Leserbrief

Wohngebiete

Bebauung mit Einzelhäusern vermeiden

„Zuzug ist für den Ort lebenswichtig“, Bergsträßer Anzeiger vom 27. Mai 2019

In ihrem letzten Wahlprogramm weist die CDU Einhausen darauf hin, dass Sie unbegrenztes andauerndes Wachstum auch für ihre Gemeinde will. So wie die Einhäuser CDU denken viele Politiker. (Auch Politiker anderer Couleur.) „Wachstum, Wachstum über alles!“ lautet überall die Devise. Und dies, obwohl sogar die Bundesregierung ihre Absicht verkündet hat, den Flächenverbrauch innerhalb der nächsten Jahre drastisch zu verringern. Wie soll das aber erreicht werden, wenn überall nach der gleichen Manier wie zu der Nachkriegsaufbauzeit verfahren wird? Weiteres Bauen in der derzeitigen Form muss in Zukunft durch alternative Lösungsmöglichkeiten zur Schaffung von ausreichend Wohnraum ersetzt werden. So gilt es vor allem, die Einzelhaus-Bebauung von Grundstücken zu vermeiden.

Und was das Einhäuser Verkehrs-Gutachten betrifft, so gilt: Wer es bezahlt, der bekommt das Gutachten-Ergebnis, das er haben will. In der Realität sieht das dann aber plötzlich doch ganz anders aus. Auch die Einhäuser werden eines Tages überrascht sein von der starken Verkehrszunahme innerhalb ihrer Gemeinde.

Weniger Ackerflächen

Der Erwerb der Grundstücke durch die Hessische Landgesellschaft (HLG) ist gleichbedeutend mit der Verringerung von Ackerflächen. Es verwundert aber schon, dass es bei der Neuausweisung von neuen Wohngebieten überwiegend keine Proteste der Landwirtschaft dagegen gibt. Gegen die geplante Renaturierung der Weschnitz in Einhausen gibt es dagegen Proteste der davon betroffenen Landwirte.

Es geht der CDU Einhausen auch sicher nicht vorrangig um die Schaffung von billigem Wohnraum, sondern um die Erhöhung der Steuereinnahmen durch den Zuzug nach Einhausen. Es geht ihr vor allem um den Zuzug finanzstarker Menschen, die dort in der Einhäuser Gemarkung weitere Wohnhäuser errichten werden.

Einhausen erfreut sich insbesondere deswegen großer Beliebtheit, weil es derzeit dort noch möglich ist, günstig zu bauen oder preiswerte Wohnungen anzumieten. Doch wenn der Zuzug nach Einhausen noch größer wird, werden sich die Angebote verringern und eine Explosion der Immobilien-Preise und der Mieten wird die Folge sein.

Die Lebensverhältnisse, die der Grund für ein gut funktionierendes Vereinsleben in Einhausen bilden, werden durch den Zuzug bzw. die Erhöhung der Einwohnerzahl zerstört werden.

Enorme Kosten

Durch weiteren Zuzug wird sich auch der Bedarf an Kindergärten und anderen Infrastruktur-Maßnahmen erhöhen, was mit enormen Kosten für Einhausen verbunden sein wird. Insofern ist es eine Illusion, mit erhöhten Einnahmen durch mehr Zuzug nach Einhausen zu spekulieren. Ständiges Weiterwachsen bedeutet den Verlust von Ackerflächen sowie von Landschaft (mit ihren Naherholungsgebieten) und eine Zurückdrängung der Natur. Es geht doch nicht um die Einhäuser, sondern um die „Zuzieher“ aus anderen Städten und Gemeinden.

Tilly und Walter Müller

Bürstadt

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