Leserbrief

Tarifbindung

Austritte schwächen die Rechte der Arbeitnehmer

„Immer mehr Arbeitgeber schlagen sich in die Büsche“, BA vom Dienstag, 9. April

Müssen sich nicht auch die Gewerkschaften den Schuh der sinkenden Tarifbindung anziehen? Früher hatten sie jedenfalls deutlich mehr Mitglieder“, stellte Korrespondent Stefan Vetter gegenüber dem Mitglied im DGB-Bundesvorstand, Stefan Körzell fest.

Als langjähriger Vorsitzender des DGB-Lautertal/Lindenfels und als DGB-Mitglied seit 50 Jahren kann ich versichern: Rausgeworfen haben wir keinen, die sind alle von selbst gegangen. Denn auch der DGB hat mit den Problemen zu kämpfen, mit denen sich die beiden Volksparteien, die christlichen Kirchen und inzwischen auch immer mehr Vereine herumschlagen müssen: den Austritt ihrer Mitglieder aus finanziellen Gründen.

Geld sparen, aber Hilfe erwarten

In Deutschland gibt es eine immer größer werdende Zahl von Menschen, die aus finanziellen Gründen gezwungen sind, oder meinen, gezwungen zu sein, Gewerkschafts-, Partei- und Vereinsbeiträge sowie Kirchensteuer einsparen zu müssen. Die Austritte aus dem DGB führten zu einer bedeutenden Schwächung der Rechte der Arbeitnehmer. Nur noch rund sechs Millionen sind gewerkschaftlich organisiert. Von ihnen, ihren Beiträgen und den Aktivitäten ihrer Führung werden Lösungen für rund 42 Millionen Arbeitnehmer erwartet, von denen rund 36 Millionen meinen, Geld einsparen, aber Lösungen in ihrem Sinne erwarten zu können.

Wenn nur 14 Prozent für 100 Prozent die Kohlen aus dem Feuer holen sollen, wird das auf Dauer nicht gelingen. Und wenn „sich immer mehr Arbeitgeber bei der Tarifbindung in die Büsche schlagen“, sehe ich schwarz für die in über einem Jahrhundert erkämpften Arbeitnehmerrechte mit auskömmlichen Löhnen und Gehältern. Nur starke Gewerkschaften mit vielen Mitgliedern können erfolgreich für die Arbeitnehmer kämpfen. Ein Einzelner jedoch ist chancenlos.

Heinz Eichhorn

Vorsitzender DGB-Ortsverband

Lautertal/Lindenfels

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