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„Die Macht der Rede“: Der Münchner Altphilologe Wilfried Stroh sprach über antike und moderne Rhetoriker:

Sternstunden der lateinischen Literatur

Archiv-Artikel vom Samstag, den 07.11.2009

Buchen. Latein eine tote Sprache? Davon kann keine Rede sein, wenn Wilfried Stroh, emeritierter Altphilologe und Autor der Sachbücher "Latein ist tot - Es lebe Latein" und "Die Macht der Rede" , ans Pult tritt. So wie am Donnerstag im Burghardt-Gymnasium, wo der Professor aus München auf Einladung der Buchhandlung Volk aus seiner "kleinen Geschichte der Rhetorik im Alten Griechenland und Rom" las. Und zuerst einmal von seinem Publikum als Teil seines lateinischen Proömiums die korrekten Deklination von "silva ottonis" wissen wollte.

Dann aber griff er zum Manuskript, was ein lateinischer Redner nie getan hätte, wie Stroh entschuldigend - captatio benevolentiae - anmerkte. Denn anders als in heutigen Universitäten musste vor dem athenischen Areopag oder im römischen Senat frei gesprochen werden.

Reden machten Geschichte, zumindest im alten Rom. Wilfried Stroh bewies das an den Reden Ciceros gegen Catilina, Äußerungen von eminent wichtiger Bedeutung für die römische Geschichte der republikanischen Zeit und gleichzeit "Sternstunden der lateinischen Literatur". Unverkennbar "lebt" der emeritierte Philologe in der lateinischen Sprache und ihren Rhetorikern, die er immer wieder mit den Rednern der gegenwärtigen Politik verglich.

Da gibt es zwar auch begnadete Talente - von Franz-Josef Strauß über Joschka Fischer bis zu Barack Obama - aber die Möglichkeit, mit Reden politische Veränderungen zu bewirken, sind doch wesentlich eingeschränkter.

Das liegt nicht an den schlechteren Rednern, sondern an der geänderten Art der politischen Entscheidungsfindung: Wenn Fraktionszwang in den Parlamenten herrscht, die Reden schon schriftlich vorliegen und verteilt sind, bevor sie gehalten werden und wenn schließlich die Zuhörer nicht mehr im direkten Kontakt mit dem Redner stehen, sondern über (elektronische) Medien erreicht werden, dann ist der Schritt von der überzeugenden Rhetorik zur Schaufensterrede nicht weit.

Reden können allenfalls noch im nichtparlamentarischen Bereich Wirkung entfalten, im Wahlkampf oder - im Foyer des BGB. Dort nämlich hatte Wilfried Stroh mit seiner Mischung aus gelehrter Eloquenz und ironischen Einwürfen die Zuhörer ganz auf seiner Seite. Zum Beispiel, wenn er seine Beobachtung mitteilte, dass heutige Politiker beim Ablesen ihrer Reden vor allem demonstrieren, dass sie in der Grundschule das Lesen gelernt haben.

Ganz ohne Ironie stellte Stroh die Grundvoraussetzung für Reden fest: "Echte Rhetorik stirbt, wenn es das 'audiatur et altera pars', den Grundsatz, dass auch die Gegenseite zu Wort kommen muss, nicht mehr gibt." str

© Fränkische Nachrichten, Samstag, 07.11.2009
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