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Kia Ceed Sportswagon Bei der dritten Generation hat sich viel am und unter dem Blech getan / Elegante Karosserielinie und kraftvoll-sportlicher Eindruck

Europäischer als mancher Europäer

Die Kia-Designer in der europäischen Zentrale in Frankfurt würden es wahrscheinlich nicht gerne hören, wenn man ihr Produkt – wenn auch anerkennend – mit dem Aussehen ihrer europäischen Konkurrenz, dem Golf, dem Focus, dem Astra vergliche. Denn Kia hat einen eigenen Weg gefunden, um seine Autos in Szene zu setzen: elegante klare Karosserielinien, kraftvoller und sportlicher Eindruck, keine überflüssigen Knubbel und Falten, schicke Details. Kein Auto, bei dem man entschuldigend die Schultern hochziehen muss, wenn man den Freund zur Fahrt ins Stadion abholt, sondern ein Auto, das mitten in der Kompaktklasse angekommen ist. Bei dem man bei der Frage „Wie gefällt er dir?“ nicht auf den Höflichkeitsbonus hoffen muss.

Allenfalls der Name ist noch erklärungsbedürftig, zumal aus dem „Cee’d“ der ersten beiden Fahrzeug-Generationen jetzt der „Ceed“ geworden ist. Kompaktwagen für die „Community of Europe, with European Design“, erklären uns die Marketingleute aus der Frankfurter Zentrale den Namen. Neben der minimalen Änderung am Namen hat sich in der dritten Generation ganz viel mehr am und unter dem Blech getan.

Zum Beispiel beim Sportswagon im FN-Test (der Kombi war schon ein halbes Jahr nach der Neuauflage der Limousine auf dem Markt: noch mal ein halbes Jahr darauf folgte der Proceed, das sportliche Coupé): War die zweite Modellgeneration durch abgerundete Kanten geprägt, dominieren jetzt klare, gerade Linien den Auftritt des neuen SW. Vorne ist die „Tigernase“ breiter geworden, ebenso der Lufteinlass darunter. Serienmäßig gibt es nun LED-Tagfahrlicht von den weit in die Seitenlinie hinein gezogenen schmalen Frontscheinwerfern. Offensichtlich stand das Design des Stinger beim Ceed – und dem Sportswagon – Pate.

Mit 4,60 Metern hat die neue Kombiversion in der Länge deutlich zugelegt (plus 95 Millimeter) und ist darüber hinaus breiter (1,80 Meter, plus 20 Millimeter) und flacher (1,465 Meter, minus 20 Millimeter) als der Vorgänger. Bei unverändertem Radstand (2,65 Meter) hat sich der Frontüberhang verkürzt (minus 20 mm), während der Hecküberhang erheblich verlängert wurde (plus 115 mm). Der Ceed SW liegt also tiefer und breiter auf der Straße und erhält dadurch eine deutlich sportlichere Ausstrahlung.

Das macht sich auch beim Fahren bemerkbar. Das Fahrwerk des Ceed SW ist sportlich abgestimmt, aber mit der nötigen Portion Komfort - ein Auto, das unverkennbar für europäische Straßen und den europäischen Markt entwickelt wurde.

In Verbindung mit der direkten Lenkung sorgt die Fahrwerksabstimmung gegenüber der Vorgängerversion für deutlich höhere Fahrstabilität. Der Ceed SW ist bei Kurvenfahrten kaum aus der Ruhe zu bringen.

Für Sicherheit sorgt auch der starke und ausgereifte Motor. Schade, dass es ein Diesel ist, der im Testauto in Aktion war. Denn obwohl die Dieselmotoren von Kia alle den Standard Euro 6 d Temp erfüllen und damit unter den Stickoxid-Grenzwerten bleiben, dazu wesentlich weniger Treibstoff verbrauchen als die Benziner und also weniger Kohlendioxid emittieren, haftet den Selbstzündern doch der Makel des Dieselskandals an und der Verkaufserfolg ist ungewiss. Das hat der getestete 1.6-Liter Motor nicht verdient. Er vereinigt alle guten Eigenschaften der jüngeren Selbstzünder: Kraftentfaltung schon in den unteren Drehzahlbereichen, Flexibilität und Sparsamkeit. Den Normverbrauch von 3,9 Litern auf 100 Kilometer erreichte der FN-Tester zwar nicht, aber die am Ende zu Buche stehenden 5,6 Liter sind ein guter Wert.

Kia widersetzt sich dem Trend, immer mehr Funktionen über das Touchscreen zu steuern. Es gibt immer noch Schalter, Hebel und Knöpfe, mit denen die meisten Funktionen angewählt werden (Ausnahme ist das Navi). Fahrer und Passagiere sitzen in einem eleganten Innenraum mit angenehmen Materialien. Bemerkenswert beim SW: das Volumen des Gepäckraums. Mit 635 Litern ist der Kofferraum schon bei Normalbetrieb üppig bemessen. Durch die dreigeteilte Rücksitzbank (40:20:40, je nach Ausführung) lässt er sich auf bis zu 1694 Liter erweitern.

Die dritte Generation des Ceed Sportswagon verfügt über ein breites Spektrum an modernen Assistenzsystemen, vom Frontkollisionswarner bis zum Fernlichtassistenten, vom Müdigkeitswarner bis zum Stauassistenten. Der Spurhalteassistent greift ziemlich ruppig ein.

Der SW ist in den fünf Ausführungen Attract, Edition 7, Vision, Spirit und Platinum Edition erhältlich. Bereits die Basisversion ist umfassend ausgestattet. Im Test war die Version Spirit, die in Sachen Komfort und Fahrunterstützung keine Wünsche offenließ.

Weit gespreizt sind die Preise. Den Attract mit Saug-Benziner gibt es ab 16 690 Euro, für den getesteten Spirit mit Diesel sind 27 990 Euro fällig. Der Kia Ceed SW ist kein Billigheimer – aber ein ausgereiftes Auto mit europäischen Genen, das auf dem umkämpften Markt der Kompaktfahrzeuge eine ausgesprochen gute Figur macht.