Kirche

Erdrückende Regeln von oben ?

Archivartikel

Du sollst nicht töten! Oder: Du sollst nicht stehlen! Die meisten kennen diese Regeln aus dem Religionsunterricht. Viele glauben, wenn sie allein die biblischen Gebote konsequent befolgen, hätten sie später eine sichere Eintrittskarte ins Paradies.

Nach der Überlieferung hat Gott die zehn in Stein gemeißelten Gebote dem Propheten Mose auf dem Berg Sinai übergeben. Sie sollten die Haltung des Menschen zu Gott und zu den Mitmenschen regeln.

Gebote sind – nüchtern betrachtet – eine verbindliche Anweisung. Sie werden jedoch gerne als negative Gebote bewertet. Damit werden sie zu reinen Verboten. Wer sie missachtet, der muss mit Konsequenzen, also Strafen rechnen.

Werden die vorgegebenen Regeln dagegen als positives Gebot betrachtet, dienen sie mehr als Richtschnur oder Leitlinie für das eigene Handeln. Jedenfalls sind Gebote keine Gesetze. Sie stützen sich im Gegensatz zu den ethischen Geboten überwiegend auf verbindlichen Normen. Dabei wird nur verboten und jeder Fehltritt geahndet. Bei Geboten dagegen bleibt dem Einzelnen mehr Freiheit. Wie ich als Person handele, hängt von vielen Faktoren wie der eigenen Erziehung und persönlichen Erfahrungen ab. Das persönliche Gewissen spielt die tragende Rolle und ist zuallererst gefragt.

Manchmal ist auch Missachtung angesagt. „Not kennt kein Gebot“, sagt ein altes Sprichwort und meint: In einer Notlage tut man Dinge, die man sonst nicht tun würde.

Fakt ist: Die Zehn Gebote der Bibel haben wohl wie keine andere Regel das menschliche Zusammenleben in der Welt verändert. Nicht nur Judentum und Christentum orientieren sich an ihnen.

Die Gebote, die Gott selbst zugeschrieben werden, sind jedoch immer und überall bedroht. Viele missbrauchen die schlichten Regeln und spannen sie vor den Karren eigener, religiöser oder auch politischer Interessen.

Jesus greift die Themen Gesetzestreue und den Umgang mit den Geboten Gottes immer wieder auf. Er stellt sie aber konsequent in Beziehung zur Gottesliebe: „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird auch von meinem Vater geliebt werden“ (Johannes 14, 21).

Regeln braucht jede Gemeinschaft und daher auch Gebote. Sie sind notwendig, um ein gutes Miteinander zu entwickeln und zu pflegen. Sobald ein Gebot formuliert wird, kann es jedoch missbraucht werden. Darin liegt die Gefahr. Und da Gebote keine Gesetze sind, ist es zugleich auch notwendig, Ausnahmen von der Regel zuzulassen. Fehltritte nicht zu verurteilen, bei sich selbst und auch den anderen - das ist dann das Gebot der Stunde.

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