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Serie: Schwimmerin Silke Lippok hat nur ein Ziel: in London Topleistungen abrufen / Mit 18 Jahren bereits ein alter Hase im Becken

„Zeitplanung geht nur bis zu Olympia“

Von unserem Redaktionsmitglied Jan Kotulla

Bislang hatte Silke Lippok viele Gründe zu strahlen. Die gebürtige Pforzheimerin hamstert seit Jahren Medaillen und Rekorde.

© dpa

Mannheim. Einer ihrer größten Bewunderer wird in London hautnah dabei sein, wenn Silke Lippok im futuristischen Aquatics Center ins Becken springt: Franziska van Almsick. Die 34-jährige viermalige Olympiateilnehmerin wird als TV-Expertin über ihre Nachfolgerin berichten. "Ich bin ein großer Fan von ihr", erklärte die mehrfache Welt- und Europameisterin anlässlich der Verleihung der Sportpyramide für Silke Lippok vor zwei Jahren: "Sie schafft solche Leistungen und hat einen Notenschnitt von 1,7. Das ist toll."

Seitdem ist jede Menge passiert. "Oh, ja", bestätigt die 18-Jährige. Nicht zuletzt hat sie trotz der extrem intensiven Olympia-Vorbereitung quasi nebenbei ihre Abiturprüfungen absolviert. "Die zwei Wochen vor dem Abi waren echt die Hölle", gesteht sie. Dass sich die Freistilspezialistin durchgebissen hat, wurde belohnt: 1,6 lautet ihr Gesamtnotenschnitt. Wenn die gebürtige Pforzheimerin etwas anpackt, dann richtig: "Ich bin jemand, der, wenn er lernt, intensiv arbeitet, 100 Prozent. Das hat mich weit gebracht." Selbst beim vorolympischen Testwettkampf in London hatte sie ihre Bücher mitgeschleppt und wenig von der Themse-Metropole zu sehen bekommen.

Dass sie die Paukerei jetzt los ist, kommt der Frohnatur gelegen. Aber auf die faule Haut legen - das geht gar nicht. "Ich brauche ständig neue Herausforderungen. Leerlauf wäre mein Tod. Nach vier Wochen ohne Schule wurde ich unruhig, weil ich gemerkt habe, dass mir etwas fehlt", verrät Lippok.

Über mangelnde Beschäftigung konnte sich die zweifache Europameisterin in den vergangenen zwei Jahren aber wahrlich nicht beklagen. "Seit 2010 ist so unglaublich viel passiert. Bei der EM und WM habe ich mich unglaublich gesteigert. Neben den Titeln habe ich vor allem Erfahrungen gesammelt, war in vielen Teilen der Welt", blickt Lippok auf Wettkämpfe in Budapest, Shanghai oder Debrecen zurück: "Ich habe gelernt, wie der Hase läuft und mich selbst besser kennengelernt."

Dass sie, quasi nebenbei, als 16-Jährige die Altersklassenrekorde von Franziska van Almsick brach, war für Lippok zweitrangig. "Ich bin ins kalte Wasser geworfen worden, habe Selbstvertrauen getankt und bin reifer geworden", sagt sie im Rückblick: "Mittlerweile gibt es weniger Dinge, die mich aus der Bahn werfen."

Nervenstärke zählt zu einer der großen Stärken des Jungstars im Deutschen Schwimmverband. Schließlich lieferte Lippok Weltklasseleistungen ab, obwohl die Trainingsbedingungen nicht optimal waren. Bevor es zur Schule ging, zog sie in einem 16-Meter-Lehrschwimmbecken ihre ersten Bahnen, nach dem Unterricht im öffentlichen Schwimmbad. "Pro Woche mache ich so 36 Kilometer, bin ab fünf Uhr morgens unterwegs", erklärt die Kraul-Spezialistin über das "Kachelnzählen" im Becken: "Ein Internat könnte ich mir nicht vorstellen, da würde ich mich nicht wohlfühlen." Lieber versucht sie, nach Karlsruhe und Heidelberg auszuweichen. "Mittlerweile habe ich ja den Führerschein, das hat es einfacher gemacht", freut sich Lippok über die Erleichterung, die sie in gute Platzierungen ummünzen möchte. Ihre wachsende Bekanntheit genießt die 18-Jährige: "Es ist schmeichelhaft, wenn ich erkannt werde. Mir gibt das Kraft, weil ich bislang nur positive Resonanz bekommen habe. Ich hoffe, das bleibt so."

Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Immerhin hat sie sich für London einiges vorgenommen. "Starten will ich in der 4 x 100 und 4 x 200-m-Staffel und über 200 Meter Freistil", zählt Lippok auf. Über die Wettkämpfe heraus denkt sie nicht. "Meine Zeitplanung geht nur bis zu den Spielen." Angesichts ihrer Leidenschaft eine klare Botschaft für die Konkurrentinnen von Silke Lippok.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 27.07.2012
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