Leserbrief

Bauschutt-Recyclinganlage

Aufbereitung sollte im Ballungsgebiet stattfinden

„Helbig vermisst sachliche Diskussion“, BA vom 28. November:

Als einer der „Protestierer“, die sich laut Bürgermeister Michael Helbig „bei jeder Form von Änderung finden“, bin ich ihm dankbar dafür, dass er eine sachliche Diskussion zur Bauschutt-Anlage in Kolmbach vermisst. Herr Helbig schreibt am 12. Oktober, dass pro Tag 26 Lkw-Fahrten zugelassen wären. Um das zu verdeutlichen, solle man es einfach einmal vergleichen mit den örtlichen und regionalen Busverbindungen. Und schon könnte eine sachliche Diskussion beginnen.

Weiterhin stellt Herr Helbig klar: „Wir wollen alle Entwicklung – aber vor der eigenen Haustür offenbar nicht.“ Er meinte damit das Gebiet Im Gehren und nicht, wie fälschlicherweise vermutet werden könnte, das Kreuzergelände bei der Kernstadt. Und schon sind wir wieder sachlich.

Offenbar haben wir – die „Protestierer“ – der Öffentlichkeit vermittelt, in Kolmbach entstünde ein riesiges Gewerbegebiet mit üblen Schadstoffemissionen – so wörtlich Herr Helbig. Das tut mir natürlich leid. Um es sachlicher zu formulieren: in Kolmbach soll eine Bauschutt-Recyclinganlage entstehen – nicht besonders groß, und sie macht vermutlich auch nicht so viel Lärm und Dreck, wie wir befürchten. Die Lage ist zwar etwas unpassend – aber doch nur aus Kolmbacher und Gadernheimer Sicht. Das ist mir jetzt etwas unsachlicher geraten.

Der Bürgermeister gibt zu bedenken, dass Recyclingmaterial gebraucht würde und dafür weite Strecken gefahren werden müssten. Das Material ortsnah aufzuarbeiten, sei auch ein Aspekt beim Klimaschutz. Diesem Sachargument kann ich mich vollumfänglich anschließen, entsteht doch der meiste Bauschutt in den Ballungsgebieten und wird dort auch am meisten gebraucht. Also sollte auch dort eine Aufbereitungsanlage platziert werden (wie unter anderem in Bensheim schon geschehen).

Bereits in der Kolmbacher Ortsbeiratssitzung am 19. September gab Herr Helbig bekannt, dass mit der Anlage vier Vollzeitarbeitsplätze geschaffen werden. Das wäre ein echtes Sachargument. Es scheint allerdings so nicht zu stimmen – zumindest wurde diese Zahl so nie wieder bestätigt. Bei 20 Tagen, an denen der Brecher laufen soll, ist das auch schwerlich vorstellbar.

Frage nach dem Abwasser

Im Artikel vom 28. November stellt Herr Helbig fest, dass die Verwaltung seit der Sitzung des Ortsbeirats am 19. September und der Stellungnahme vom 12. Oktober die Transparenz geschaffen hat, die ihr nach geltendem Recht möglich ist – nach nur knapp über einem Jahr seit dem ersten Verkaufsbeschluss. Das müssten die Anwohner und die „weiter entfernt wohnenden Menschen“ – bin ich das oder noch weiter weg? – akzeptieren.

Das kann man durchaus auch anders sehen. Wieso macht die Verwaltung nicht öffentlich, was mit dem Abwasser passiert, wie die Widersprüche in den beantragten Zahlen zu erklären sind – Jahresmenge 21 100 Tonnen gegen 8000 Tonnen, die bearbeitet werden – und wie hoch die Schuttberge tatsächlich werden? Das würde mit Sicherheit keinem der Beteiligten schaden. Oder doch?

Ich bin sicher, dass zu keiner Zeit irgendeiner der „Protestierer“ zur Rechtsbeugung aufgefordert hat, wie das von Herrn Helbig – natürlich rein sachlich – suggeriert wird.

Dieter Kaffenberger

Gadernheim

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