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Test Nissan Leaf Tekna Neueste Generation des erfolgreichen E-Autos bietet rund 270 Kilometer Reichweite, moderne Technik und ein attraktives Design

Elektro-Cruiser kann auch sportlich

Der Nissan Leaf ist nach wie vor das weltweit meistverkaufte Elektroauto. Die neueste Generation hat eine Reichweite von rund 270 Kilometern.

Die Karosserie des neuesten Leaf ist gegenüber dem Vorgänger erheblich gefälliger und schnittiger geworden. Sie ist nicht mehr so betont anders, um auf den ersten Blick deutlich zu machen, dass es sich um ein rein elektrisch betriebenes Fahrzeug handelt. Das Design orientiert sich vielmehr an dem moderner Mittelklasse-Limousinen.

Innen erwartet einen ein ebenso modernes Ambiente. Der verbaute Kunststoff ist recht ordentlich anzuschauen. Die Sitze sind bequem, die Sitzschienen für großgewachsene Fahrer allerdings immer noch zu kurz, was wiederum dem Hintermann zu Gute kommt. Die Sitzposition ist recht hoch, fast wie in einem SUV. Denn man sitzt ja auf der Batterie. Insgesamt sind die Platzverhältnisse für vier Personen recht ordentlich. Auch der Kofferraum ist größer geworden und bietet jetzt 435 Liter, soweit man nicht die Tekna-Version geordert hat. Denn das darin enthaltene Bose-Soundsystem schluckt im Kofferraum eine Menge Platz.

Die Leistung des Leaf ist von 80 auf 110 kW (150 PS) gestiegen, das Drehmoment um 66 auf 320 Nm. Dadurch erreicht der Leaf die 100-km/h-Marke nun in 7,9 Sekunden und ist damit sehr spurtstark. Genau das ist es, was das Fahren von Elektromobilen regelrecht zur Sucht werden lässt. Das volle Drehmoment liegt bereits ab der ersten Umdrehung an und der Überholvorgang geht flott vonstatten. Durch die richtig platzierten 300 Kilogramm an Batteriemasse liegt der Leaf dabei gut auf der Straße und lässt sich so sehr sportlich fahren. Aber das muss gar nicht sein. Ein Elektromobil lädt vielmehr schon aufgrund seiner geringen Geräuschkulisse eher zum genussvollen Cruisen ein.

Richtig entschleunigend wirkt dann auf der Tour der Ladevorgang an einer Gleichstrom-Chademo-Schnellladestation mit 50 kW, wie sie inzwischen auf den meisten Autobahnraststätten zu finden ist. In 55 Minuten stieg der Batterielevel von elf auf 95 Prozent.

Bereits in der Grundausstattung ist der Leaf mit vielen Helferlein ausgestattet. Auf der Autobahn ist die automatische Abstandsregelung in Verbindung mit dem Tempomat sehr angenehm. Notbrems-, Totwinkel-, Fernlicht- und Spurhalteassistent mit automatischer Lenkradkorrektur sind ebenfalls hilfreich.

Ein weiteres großes Plus ist das E-Pedal. Man fährt quasi nur noch mit dem Gasfuß. Sobald man den zurücknimmt, bremst der Leaf automatisch ab und nutzt die freiwerdende Energie zum Aufladen der Batterie (Rekuperation).

Nach der neuen WLTP-Norm ist die Reichweite in der Stadt mit 389 und die für kombinierte Fahrten mit 270 Kilometern angegeben. In ländlichen Regionen wird man allerdings bestenfalls 250 Kilometer weit kommen. Auf der Autobahn ist spätestens nach 200 Kilometern ein Ladestopp fällig. Zuhause benötigt man dafür mindestens eine Kraftstromsteckdose und verschiedene Adapter, oder eine teure Wallbox, um die Batterie über Nacht wieder vollständig aufzuladen. An einer Typ 2-Ladestelle stieg der Batterielevel in 30 Minuten um elf Prozentpunkte. An einer gewöhnlichen 220 Voltsteckdose kann der Ladevorgang bis zu 17 Stunden dauern.

Die Leaf-Preisliste beginnt bei 31 950 Euro. Die Sicherheitsfeatures sind darin schon fast alle enthalten. Allerdings lässt er sich in der Grundversion nur mit 3,6 kW Wechselstrom laden. Darum macht es mehr Sinn, das Fahrzeug in der Acenta-Version (35 600 Euro) zu ordern, denn die bietet alle Lademöglichkeiten (Gleich- oder Wechselstrom) und außerdem die automatische Abstandsregelung. Über Ladestand, Fahrzeugposition und die nächste Ladestation kann man sich ab dieser Version mittels einer Smartphone-App jederzeit informieren. Ein schönes Feature ist auch die Rundumkamera, die nur mit der Connecta-Version (37 450 Euro) zu haben ist. In der Spitzenversion Tekna (Test) bekommt man dann für 39 850 Euro noch zusätzlich das Bose-Soundsystem, Ledersitze, ein Winterpaket und LED-Scheinwerfer. Ansonsten ist die Preisliste recht übersichtlich. Das automatische Einparkpaket für 1200 Euro sei hier noch erwähnt.

Ein Elektromobil zeichnet sich demnach durch recht hohe Anschaffungskosten aus. Dafür sind die laufenden Betriebskosten relativ gering. Eine Jahreswartung kostet mit Vertrag weniger als 150 Euro. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 16,1 kWh (laut Bordcomputer) und einem Preis von 30 Cent pro Kilowattstunde entstehen Stromkosten von unter fünf Euro pro 100 Kilometer. Nissan gewährt auf die elektrofahrzeugspezifischen Teile eine Garantie von fünf Jahren oder 100 000 Kilometer, auf die übrigen Teile drei Jahre. Die Batterieleistung wird für acht Jahre und 160 000 Kilometer gewährleistet.

Fazit: Der Nissan Leaf ist ein voll ausgestattetes Fahrzeug, das sowohl zum Cruisen als auch zur sportlichen Fahrweise einlädt. Für einen Großteil der Fahrten ist die Batteriekapazität vollkommen ausreichend. Lediglich Touren ab 400 Kilometern bedürfen einer guten Planung und ausreichend Zeit. Im kommenden Jahr soll eine 60 kW-Version folgen, mit der man dann auch längere Strecken mit weniger Ladepausen meistern kann.