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Spitz-Kick:

Eleganz statt Flurschaden

Archiv-Artikel vom Sonntag, den 19.06.2016

Von Michael Fürst erkennt die Vorzüge der heutigen Spielergeneration

© Repro: FN

Wir haben an dieser Stelle schon mehrmals facettenreich den seit Jahren schwelenden "Generationenkonflikt" im Fußball thematisiert. Der Tenor war meist der gleiche: Früher war alles besser und die Jungen haben nichts mehr drauf. Dieser Mär, die allerorten durch die Sportheime wabert, wollen wir heute entschieden engegentreten, indem wir einmal aufzeigen, was junge Spieler den alten Haudegen von einst voraus haben.

Der Torwart: Der konnte einst fangen, sich hechten und die Bälle aus der Hand oder vom Fünfereck hoch und möglichst weit nach vorne schrubben. Fußball spielen? Ein Keeper doch nicht! Heute muss "die Nummer eins" erst einmal Fußball spielen können und dann kommt der Rest. Spieleröffnung heißt das Zauberwort. Die Bälle dürfen bei Rückpass nicht mehr bequem in die Hand genommen oder blind ins Gebüsch gebumbt, sondern müssen möglichst flach und präzise ins Mittelfeld gepasst werden. Und Abschläge aus der Hand werden nicht einfach senkrecht so weit nach oben gehauen, dass daran andockende Eiskristalle ein Kopfballduell beim Herabsinken lebensgefährlich machen. Nein, die Bälle müssen jetzt in Hüfthöhe getroffen und somit möglichst vertikal nach vorne geschlagen werden, um dem Stürmer im Lauf in den Fuß zu spielen. Na, ihr Routiniers, was sagt Ihr jetzt?

Und ihr einstigen Verteidiger, aufgepasst: Von euch durfte doch keiner die Mittellinie überqueren. "Bleib hinten", brüllten da gleich alle, wenn sich einer mal in des Gegners Hälfte wagte. Manndecken (bis aufs Klo), abgrätschen und fertig. Manndecker von einst hinterließen bei ihren Blutgrätschen so manchen Flurschaden. Heute sind Grätschen verpönt. Die Angriffe werden elegant abgelaufen, was deutlich anspruchsvoller ist. Unsere jungen Außenvertediger müssen dauernd die Angriffe "anschieben", wie das neudeutsch heißt. Die Linie rauf und runter wetzen; vorne flanken, hinten verteidigen - am besten gleichzeitig. Und die Innenverteidiger, die sind die ersten Angreifer. Sie bauen das Spiel auf, passen klug ins Mittelfeld oder öffnen mit smarten Diagonalbällen. Der Libero, dessen erstes Merkmal es in den Achtzigern war, schlagsicher zu sein und 20 Meter hinter der Abwehr zu stehen - wo sollte der heute spielen?

Im Mittelfeld heißt das Zauberwort "verschieben". Immer schön ballorientiert. Gell? Die Jungs der Gegenwart haben keine Pausen mehr, so wie früher. Da wurde der Ball gepasst und dann mal zugesc aut, was passiert, oft die Händen in den Hüften. Heute muss nachgegangen werden, um Räume zu schließen und das Spielfeld eng zu halten. Kompakte  Mannschaftsteile.  Gegenspieler werden übergeben. Nix da: "Du nimmst den Siebener und fertig." Tja, so einfach ist es nicht mehr, meine Herren mit den Silberlocken.

Dann freilich noch die Stürmer: Die standen von 1906 bis 1996 vorne rum und  warteten auf "die Kirsche". Klar, zwei, dreimal pro Halbzeit wurden sie auch mal steil geschickt. Aber sonst? Jetzt sind die Angreifer die ersten Abwehrmänner. "Anlaufen, pressen, nachgehen!", wird da verlangt. Da wäre den Alten schnell die Puste ausgegangen.

Ach ja: Und am Saisonende haben sich alle an der Wählscheibe des Telefons im Sportheim die Finger wund gewählt, bis sie die Ergebnisse der Konkurrenz beisammen hatten. Heute checken die Jungs ihr Smartphone, und - zack - jeder weiß gleich, was los ist.

Sonntag, 19.06.2016
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