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Fußball: Heute ist Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann genau ein Jahr im Amt / Mit seiner authentischen Art reißt er die Spieler mit

Überflieger mit Bodenhaftung

Archiv-Artikel vom Samstag, den 11.02.2017

Von unserem Redaktionsmitglied Michael Fürst

Er hat gut lachen: Julian Nagelsmann ist während seines ersten Amtsjahres bei der TSG Hoffenheim fast alles gelungen.

© dpa

Zuzenhausen. Als Alexander Rosen, Direktor Profifußball bei der TSG 1899 Hoffenheim, heute vor einem Jahr Julian Nagelsmann zum neuen Cheftrainer des damals stark abstiegsgefährdeten Vereins erkor, pries er ihn in den höchsten Tönen: "Er ist ein junger Mann, aber kein junger Trainer. Wir sehen ihn perspektivisch als die optimale Lösung für Hoffenheim. Er hat eine besondere Begabung für diesen Beruf." Diese und ähnliche Sätze wurden damals schnell in die Kategorie "branchenübliches Selbstmarketing" eingestuft. 366 Tage später ist ganz Fußball-Deutschland allerdings bewusst, dass Rosen keinesfalls übertrieben hatte.

Einen Rekord hatte Nagelsmann bereits an seinem ersten Arbeitstag aufgestellt. Doch dafür konnte er nichts: Mit 28 Jahren war und ist er immer noch der jüngste Bundesliga-Coach aller Zeiten, und die meisten Kenner der Branche waren äußerst skeptisch. Doch gerade in seiner Jugend liegt ein Erfolgsgeheimnis des Senkrechtstarters. Er spricht die Sprache der Spieler, die ihn übrigens duzen dürfen. Er paart Lockerheit gekonnt mit Autorität. Sein unüberseh- und unüberhörbares Selbstbewusstsein ist keine Show. Es basiert auf einem fundierten Fachwissen.

Er ist überzeugt, von dem, was er macht und reißt mit dieser Überzeugung seine Mitarbeiter - und vor allem seine Spieler mit. Ihnen gebühre auch der größte Dank für "seinen" Erfolg der vergangenen Monate, "weil sie die Dinge umsetzen, die wir vorgeben". Und die Vorgaben sind richtig gut: In Zeiten, in denen Trainer-Kollegen immer öfter von einem Spielstil sprechen, den ihre Mannschaft auszeichne, man diesen aber auf dem Feld vergeblich sucht, sieht man bei den meisten Hoffenheimer Auftritten die klare Handschrift von Julian Nagelsmann: Geduldiges Aufbauspiel, passen auch in höchster Bedrängnis, statt Befreiungsschlag, punktuelles Pressen, Vollgas im letzten Spieldrittel.

Nagelsmann-Sprüche

"Ja, sie sieht mich ja gerade im Fernsehen." (Nagelsmann im ZDF-"Sportstudio" auf die Frage, ob ihn seine Frau überhaupt noch sehe.)

"Das brauche ich nicht immer. Ich habe eh schon Geheimratsecken bis zum Himmel." (Nagelsmann zur Tatsache, dass es sein Team meist spannend macht und viele Chancen liegen lässt.)

"Theoretisch ja. Von den Regeln her dürften wir das. Aber das wird schwer." (Nagelsmann auf die Frage eines Schülerreporters, ob seine Mannschaft Meister werden könne.)

"Der Schiedsrichter hat gesagt, dass ich ihn in der Halbzeit hätte auswechseln müssen." (Nagelsmann nach dem wüsten 0:0 von Hoffenheim in Frankfurt und den umstrittenen Entscheidungen des Unparteiischen Christian Dingert.)

"Du hast als Trainer immer einen Stresspegel wie ein Pilot bei der Notlandung." (Nagelsmann zu seinem Job im Profifußball.)

"Nichts, leider nichts. Es gibt weder Punkte noch Geld noch Weltfrieden." (Nagelsmann auf die Frage, was es Hoffenheim bringt, als einzige Mannschaft aus den europäischen Top-Ligen ungeschlagen zu sein.)

"Ich bin in ganz engem Austausch mit Ralph Hasenhüttl und Thomas Tuchel. Wir einigen uns noch, wer Co-Trainer und wer Cheftrainer wird nächstes Jahr." (Nagelsmann zu Spekulationen, er könne eines Tages Nachfolger von Carlo Ancelotti bei Bayern München werden.)

