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Mittwoch, 22.05.2013

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Reiss-Engelhorn-Museen: 140 Exponate aus den Wunderkammern stehen für die Pracht und Macht der österreichischen Herrscher

Was das Herz des Kaisers höherschlagen ließ

Von unserem Redaktionsmitglied Susanne Räuchle

Herausragend, unverkennbar, ein majestätischer Schönheitsfehler, der durch die Jahrhunderte mendelt, das Gesicht einer Dynastie mächtig prägt: die Habsburger Lippe. Auch in den Reiss-Engelhorn-Museen springt sie jetzt deutlich hervor, zeigt sich im Profil von Kaiser Karl V. (1500-1558) ebenso reliefartig wie in der in Bronzebüste von Kaiser Rudolf II. (1552-1612) und drückt bei Erzherzog Leopold Wilhelm (1614- 1662) ganz typisch mit aristokratischer Kinnlade durch. Eine Linie wie aus einem Guss - auch was die Sammelleidenschaft, die Lust am Horten von Kunst, Kostbarkeiten und Kuriositäten anlangt. 140 exquisite Exponate aus dem Hausschatz des österreichischen Erzhauses werden nun im Museum Zeughaus in C 5 präsentiert, das sich durch die Schau "Sammeln!" als Dependance des Kunsthistorischen Museums Wien nobilitiert fühlen darf.

Welch unermesslicher Reichtum, welche Pracht stellt sich im Zeichen der kaiserlichen und königlichen apostolischen Majestäten in Mannheim vor. Jedem Stück in seiner Einzigartigkeit haftet das Prädikat "unschätzbar wertvoll" an. Das beginnt mit dem Spielbrett für den sogenannten "langen Puff", einer Variante des Backgammon. Die feine Maßarbeit aus Palisander, Mahagoni und Rosenholz diente nicht allein dem Zeitvertreib Karls V., sondern auch der Verehrung des Herrscherhauses. Reliefporträts von den römischen Cäsaren bis zur ruhmreichen Geschlechterkette der Habsburger sind in dem Kasten verewigt, darunter auch die ersten Potentaten, die kostbarste Einzelstücke zusammentrugen - Du glückliches Österreich, sammle!

Im Zeichen des Doppeladlers

Am Anfang war ein Durcheinander - ein Pallawatsch, wie man in Wien sagen würde: Wohl verborgen und verwahrt, bewacht von den scharfen Augen und Krallen des Doppeladlers häuften sich in den Gewölben der Burgen Reichtümer an. Zunächst noch ohne innere Ordnung und Systematik holte sich die Begierde mit Vergnügen jene Habseligkeiten, die alle anderen besitzen wollten, aber kaum einer kriegte. Herzog Rudolf IV. war der Erste, der im 14. Jahrhundert Gefäße aus Gold und Silber, Münzen, Edelsteine und Reliquien hortete. Von nun kaufte man mit Lust die Zimelien aus aller Welt, ließ sich beschenken mit Kleinodien: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist. Mit "Raff-inement" schuf Kaiser Ferdinand I. sein eigenes Kunstuniversum. Vor allem sein Sohn, Erzherzog Ferdinand II. von Tirol (1529-1595), widmete sich auf Schloss Ambras in Tirol seinen geliebten Schätzen, baute in seiner Kunst- und Wunderkammer das Fundament des Hausschatzes.

Die Fülle begann sich zu ordnen, suchte System und Außenwirkung. Besonders erwählte Gäste durften all das Wunderbare, Schöne, Merkwürdige und Staunenswerte schauen, ins Kabinett der Exotik eintreten - so wie heute die Besucher des Zeughauses: Kokosnüsse zeigen als Pokale in Silber gefasst ihre gewachsene Schönheit. Oder die so weiblich gerundete Seychellennuss, von Seefahrern als Spielart der Natur übers Meer geschaukelt, entfaltet als Prunkkanne ihre ästhetischen Reize. Das Straußenei in Silbermontierung steht für die Faszination des fernen Afrika, und eine Pulverflasche kommt in Gestalt einer griechischen Landschildkröte daher, die diesem Objekt ihren Panzer opfern musste und dafür einen Platz in der Unendlichkeit des kaiserlichen Hausschatzes gewann.

Zwar hat wohl kein wehrhafter Habsburger je den Säbel mit Blutkorallengriff aus der Scheide gezogen, er diente dem Erzsammler Ferdinand II. von Tirol nur als Zierde und vielleicht auch als Abwehrwaffe gegen das Böse, schrieb man doch der Koralle magische Kräfte zu.

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