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Test Toyota Land Cruiser 2.8 D-D Comfort Klassische Lösung für schwierige Aufgaben mit Leiterrahmen, Untersetzungsgetriebe und Sperrdifferential

Schwieriges Gelände ist sein Arbeitsplatz

Archivartikel

Wo der Asphalt aufhört, da fängt der Arbeitsplatz des Land Cruiser an. Unbefestigte Waldwege zum Beispiel, auf denen es durch ausgefahrene Fahrrinnen viel zu ziehen gibt. Schwieriges Gelände, in dem Militärmissionen unterwegs sind. Vor einem schweren Pferdeanhänger auf dem Weg zum Reitplatz. Eine Furt am Gebirgsbach. Da, wo man Limousinen überhaupt nicht und SUV nur mit den größten Bedenken hinbewegt.

Beim Land Cruiser sind Vokabeln wie „Wattiefe“, „Bodenfreiheit“ oder „Böschungswinkel“ wichtiger als „Beschleunigung“ und „Höchstgeschwindigkeit“.

Eigentlich könnte der Land Cruiser, vom Design gesehen, ein in die Jahre gekommener SUV sein: bulliger Kühler, lang in die Kotflügel gezogene Scheinwerfer, LED-Leuchten am Heck. Beim näheren Hinschauen aber erkennt man, dass das Design des Land Cruiser ganz auf Fahrten in schwierigem Terrain ausgelegt ist: Der Kühlergrill und die Scheinwerfer liegen im Sinne größerer Offroad-Tauglichkeit weit oben. Die Verkleidung am Boden umhüllt die empfindlichen Komponenten des Fahrzeugs. Große Lufteinlässe verbessern die Kühlluftzufuhr. Die Hauptscheinwerfer verbergen sich tiefer in der Karosserie, um sie bei Geländefahrten zu schützen.

Und: Der Land Cruiser ist ganz schön hoch – auf dem Parkplatz inmitten von Limousinen unübersehbar. Den Spagat zwischen Straße und Fahrerkabine (Bodenfreiheit mindestens 21,5 Zentimeter) überbrückt man am besten über das markante Trittbrett. Und dann sitzt man in einem modern gestalteten Cockpit weit über den Köpfen der Fahrer der Kompakten – fast wie in einem Lkw.

Mit einem Lkw hat der Land Cruiser einiges gemein: Zum Beispiel die Leiterrahmenkarosserie, an der die Toyota-Entwickler auch 65 Jahre nach der Premiere des ersten Land Cruiser festhalten.

Der Leiterrahmen macht den Land Cruiser stabiler, verwindungssteifer und robuster als ein Fahrzeug mit selbsttragender Karosserie (wie sie im heutigen Pkw-Bau üblich ist). Oder die starre Hinterachse (die ebenfalls starre Vorderachse der ersten Generationen des Land Cruiser wurden ab 1998 durch Einzelradaufhängung ersetzt).

Trotzdem lässt sich der Land Cruiser komfortabel über Autobahnen und Landstraßen sowie durch (nicht zu enge) Stadtgassen bewegen. Was dem (mittlerweile eingestellten) Land Rover Defender nie gelungen ist, nämlich „Onroad“ eine akzeptable Performance hinzulegen: der Land Cruiser schafft das dank komfortablem und hochwertigem Innenraum und einer ganzen Reihe von Assistenzsystemen. Das Toyota Safety Sense System bündelt Sicherheitstechnologien, wie das Pre-Collision Safety System mit Fußgängererkennung, adaptive Geschwindigkeitsregelanlage, Fernlichtassistent, Totwinkel- und Rückfahrassistent und die Verkehrszeichenerkennung (auf die man sich allerdings nicht unbesehen verlassen sollte). Der Premium-Allrader verbindet Gelände- und Straßentauglichkeit bei hohem Komfort und aktueller Sicherheitstechnik und in einem hochwertigen Innenraum, in dem der Acht-Zoll-Touchscreen das Blickfeld beherrscht.

Abstriche muss der Fahrer im Alltagsverkehr beim Motor machen: Unter der Motorhaube tut ein 2.8-Liter-Turbodiesel mit 177 PS Leistung Dienst, der beim FN-Test über eine Sechsgang-Automatik seine Kraft auf die Straße brachte. 177 PS sind nicht gerade üppig, um einen Zweieinhalbtonner an einem Lkw vorbeizuwuchten – und die Automatik trägt auch nicht zu agiler Fahrwiese bei. Sie reagierte auf das Durchtreten des Gaspedals erst mal mit einer Schrecksekunde.

Bei nicht zu langen Überholstrecken entschied sich der Tester deshalb meist für die spritsparend-vernünftige Option „Eco“ im per Knopfdruck wählbaren Fahrprogramm. Möglich wären auch die Programme Comfort, Normal, Sport und Sport+; je nach gewähltem Modus passt das System automatisch die Steuerung des Motors, der Kraftübertragung, der Servolenkung, des aktiven Dämpfungssystem und der Klimatisierungsautomatik an.

Trotz der defensiven Fahrweise schluckte der Land Cruiser am Ende im Schnitt über neun Liter Superbenzin, was einen Liter über der Herstellerangabe lag.

Die Automatik hat übrigens auch ihre starken Seiten, wenn es nämlich darum geht, im Schiebebetrieb beim Bergabfahren den Motor mitbremsen zu lassen. Im Gelände unterstützt das speziell für den Offroad-Betrieb abgestimmte Geschwindigkeitsregelsystem (Crawl-Control) den Fahrer.

Das Multi-Terrain Select System (MTS) bietet zur Unterstützung einen zusätzlichen Auto-Modus, der mit der fünfgängigen Crawl-Control-Funktion automatisch aktiviert wird. Die 360-Grad-Kamera des Monitors bietet nun auch eine Unterfluransicht als Hilfe bei Ausflügen in unwegsames Gelände.

Der Einstiegspreis für den Dreitürer mit Handschaltung liegt bei etwas über 40 000 Euro. Für die teuerste Version, die TEC-Edition mit technischer Vollausstattung, muss der Kunde über 67 000 Euro auf den Tisch des Händlers seiner Wahl blättern.