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Spitz-Kick:

Höchstens im Schluckmuskel

Archiv-Artikel vom Samstag, den 28.05.2016

Von Michael Fürst zu einer Verletzung, wegen der nur die Profis pausieren

© Repro: FN

Es gibt tatsächlich eine Verletzung, wegen der Profis sich gerne mal ein Päuschen gönnen, Amateure aber trotzdem spielen. Nein, das ist kein Bänderriss, keine Zerrung und kein entzweiter Muskelfaser. Im Grunde ist es auch keine fest definierte Verletzung, sondern ein Überbegriff. Ich spreche von "muskulären Problemen". Achten Sie in der neuen Saison einmal darauf, wie oft "muskuläre Probleme" für das Fehlen eines Profis ins Feld geführt werden. Ich stelle mir das immer so vor: Da kommt der Spieler nach dem Training zum Coach und lamentiert: "Uhh, Trainer, ich weiß auch nicht, da zieht es im Bein aber saumäßig." Sagt der Coach: "Okay, Junge. Bist am Samstag mal nicht im Kader." So einfach ist es.

Muskuläre Probleme können aber auch dem Trainer dienlich sein: Wenn er glaubt, dass der Spieler, vom Namen her eigentlich Stammkraft, derzeit nicht die Leistung bringt, um ihn bedenkenfrei aufzustellen, nimmt er sich den Burschen nach einer Übungseinheit mal zur Seite und spricht leise: "Hey, ich muss dich mal rauslassen. Ich sage den Pressefuzzis, du hast muskuläre Probleme. Die glauben und schreiben das. Die Problemchen kann zur Not auch noch nächste Woche wirken." Zack, und schon ist der Junge fein raus.

Man sollte bei all dem muskulären Gewurstel aber nicht so weit gehen und am Ende einen seriösen Schnupfen oder einen simplen Durchfall auch als "muskuläre Probleme" abtun - was in der Bundesliga auch schon vorgekommen sein soll...

Wir von der Wiese, sprich, wir Amateurkicker, kennen muskuläre Probleme nicht. Na ja, höchstens vom Schluckmuskel oder vom rechten Oberarm, wenn das einarmige Reißen in der Halbliterklasse wieder einmal zu anstrengend war. Aber mal im Ernst: Wie oft wären wir froh gewesen, sonntags pausieren zu dürfen, wenn es am Freitag im Abschlusstraining in der Wade zog oder in der Leiste zwickte. Nichts da! "Jetzt warte mal bis Sonntag", beschwichtigte da der Trainer als Mental-Arzt. Und wenn es am Sonntagfrüh immer noch nicht besser war, riet der Coach mit zweifelhafter Gewissenhaftigkeit: "Schmeiß dir eine Ibuprofen ein und spiel'!"

Wöchentlich werden literweise Latschenkiefer oder ähnliche Flüssigkeiten, oftmals kombiniert mit Finalgon, auf Amateurfußballer-Beine gerieben, um die muskulären Probleme regelrecht wegzuspülen. Ein echter Kerl ist aber, wer wochenlang mit Achillessehnen-Entzündung spielt, in der 23. Minute eine aufs Sprunggelenk gezimmert bekommt, sich Mitte der zweiten Hälfte im Kopfballduell mit seiner Unterlippe gegen den Ellenbogen des Gegenspielers stellt und dann kurz vor dem Ende den entscheidenden Treffer für sein Team erzielt. Dieser junge Held wäre froh, er dürfte montags lediglich mit muskulären Problemen zur Arbeit gehen.

Man sieht: "Muskuläre Probleme" sind also ein Verletzungsmuster, das ausschließlich für den Profifußball reserviert ist. Würden Amateurkicker mit solcherlei Schwierigkeiten stets eine Pause einfordern, könnten Woche für Woche zahlreiche Partien wegen Spielermangels überhaupt erst gar nicht stattfinden. Und deshalb: Die wahren Helden kicken in den Kreisklassen.

So, die Amateur-Saison geht nun zu Ende und der "Spitz-Kick" damit traditionsgemäß in seine Sommerpause. Aus speziellem Anlass erscheint noch eine Kolumne am Donnerstag, 9. Juni. Warum? Überraschen lassen!

© Fränkische Nachrichten, Samstag, 28.05.2016
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