Leserbrief

Marktplatz

Eigentümer setzt auf Leidensdruck der Stadt Bensheim

„Ich werde seit zehn Jahren schikaniert“, BA vom 12. April

Herr Gerlach als Opfer der Praktiken der Stadt Bensheim? Diese Meinung des Eigentümers der Häuser Marktplatz 2+3 soll nicht unkommentiert bleiben. Die Stadt Bensheim hatte aus ihrer Sicht bereits Stellung bezogen (BA vom 13. April).

Nur kurz die Fakten: Die Stadt war bereit, für das baufällige, wenn nicht schon marode Gebäude-Ensemble für bis zu 1,5 Millionen Euro zu zahlen. Die Frist zur Annahme dieses sicherlich opulenten Angebots hat Herr Gerlach verstreichen lassen (BA vom 15. März). Stattdessen fordert er nun annähernd das Doppelte.

Besonders pikant ist daran, dass Bausachverständige und Handwerker, die die Gebäude begangen haben, hinter vorgehaltener Hand lediglich einen Wert im sechsstelligen Bereich gesehen haben.

Und zum Thema Rendite: Die beste Rendite erzielt man bei einer Immobilie, wenn man sie in Ordnung hält und somit interessant für den Vermietungsmarkt oder Immobilienmacht macht. Vor allem bei so einer Lage. Aus verständlichen Gründen findet sich kein Investor, der Fantasie-Preise bezahlt, um dann womöglich noch einmal den gleichen Betrag in eine Sanierung zur Erreichung eines heute geforderten Gebäudestandards zu stecken, so dass die Gebäude überhaupt zu Gewerbe- und Wohnzwecken nutzbar sind.

Die von Herrn Gerlach im Interview von ihm angedachten Nutzungen in Anbetracht der vorhandenen Bausubstanz können getrost in das Reich der Fabeln verbannt werden.

Daher setzt der Eigentümer auf die öffentlichen Kassen – und den Leidensdruck in der Stadt Bensheim. Die Öffentlichkeit – sprich wir alle – soll diese Familie finanzieren, die ja von irgendetwas leben muss (so O-Ton Gerlach im Interview).

Daher ist der Eigentümer nur auf die Stadt als Verhandlungspartner fixiert, weil er sich hierdurch eine Finanzierung seiner Luftschlösser verspricht, die sonst keiner bezahlen will. Ein Kauf durch die Stadt für 1,5 Millionen Euro wäre schon mehr als grenzwertig gewesen.

Eine Erfüllung der jetzt im Raum stehenden Forderung von 2,9 Millionen Euro eines wohl dem Gemeinnutz in keiner Art und Weise verpflichteten Eigentümers (der allem Anschein nach Investitionen und Verluste solidarisieren, Gewinne aber privatisieren will) wäre eine Verschwendung von Steuermitteln skandalösester Art.

Malte Jetter

Bensheim

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