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Fußball: Bayern-Mittelfeldmann überzeugt beim 5:1-Sieg über Arsenal London / Thomas Müller bedankt sich beim Vorbereiter

Thiago begeistert nicht nur Ancelotti

Von den dpa-Korrespondenten Christian Kunz, Klaus Bergmann

Nach dem 3:1 genießt Thiago den Moment. Der Spanier heimste für seine "perfekte Leistung" nicht nur Lob von Trainer Carlo Ancelotti ein.

© dpa

München. Jetzt spürt man immer mehr, warum Pep Guardiola dieses Fußballgenie mit der legendären Forderung "Thiago oder nix!" unbedingt nach München holen wollte - und auch bekam. Mit seinem ersten Doppelpack in der Champions League, einer Torvorlage und als umsichtiger Gestalter im Mittelfeld feierte Thiago Alcántara bei der 5:1-Gala des FC Bayern gegen den FC Arsenal am Mittwoch auch persönlich einen ganz großen Abend.

"Seine Leistung war wirklich gut. Es war perfekt", lobte Trainer Carlo Ancelotti den Mann, der für ihn zu "den besten Mittelfeldspielern der Welt" zählt. Der Nachfolger von Guardiola hat nach der Umstellung auf ein 4-2-3-1-System dort die perfekte Rolle für den 25 Jahre alten Spanier gefunden. Thiago war im Achtelfinal-Hinspiel das unverzichtbare Bindeglied zwischen Defensive und Offensive, der Mann "zwischen den Linien", wie Ancelotti sagte. "Wir brauchen ihn für seine Kreativität, seine Pässe", sagte Teamkollege Arjen Robben.

Wichtiges Bindeglied

Gelbsperre für Philipp Lahm

  • Die Gelbe Karte in der 83. Minute gegen Philipp Lahm hat weitreichende Auswirkungen, der Kapitän der Bayern geht mit der unausweichlichen Sperre locker um: "Auf Vereinsebene ist es mir, glaube ich, noch nie passiert, dass ich gesperrt war. Aber es gibt einen schlechteren Zeitpunkt, als nach einem 5:1-Heimsieg fürs Rückspiel gesperrt zu sein."
  • Da es seine dritte Gelbe Karte im laufenden Wettbewerb ist, muss er am 7. März in London zuschauen. In der Qualifikation vor der EM 2012 oder der WM 2014 habe er letztmals gelb-gesperrt zuschauen müssen, erinnerte sich der so faire Lahm.

Thiago Alcántara do Nascimento, der Sohn einer spanischen Volleyballspielerin und des brasilianischen Fußball-Weltmeisters Mazinho, stach aus dem erlesenen Ensemble um die ebenfalls brillanten Offensivstars Robert Lewandowski und Arjen Robben noch heraus. "Er ist ein entscheidender Faktor gewesen", sagte Weltmeister Mats Hummels. Und in der vorderen Bayern-Reihe, die ihre Qualität wie zu besten Dominanztagen demonstrierte, ist Franck Ribéry bald als nächster Ausnahmekönner zurück. Endlich kann der im Sommer 2013 für rund 25 Millionen Euro vom FC Barcelona verpflichtete Thiago dauerhaft zeigen, wozu er im Stande ist, kurioserweise erst, seitdem Guardiola weg ist. Allzu oft wurde der Lieblingsschüler des Katalanen, der Thiago immer wegen dessen Furchtlosigkeit auf dem Platz pries, von Verletzungen gestoppt. "Natürlich bin ich sehr glücklich", sagte der Mittelfeldstar nach einem "leidenschaftlichen" Auftritt seines Teams. Dem Bruder von Barcelona-Profi Rafinha glückten beim 33. Auftritt in der Beletage des europäischen Club-Fußballs die Treffer vier und fünf. "In der zweiten Halbzeit haben wir einfach überragend gespielt", schwärmte Thiago.

In dem Spielsystem, das für Weltmeister Thomas Müller prädestiniert zu sein schien, hat der bayerische Freigeist gegen den spanischen Spielmacher derzeit das Nachsehen. Nach Festspielen wie dem gegen die Gunners gibt es auch keinen Grund für Ancelotti, daran etwas zu ändern.

"Wir haben kein Problem Thomas Müller. Eine Mannschaft braucht 18, 20 Spieler auf Top-Niveau", sagte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge. Bankdrücker Müller hatte am Ende des Abends auch noch Grund zur Freude: Kurz nach seiner Einwechslung erzielte der 27-Jährige das 5:1 und sein drittes Königsklassentor in dieser Saison. "Ich glaube, dass er den Durchbruch geschafft hat", sagte Ancelotti. "Die Geduld bei Thomas Müller wird sich auszahlen. Es ist wieder Licht im Tunnel", pflichtete ihm Rummenigge bei. Der jubelnde Müller selbst dankte dem Vorbereiter seines Tores mit einer innigen Umarmung im Mittelkreis: Thiago hatte aus guter Position uneigennützig aufgelegt.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 17.02.2017
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