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Test Honda Civic Type R Sportskanone aus Japan bietet außergewöhnliche Fahrwerte / Kerniger Vierzylinder mit 320 PS

Bärenstarkes Biest in krasser Optik

Archivartikel

Es gibt wenige Autos, die mehr polarisieren. Der Honda Civic Type R zieht die Blicke auf sich. Bei Fans der krassen Optik geht der Daumen hoch. Dafür erntet man als Fahrer dieser Sportskanone aber auch mindestens genauso oft Kopfschütteln.

In einer Zeit, in der Neuwagen vor allem sauber und sparsam sein sollen, hat es einer wie der Type R nicht leicht. Zumindest, wenn man allein nach dem Äußeren geht. Das „R“ steht natürlich für Racing. Und die Designer haben offensichtlich alle Möglichkeiten ausgeschöpft, diese Eigenschaft auch über das Blechkleid wiederzugeben. Das ist definitiv gelungen. Das aggressive Design des keilförmigen Flitzers lässt sofort erkennen, dass hier ordentlich Leistung unter der Haube steckt. Nicht nur wegen des markanten Heckspoilers oder der ausgestellten Radhäuser. Wäre der Type R mit einer Startnummer versehen und mit Werbung beklebt, er würde glatt – mal von der Marke abgesehen – als DTM-Rennwagen durchgehen.

Bei der Entwicklung wurde großer Wert auf ausgezeichnete Aerodynamik gelegt – das Design soll „schließlich nicht nur für minimalen Luftwiderstand und Auftrieb sorgen, sondern auch für maximale Aufmerksamkeit bei den anderen Verkehrsteilnehmern“, so Honda.

Der Hersteller macht keinen Hehl daraus, dass man mit dieser supersportlichen Version des Civic an Grenzen gehen will. Optisch, vor allem aber auch mit Blick auf Leistung und Fahrwerte. Und die haben es in sich: 320 PS, 5,7 Sekunden für den Sprint von null auf 100 km/h und eine Spitzengeschwindigkeit von beinahe unverschämten 272 km/h – Kennzahlen eines Rennwagens. Politisch korrekt ist das nicht. Soll es aber auch nicht sein. Das Erscheinungsbild ist dabei quasi die Visualisierung der Stärke. Besonders erwähnenswert sind hier der monströse Heckspoiler, der mittig im Diffusor platzierte Dreirohrauspuff und die Hingucker-Front mit Gitter-Grill, extrem scharf geschnittenen Scheinwerfereinheiten, Lufteinlass in der Motorhaube und Carbon-Leiste.

Bei der Seitenansicht stechen die wie Kiemen wirkenden Lufteinlässe sowie die markanten Radhäuser heraus, welche die exklusiv für den Type R entworfenen 20-Zoll-Leichtmetallfelgen in Szene setzen.

Auf der Straße liegt der Wagen wie ein Brett. Ganz egal welcher von insgesamt drei Fahrmodi aktiviert ist („Comfort“, „Sport“ oder „+R“) – das Fahrzeug ermittelt ständig Geschwindigkeit, Abrollverhalten und G-Kräfte zur Straße oder Rennstrecke und passt die adaptiven Stoßdämpfer, Lenkkräfte, das Ansprechen der Schaltung und die Gasannahme entsprechend an.

Der hochtourige Motor des feurigen Fronttrieblers fordert schon bei 1600 Umdrehungen pro Minute zum Gangwechsel auf. Ab 2400 U/min geht dann so richtig die Post ab, passender Sound inklusive. Schluss mit lustig ist erst bei 7000 Umdrehungen – dann hängt die Nadel im roten Bereich und im Armaturenbrett fängt es munter an zu blinken.

Auch wenn das Fahrwerk extrem straff abgestimmt ist und die Sportsitze auch nicht gerade Langstreckenkomfort bieten – der japanische „Kampfsportler“ lässt sich nicht nur wüst und wild fortbewegen.

Das ziemlich biestig aussehende Kraftpaket kann auch ganz zahm sein – mit einem verhältnismäßig sparsamen Kraftstoffverbrauch. Laut Honda liegt dieser im Durchschnitt bei nur 7,7 Litern Super Plus. Und so weit weg von der Realität liegt dieser Wert gar nicht. Wer das Potenzial des Supersportlers nicht ausschöpft, brav im Fahrmodus „Comfort“ bleibt, beim Beschleunigen Zurückhaltung übt und die knackige Sechsgang-Handschaltung schulmäßig nutzt, kann den Type R relativ problemlos mit unter neun Litern fahren. In der Theorie.

Aber: Wer am Steuer eines Civic Type R sitzt, wird eher früher als später auch mal auf die Tube drücken. Dann presst es einen unweigerlich in den Sitz, ab geht die Rakete und der Verbrauch steigt. Im zweiwöchigen Test, der sowohl gemütliche als auch sportlichere Passagen beinhaltete, kam am Ende ein Durchschnitt von letztlich überraschenden 9,7 Litern heraus.

In den Civic Type R passen vier erwachsene Personen. Isofix-Vorrichtungen an den Rücksitzen sind Serie und machen den Sportler in Kombination mit einer Kofferraum-Kapazität von immerhin 420 Litern sogar familientauglich.

Unter dem Strich passt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Denn im Grundpreis des Type R (ab 36 490 Euro) ist in puncto Sicherheits- und Komfortausstattung eigentlich alles an Bord, was Honda zu bieten hat.

Bei der 3000 Euro teureren GT-Version kommen noch einige Fahrerassistenzsysteme wie Ein- und Auspark- oder Toter-Winkel-Assistent hinzu – außerdem LED-Nebelscheinwerfer sowie ein verbessertes Infotainmentsystem samt Navigation. Ansonsten ist die Aufpreisliste recht kurz. Hier finden sich verschiedene Sonderlackierungen, ein Carbon-Paket sowie ein Beleuchtungspaket für den Innenraum.

Fazit: Mit Vernunft hat der Honda Civic Type R nichts am Hut. Sein Design ist nicht nur Show. Der Wagen ist ein bärenstarkes Biest, das man bändigen muss. Nicht ohne Grund hält der Vierzylinder als „schnellstes frontgetriebenes Serienfahrzeug aller Zeiten“ den Rundenrekord auf der Nürburgring-Nordschleife.