Heiko Butscher gehörte in der Rückrunde der vergangenen Zweitliga-Saison zwölf Mal der Vierer-Abwehrkette von Eintracht Frankfurt an. Zumeist links, nur einmal in der Mitte. Nun, knapp sechs Wochen vor Beginn der Bundesliga-Saison, ist er der einzige Innenverteidiger im Kader der Hessen. Es ist also klar, dass der Aufsteiger noch eine Abwehr-Auffrischung benötigt. Das weiß der Aufsichtsrat, das weiß Manager Bruno Hübner - und das weiß auch Trainer Armin Veh. Dass dieser am lautesten schreit, ist verständlich: Schließlich stünde er im Epizentrum der Kritik, sollte sich die Eintracht-Defensive als extrem instabil erweisen.
Nur, solche Veh-Gewitter entladen sich über Frankfurt in etwa so oft wie Niederschlag in der Regenzeit. Ein paar Beispiele: die "Rotzlöffel"-Debatte mit dem damaligen Düsseldorfer Sascha Rösler, Kritik am Aufsichtsrat vor der Vertragsverlängerung im März und nun die Beschwerde über die Transferpolitik. Doch Veh deshalb als Stinkstiefel abzustempeln, wäre so falsch wie FIFA-Präsident Sepp Blatter als Engel zu beschreiben.
Vielmehr ist die Streitsucht ein Liebesbeweis. Ein Liebesbeweis an seinen Arbeitgeber. Denn Lautsprecher Veh, der in der Vergangenheit schon mal schnell hier und da war (Wolfsburg, Hamburg), fühlt sich in Frankfurt wohl. Pudelwohl. Und er will mit der jungen Mannschaft um die Kronjuwelen Sebastian Jung, Sebastian Rhode und Sonny Kittel etwas erreichen - auch wenn nun erstmal nur der Klassenerhalt zählt. Für höhere Ziele braucht es nicht unbedingt einen Schmusekurs, sondern Ziele und Visionen, die Veh stets predigt - und eine Behebung der Baustelle Innenverteidigung.