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Test Citroën C 3 HDi 90 FAP: Der schmucke Franzose soll sich mit traditionellen Werten im B-Segment behaupten

„Zenith“-Scheibe bietet den Durchblick

Von Dieter Schwab

Er kann zwar nicht dazu helfen, der oder dem Liebsten die Sterne vom Himmel zu holen, aber zumindest ermöglicht der C 3 einen fast ungehinderten Blick darauf. Denn die fast bis zur B-Säule ins Dach gezogene "Zenith"-Frontscheibe verschafft den Insassen eine weit reichende Sicht nach oben und Citroën das zum Pflichtprogramm des französischen Herstellers erhobene "Alleinstellungsmerkmal" gegenüber der Konkurrenz im B-Segment. Schließlich muss man sich auch ganz schön nach der Decke strecken, denn in diesem Marktsegment ist das Angebot vielfältig und die Luft rund um den Klassenprimus VW Polo dünn.

Die Marke mit dem Doppelpfeil-Emblem bläst auch zum doppelten Angriff. Von der Flanke her stürmt der lifestyle-getrimmte DS 3 auf die eher jugendlich gebliebene Kundschaft zu. Den Frontalangriff führt der eher im Mainstream schwimmende C 3-Testwagen.

Wobei das fast schon eine Beleidigung für den Neuen ist. An seinen eher biederen Vorgänger erinnert er höchstens noch durch die etwas kugelige Dachlinie. Ansonsten überrascht er mit frischem Design. Das weit aufgerissene Kühlermaul geht zwar sicher nicht mehr als neue Idee durch, aber um echte Individualisierung bemühen sich die um die Ecken gezogenen großen Lichter, die ausgestellten Radhäuser oder die eine Senke andeutende untere Chromlinie der seitlichen Fenster. Vielleicht nur ein kleines Detail, aber ein bedeutsames, sind die wie Klammern geformten Abschlüsse rechts und links des vorderen Stoßfängers, die in den gehobenen Ausstattungen die LED-Tagfahrlichter einfassen, und bei den übrigen Versionen auch ohne schön sein dürfen.

Das verheißungsvolle Äußere passt bereits wie der gut geschnittene Businessanzug, doch richtig erwachsen wird der C 3 im Inneren. Die trögen Hartplastikzeiten der ersten C 3-Generation sind schnell vergessen, wenn man dem Neuen auf die Pelle rückt. Wer erwartet, die Franzosen hätten sich wieder die eine oder andere technische Extravaganz erlaubt, wird enttäuscht. Sogar das Multifunktionslenkrad mit feststehendem Pralltopf ist passé. Dafür gibt es bei der Gestaltung etwas für Feinschmecker. Das schön geschwungene Armaturenbrett glänzt in feinem Klarlack. Der Rest ist weitgehend aus weichem Kunststoff und mit Alu-Optik aufgepeppt.

Clou ist die weit eingezogene Partie rechts, die es dem Beifahrer erlaubt, weit vorne zu sitzen, ohne sich eingeengt zu fühlen, und so zumindest einem der Mitfahrer auf der Rückbank den eingeschränkten Komfort eines Kleinwagens auf Kompaktwagen-Niveau zu heben. Nicht, dass es eng zugehen würde. Vier Personen kommen im C 3 durchaus kommod von A nach B. Nicht nur wegen des angemessenen Platzangebots, sondern auch wegen der auf "rückenschonend" eingestellten Federung. Bei den normalen Härten des Autolebens zeigt sich der kleine Franzose von der nehmenden Seite. Nur Informationen über die ganz trockenen Schläge gibt er, ohne wirklich schwach zu werden, an die Insassen weiter. Lediglich auf welliger Fahrbahn offenbart er, leicht schaukelnd, die natürlichen Grenzen eines Kleinwagens. Wer den C 3 zum Sport einladen will, hat einen eingeschränkt willigen Partner gefunden. Das Wedeln um die Ecken liegt ihm durchaus, doch wer die Grenzen der Haftung austesten will, wird nachdrücklich untersteuernd oder vom serienmäßigen ESP wieder eingefangen. Der 92 PS starke Turbo-Diesel mit Common-Rail-Technik ist für jede Gangart eine tolle Motorisierung. Vor allem aber beherrscht er die weiche Art des Geschwindigkeitsaufbaus. Der früh zum Hochschalten mahnenden Empfehlung im Display darf man ruhigen Gewissens folgen. Denn der Selbstzünder nimmt bereits bei etwa 1500 U/min nachdrücklich Tempo auf. Wer diese Qualitäten klug nutzt, hat gute Aussichten, mit einem niedrigen Verbrauch belohnt zu werden. Im Testmittel waren es wegen eines hohen Autobahnanteils wenig rekordverdächtige 6,1 Liter. Aber Tankstellenphobiker können es an die Fünf-Liter-Grenze schaffen, zumal der Normwert von 4,0 Litern noch bessere Ergebnisse verspricht.

Sparen ist ansonsten nicht unbedingt das Ding des C 3. Die 12 700 Euro Grundpreis für den 60 PS starken Einstiegswagen sind zwar ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass es dafür bereits elektrische Fensterheber, ESP oder Zentralverriegelung gibt. Die Klimaanlage gibt es erst im 2250 Euro teureren Ausstattungspaket "Tendance" oder gegen 790 Euro mehr.

Der getestete Basis-Diesel kostet 17 450 Euro. Für den teuersten C 3, den 112 PS starken HDi 110 sind in der Exclusive-Ausstattung 20 300 Euro zu bezahlen.

Die eingangs beschriebene "Zenith"-Windschutzscheibe ist ein 400 Euro teurer Sonderwunsch. Wer ihn sich und der oder dem Liebsten erfüllen will, sollte bedenken, dass man bei Sonne den flexiblen Dachhimmel schnell in "Normalposition" schieben wird.

© Fränkische Nachrichten, Samstag, 29.05.2010

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