abgerissen – und diesmal, als die Schülerstreiks eigentlich schon zum Nachdenken hätten anregen sollen.

Es herrscht Klimanotstand, ob er offiziell ausgerufen worden ist oder nicht. Aber wir tun so, als uns das Leben der kommenden Generationen egal sein könnte. „Nach uns die Sintflut“, sagte man früher. Wir handeln nach dem Grundsatz: „Nach uns verbrannte Erde“. Die Erde können wir nicht verbrennen, wohl aber können wir sie auf Millionen von Quadratkilometern unbewohnbar machen. Haben wir denn den Krieg gegen unsere Kinder und Enkel ausgerufen?

Walter Böhme

Bensheim

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