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AOK Hessen: Was man gegen Bettnässen bei Kindern tun kann

Wieder mal nasse Nächte

Archivartikel

Bensheim. Wenn Kinder nachts ins Bett machen, ist die Scham oft groß. Doch die Ursachen sind meist harmlos. Für Eltern und Kinder ist es daher wichtig zu wissen, dass nächtliches Bettnässen gar nicht so selten vorkommt.

Nach Angaben des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) machen 16 Prozent der Fünfjährigen noch ins Bett. Bei den Siebenjährigen sind es noch zehn Prozent und selbst bei den Zehnjährigen sind fünf Prozent betroffen. Tröstlich ist es auch zu wissen: Mit großer Wahrscheinlichkeit wird sich das Problem irgendwann von selbst erledigen. "Der Grund dafür ist meistens, dass die Blasenkontrolle noch nicht vollständig ausgereift ist", meint Norbert Diehl, AOK-Chef für den Kreis Bergstraße.

Mehr als drei Monate

Von Bettnässen, im Fachjargon Enuresis genannt, sprechen die Ärzte, wenn ein Kind, das älter als fünf Jahre alt ist, mehr als einmal die Woche über mindestens drei Monate nasse Nächte erlebt. Bei den betroffenen Kindern entwickelt sich die Blasenkontrolle – ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Körperfunktionen – langsamer als bei anderen. Womöglich ist auch die Blase noch nicht ausreichend groß oder das Kind schläft zu tief.

Oft liegt es in der Familie

Das Einnässen liegt oft in der Familie und wird "weitervererbt". Hat ein Elternteil als Kind eingenässt, machen die Kinder mit einer Wahrscheinlichkeit von 40 Prozent ebenfalls nachts ins Bett. Waren beide Elternteile betroffen, steigt das Risiko auf 75 Prozent. "Kummer, Schuldgefühle, mangelndes Selbstbewusstsein, das sind eher Folgen als Ursachen für das Bettnässen", so Diehl. Die Geburt eines Geschwisterkindes, die Trennung der Eltern, ein Umzug in eine andere Stadt oder Ärger in der Schule können das Kind so aus der Bahn werfen, dass es wieder einnässt. Nässt die Tochter oder der Sohn auch tagsüber ein oder muss oft Wasser lassen bzw. verspürt einen starken Harndrang, deutet das auf körperliche Ursachen hin. Ein "Blasen-Protokoll" gibt Aufschluss über die Trink- und Toilettengewohnheiten des Kindes: Wie oft muss das Kind zur Toilette und wie viel trinkt es wann? So kann man ungünstigen Trinkgewohnheiten auf die Spur kommen. "Trinkt das Kind tagsüber wenig und abends viel, ist es kein Wunder, wenn die Blase überlastet ist", sagt Diehl.

Feuchtigkeitsfühler im Bett

Mit einem Sonnen-Wolken-Kalender können Kinder ihre Erfolge bildlich darstellen: Immer, wenn sie eine Nacht trocken geblieben sind, malen sie eine Sonne in den Kalender. Hilft alles nichts und ist das Kind dennoch motiviert, trocken zu werden, kann die Familie ein elektronisches Wecksystem ausprobieren: Bei der sogenannten Klingelhose wird ein kleiner Sensor in der Unterhose oder Windel angebracht und ein kleines Weckgerät am Schlafanzug in der Nähe des Ohres befestigt. Bei der sogenannten Klingelmatte liegt der Feuchtigkeitsfühler im Bett, die Klingel steht neben dem Bett. Bei den ersten Tropfen schlagen die Geräte Alarm, das Kind sollte dann zur Toilette gehen und die Blase vollständig entleeren. Mehr als 60 Prozent der betroffenen Kinder werden mit dieser Methode nach einigen Wochen trocken. Bringen Klingelhose oder -matte auch nach längerer Zeit keinen Erfolg, ist nach Rücksprache mit dem Kinderarzt der Einsatz von Medikamenten zu erwägen. Medikamente helfen allerdings nur kurzfristig, das Bettnässen kehrt nach dem Absetzen bei vielen Kindern zurück.

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