Leserbrief

Innenstadtentwicklung

Alles Grün wird abgeholzt, jedes Fleckchen bebaut

Die Pläne zur Bebauung des bald ehemaligen Bauhofareals sind erst unlängst bekannt geworden. Da wird nicht gekleckert, da wird geklotzt! Jedes noch so kleine Grün wird abgeholzt, und jedes Fleckchen, dessen man im Gebiet Melibokusparkplatz und ehemaligem Güterbahnhof habhaft werden kann, bebaut.

Klimaschutz auch lokal ein Thema

Gerade hat die Weltklimakonferenz daran erinnert, dass auch regional und kommunal Klimaschutz von nöten ist. In Zwingenberg werden nun die letzten freien Flächen betoniert. Im BA-Bericht „Schulerweiterung, Altstadtparkplatz – und mehr“ vom 20. November wird ausgeführt, dass man mehr die Innenstadt bebauen möchte, um nicht weiter in die Fläche zu gehen. Da kann ich nur lachen, denn in Zwingenberg wird bekanntlich beides vorangetrieben: in die Feldgemarkung vordringen und in der Innenstadt jede Lücke schließen.

Schulerweiterung auf Bauhofareal

Abgesehen von einem Haus für die Schule wüsste ich nicht, welche Gebäude auf diesem Areal gebaut werden müssen, zumal diese Gebäude auch auf dem Grundstück des Bauhofes errichtet werden könnten. Die vorliegende Planung wird die letzten innerstädtischen Refugien für Vögel und Insekten vernichten: Der Melibokusparkplatz wird überbaut. Der Spielplatz hinter der Passschule verschwindet, und die Wohnraumdichte nimmt immens zu.

Welche Stadt besitzt denn eine Mehrzweckhalle mit Foyer und verstreut die hierfür benötigten Parkplätze weiträumig drumherum, wenn es schon einen großen Parkplatz davor gibt? Durch Zwingenbergs beengte Lage gibt es bei Veranstaltungen wie dem Weinfest an Pfingsten und dem Weihnachtsmarkt schon bisher ein Verkehrschaos.

Dieses verstärkt sich natürlich, wenn Parkraum, wie auch an der Bundesstraße 3, wegfallen wird. Angeblich soll es danach in Summe genauso viele Parkplätze geben wie zuvor. Aber eine weitere Bebauung für circa 300 Menschen benötigt natürlich auch öffentlichen Parkraum.

Weiter stellt sich die Frage: Wo soll zukünftig die Kerb stattfinden, wo die Gewerbeschau, wo das Kart-Training des MSC? Auch hierfür gilt: Wir haben einen Platz, der genutzt und gebraucht wird – diesen gilt es doch zu erhalten.

Wo bleibt die Bürgerbeteiligung?

Erst im August habe ich am Dialogforum des Bürgernetzwerkes Bergstraße teilgenommen. Es ging um das Thema „Gutes Leben in meiner Stadt“. Reine Zeitverschwendung? Das Erarbeiten von Ideen für ein Zwingenberg, in dem die Bürger „entschleunigt“ – sicher auch im Sinne von „Citta slow“ – leben können, umsonst?

Jetzt sehe ich, dass von oben nach unten regiert wird. Im Rathaus wird eine Idee geboren, und ein außenstehender Planer wird ohne Rücksicht auf gewachsene Strukturen das Areal modern und vermeintlich zeitgemäß zubauen. Was mir als Zwingenbergerin nie in den Sinn käme, wird mit großer Geste an den Bürgern vorbei vorangetrieben und durch die Gremien gepeitscht.

Warum werden nicht die Einwohner gefragt, warum gab es für so ein großes Projekt noch keine Bürgerbeteiligung?

Angela Kannengießer

Zwingenberg

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