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Löwen reißen sich zusammen

Von Marc Stevermüer

Die Rhein-Neckar Löwen machen unglaublich viele Fehler, aber sie kämpfen: In der Handball-Bundesliga gewinnt die ersatzgeschwächte Mannschaft von Trainer Gudmundur Gudmundsson beim TV Hüttenberg mit 32:26 (11:10) und zeigt Charakter, weil es für sie in dieser Saison um nichts mehr geht. Einmal mehr ist die spielerische Leistung jedoch dürftig.

Stickige Sporthalle statt moderner Arena, Hüttenberg statt Köln. Wie schnell sich die Zeiten doch ändern. Vor zwölf Monaten standen die Rhein-Neckar Löwen noch im Rampenlicht beim Final Four der Champions League, gestern konnten sie sich die Halbfinalpartien der Königsklasse noch nicht einmal im Fernsehen anschauen. Die Badener waren in der Handball-Bundesliga gefordert, beim Dorfklub TV Hüttenberg. In einem Spiel, in dem es für die Gelbhemden um nichts mehr ging, während die Mittelhessen noch ihre Chancen im Abstiegskampf verbessern wollten - was ihnen aber nicht gelang, weil sie noch mehr Fehler als die Löwen machten. "Wir waren zu verkrampft und haben keine Lockerheit gefunden. Unglaublich, was wir für Fehler gemacht haben", sagte Hüttenbergs Matthias Gerlich, der in der nächsten Saison für die Gelbhemden spielt. Löwe Michael Müller war ebenfalls unzufrieden, was die Leistung anging: "Brutal, was wir uns nach der Führung für Fehler erlaubt haben."

Auf die lange Verletztenliste reagierte Trainer Gudmundur Gudmundsson mit der Nominierung von drei Nachwuchskräften: Schlussmann Jonas Maier, auf den DHB-Manager Heiner Brand große Stücke hält ("Ihn haben wir im Auge") gehörte ebenso zum Kader wie Nicolas Herrmann und Kevin Bitz.

Die Gelbhemden starteten gut in die Begegnung, die von der ersten Minute an von Kampf und Krampf geprägt war. Die individuelle Klasse reichte den Löwen indes, um zunächst einmal auf 9:4 (14.) wegzuziehen. Den spielerisch limitierten Hüttenbergern fiel gegen die gute badische Deckung nichts ein, doch je mehr Hektik in die Partie kam, desto mehr verloren die Löwen ihre Linie. Ständig war die Begegnung unterbrochen, unzählige Fouls und Nickligkeiten sorgten immer wieder für Pausen. Der erste Durchgang allein dauerte 43 Minuten.

Mitte der ersten Halbzeit sank das ohnehin dürftige Niveau noch tiefer, was den Mittelhessen in die Karten spielte. Den Löwen war endgültig die Konzentration abhandengekommen. Bestes Beispiel: Der ansonsten gute Schlussmann Goran Stojanovic spielte den Hüttenberger Andreas Lex an - 7:9 (22.). Andy Schmid beendete zwar eine neunminütige Torflaute der Gelbhemden mit dem 10:7 (23.), Besserung kehrte aber auch danach nicht ein. Die Gudmundsson-Sieben spielte unruhig, überhastet, ließ dicke Torchancen aus, leistete sich Ballverluste. Die Mittelhessen nahmen die Geschenke an und verkürzten bis zur Pause auf 10:11. Uwe Gensheimer stapfte wütend und kopfschüttelnd Richtung Kabine, dieser Einbruch nach gutem Beginn nervte ihn sichtbar. "Es war unheimlich heiß in der Halle, ich war schon zur Pause kaputt. Mit Dynamik und Schnelligkeit war am Ende bei mir nicht mehr viel", sagte Müller.

Fehlpässe, Fehlwürfe, technische Fehler - in den ersten drei Minuten nach dem Seitenwechsel zeigten die Löwen erneut die ganze Palette an Unzulänglichkeiten. Da der Gegner aber Hüttenberg und nicht Flensburg hieß, blieben die Badener im Spiel.

Und als sie sich dann auch mal wieder für wenige Augenblicke konzentrierten, zogen sie mit drei Treffern in Serie von 16:16 (38.) auf 19:16 (39.) davon. Nach diesen starken 83 Sekunden war die Gudmundsson-Sieben endlich wieder in ruhigeres Fahrwasser gekommen, die treffsicheren Michael Müller und Andy Schmid bauten in Überzahl den Vorsprung auf 24:20 (49.) aus. "Wir sind zuletzt viel kritisiert worden. Umso glücklicher bin ich, dass die Mannschaft gewonnen hat", atmete der verletzte Henning Fritz kräftig durch.

 

Löwen: Stojanovic, Maier - Gensheimer (7/3), Myrhol (2), Cupic (6) - Sesum (3), Schmid (6), Müller (5) - Roggisch, Bielecki (2), Gunnarsson (1), Ruß, Bitz, Herrmann (n.e.).

Sonntag, 27.05.2012
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