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Spitz-Kick:

Aus den Fugen geraten

Archiv-Artikel vom Sonntag, den 19.06.2016

Von Michael Fürst zu den Auswüchsen im Abstiegskampf

© Repro: FN

Als ich heute vor einer Woche die Bilder vom Platzsturm der VfB-Stuttgart-Fans sah, quoll in mir eine unbändige Wut hoch. Bereits am 9. April wurde ich schon einmal im Stadion Zeuge solcher Szenen, als sich einige Eintracht-Frankfurt-Chaoten nach der Heimniederlage gegen Hoffenheim über den Zaun wuchteten und die Hessen-Kicker beschimpften.

Hier, liebe Fußball-Freunde, ist etwas völlig aus den Fugen geraten. Das geht nicht mehr!

Regelrecht erschüttert war ich dann am Sonntag, als sich die VfB-Oberen noch selbst auf die Schulter klopften und ihr "deeskalierendes Sicherheitskonzept" priesen. Obelix hätte sich dreimal mit dem Zeigefinger gegen den Helm geklopft: "Tocktocktock, die spinnen die Schwaben!" Was um Himmels Willen ist denn gelungen, wenn Bekloppte, Betrunkene und Brüllaffen durch offene Tore auf den Platz eines Stadions rennen dürfen, um die Profis in Angst und Schrecken zu versetzen. Die "Stuttgarter Zeitung" berichtete, dass auf dem Spielfeld sogar Väter mit ihren Kindern auf den Schultern gesichtet wurden. Hooligan statt Holiday-Park!

Da bleibt mir die Spucke weg, und ich frage mich, warum sich die Werte und Wertigkeiten in unserer Gesellschaft so irrwitzig verschoben haben.  Profifußballer, die aus fünf Metern das Tor treffen, sind Götter in kurzen Hosen; Fußballprofis, die aus fünf Metern daneben schießen, sind die Schande der Stadt. So einfach ist das. Fußballprofis sind, und das sollten alle die Möchtegern-Rabauken nicht vergessen, vor allem noch eines: Menschen!

Klar: Emotionen gehören dazu. Und es ist das gute Recht des zahlenden Zuschauers, auch mal ein paar an dieser Stelle nicht zitierfähige Unflätigkeiten auf den Platz zu brüllen, wenn die Lieblinge wiederholt einen Riesenrotz runterkicken. Aber die Spieler persönlich beleidigen und in Furcht und Schrecken versetzen, geht gar nicht; das ist ein krimineller Akt, zumal viele der Stuttgarter Idioten vermummt waren. Da können die Profis Kohle verdienen, so viel sie wollen. Das ist keine Rechtfertigung.

Und mal ganz ehrlich: Im Grunde geht es doch auch den wenigsten dieser Pöbler um den Verein. Die meisten nutzen den Fußball doch als ein Ventil für ihren im Alltag angesammelten Frust. Da kann man dem Gentner ruhig mal Prügel androhen, wenn man vor ein paar Tagen vom Chef erfahren hat, dass man für das gleiche Geld zwei Stunden länger in der Woche malochen muss.

Um eines klarzustellen: Es geht hier nicht ausschließlich um die Stuttgarter. Seit der DFB 2008 wieder die Relegation eingeführt hat, erleben wir diese Hass- und Jagdszenen via TV alljährlich. Die HSV-Klößköpfe standen im vergangenen Jahr bereits im Innenraum des Wildparkstadions. Ging gerade noch einmal gut. In Düsseldorf 2012, als die Hertha runter musste, brannte der halbe Berlin-Block. Man müsste schon alleine aus Sicherheitsgründen die Relegation wieder abschaffen. Was da die Polizeieinsätze kosten? Ich will es gar nicht wissen.

Der Rattenschwanz des Unsinns endet dann, wie sollte es anders sein, bei den Amateuren. Die Hemmschwelle für Beschimpfungen gegenüber der Schiedsrichter, aber auch gegenüber der Spieler ist rapide gesunken. Wer Frust hat: Auf den Sportplatz und raus damit. Auch der Bengalo-Wahnsinn nimmt in den unteren Klassen zu. Mein Aufruf zur Vernunft wird leider ungehört verhallen. . .

Sonntag, 19.06.2016
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