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Wenig Raum in Wolfsburg

Zuzenhausen. Vor dem morgigen Spiel beim VfL Wolfsburg will sich Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann vom aktuellen Tabellenstand des Gegners nicht blenden lassen: "Deren Kader gibt mehr her als der bisherige Saisonverlauf", sagte der 29-Jährige gestern. Um diese Aussage zu belegen verwies er auf die Einwechslungen, die sein Kollege Valérien Ismaël während des DFB-Pokalspiels am Dienstag in München tätigte: Gomez, Malli und Didavi. "Sie sind schwer einzuschätzen. Die Räume werden begrenzt sein", prognostizierte er für das Spiel seiner Mannschaft. Zudem stellt er sein Team auf "längere Ballstafetten" des VfL ein.

Personell wird es am Sonntag wohl ein wenig eng. Da Toljan, Schär, Soares, Rupp (alle verletzt) und Wagner (gesperrt) nicht zur Verfügung stehen, bleiben ihm nur noch 18 fitte Feldspieler. Die Knieverletzung von Lukas Rupp entpuppte sich schwerwiegender als erwartet. Der Spieler besuchte deshalb "Kult-Doc" Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt in München.

Fabian Schär kritisierte in Schweizer Medien indes "mangelnde Kommunikation und fehlendes Vertrauen". Nagelsmann erwiderte gelassen: "Wir haben ein gutes Verhältnis und sind in ständigem Austausch. Wenn er nicht gespielt hat, habe ich das immer begründet." mf

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"Außergewöhnlich intelligent"

Nagelsmann hat sich in seinem ersten Amtsjahr nicht verändert: Immer gerade raus, aber nie verletzend; stets witzig, aber nie albern; cool, aber nie überheblich; er erklärt "seinen Fußball" gerne und detailreich, will aber keinen belehren. Nicht nur deshalb hält ihn TSG-Mäzen Dietmar Hopp für "außergewöhnlich intelligent". Der 29-Jährige sagt über sich: "Ich mache viel aus meiner Überzeugung und Intuition heraus. Ich verstelle mich nicht." Dieses Authentische, Menschliche spüren die Spieler - und folgen ihm; sein Ehrgeiz ist regelrecht ansteckend.

Doch auch bei Nagelsmann ist nicht alles gottgegeben. Jüngst verriet er, dass er selbst einen Coach habe (nicht aus der Fußball-Sparte) "mit dem ich zusammenarbeite, um mich weiterzuentwickeln": Lerntheorie, Motivation, Teamführung. Sein eigenes Training ist überaus abwechslungsreich und anspruchsvoll. Manchmal, erklärte er, überfordere er die Spieler bewusst, dann komme ihnen im Spiel alles viel leichter vor.

Das klappt wohl wirklich, warum sonst wurde aus dem Abstiegskandidaten Hoffenheim binnen eines Jahres ein ernsthafter Europapokal-Anwärter? 1,72 Punkte hat Hoffenheims Überflieger mit Bodenhaftung pro Bundesliga-Spiel im Schnitt geholt. In der viel beachteten "Nagelsmann-Tabelle" waren in den vergangenen zwölf Monaten nur Bayern München und Borussia Dortmund erfolgreicher als die TSG. Kein Wunder, dass diverse "Experten" ihn schon jetzt als künftigen Bayern-Trainer sehen. Nagelsmann kann darüber nur schmunzeln, sagte aber nun im Fachmagazin "kicker", dass er durchaus die Ambitionen besitze, irgendwann einmal Titel zu holen.

Der junge Fußballlehrer dürfte schon enorme Blutergüsse von all den Schulterklopfern davongetragen haben. "Mir ist schon auch bewusst, dass einmal eine andere Zeit kommen kann. Ich weiß aber, wie das Geschäft funktioniert, und ich werde nicht überrascht sein, wenn mir einer einmal ein Bein stellen wird", antwortete er auf die Frage, ob er denn Angst vor der Zeit habe, wenn es einmal nicht so raketenmäßig laufen werde.

"Eine Flasche Schampus habe ich mir nicht kalt gestellt", sagte er gestern, angesprochen auf seinen Jahrestag. Das schönste Geschenk könne ihm die Mannschaft machen, wenn sie morgen in Wolfsburg drei Punkte hole. Die Spieler werden Gas geben - für sich und ihren Trainer.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 11.02.2017
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