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Fußball: Kickers-Keeper Robert Wulnikowski ist der älteste Spieler der 2. Bundesliga / Was passiert nach dem 30. Juni?

Maloche von der Pike auf gelernt

Von unserem Redaktionsmitglied Michael Fürst

Nichts von seinem Ehrgeiz verloren hat der 39-jährige Robert Wulnikowski. Der Kickers-Keeper hat sich in jeder Einheit des Trainingslagers voll rein.

© Fürst

Eigentlich wollte Robert Wulnikowski Industriemechaniker werden. Die Lehre dazu hat er abgeschlossen. Hätte der Deutsch-Pole den eingeschlagenen beruflichen Weg weiter beschritten, so hätte er bis zu seinem Ruhestand noch über 20 Jahre zu arbeiten. "Wulle", wie er allseits gerufen wird, steht allerdings nun schon kurz vor der Rente, der Fußball-Rente. Mit heute 39 Jahren ist der Torhüter der Würzburger Kickers aktuell der älteste Spieler der 2. Bundesliga. Sein Vertrag läuft am 30. Juni aus. Doch es scheint, als habe Robert Wulnikowski weiter "Bock" auf seinen Job.

"Die Gespräche mit Bernd Hollerbach stehen noch aus. Ich weiß noch nicht, was kommt", sagte der Keeper im Trainingslager der Würzburger in Marbella. Im Grunde schien der Weg vorgezeichnet: Im Sommer 2016 haben die Kickers mit dem Österreicher Jörg Siebenhandl einen jungen und hochtalentierten Schlussmann als potenzieller Nachfolger Wulnikowskis verpflichtet. Der Weg hin zum Torwarttrainer bei den Kickers nach seinem Vertragsende als Profi schien damit frei zu sein. "Torwarttrainer war schon immer mein Ziel", verriet er. Einen Torwarttrainer-B-Schein hat er bereits. Doch sein süffisantes Grinsen verrät, dass er noch überlegt, ob er mit diesem Job "schon" im Sommer beginnen möchte.

Warum auch? Wer "Wulle" hier in Marbella über den Trainingsplatz hechten und fliegen sieht, der erkennt einen topfitten Torhüter, der kein Gramm Ehrgeiz verloren hat. Am Vorrunden-Erfolg der Kickers hatte er mit konstant guten Leistungen (FN-Noten-Bester) einen erheblichen Anteil am augenblicklichen Rang sechs des Aufsteigers. Dies blieb auch dem Fachmagazin "kicker" nicht verborgen, das Robert Wulnikowskis Leistungen während der ersten 17 Saisonspiele als "herausragend" bewertete und ihn als Viertbesten der 2. Bundesliga einstufte. "Dabei hat mir auch die Mannschaft geholfen. Aber das kann im Fußball durch eine dumme Aktion wieder ganz schnell anders aussehen", meint der Profi bescheiden.

Robert Wulnikowski

Geboren: 11. Juli 1977.

Stationen: 1996 bis 1999 FC Schalke II, Union Berlin von 1999 bis 2004; Rot-Weiß Essen in der Saison 2004/2005; VfR Aalen von 2005 bis 2007; in der Saison 2007/2008 Sportfreunde Siegen; Kickers Offenbach 2008 bis 2014 und seit 2014 beim FC Würzburger Kickers.

Vertrag bei den Kickers: bis 30. Juni 2016.

Spiele: 56 in der 2. Bundesliga, 182 in der 3. Liga, 88 in der Regionalliga Süd und 32 in der Regionalliga Bayern.

"Wulle" weiß, wovon er spricht, schließlich ist er in seiner Zeit als Profi viel herumgekommen. Bei Schalke 04 durchlief er die Jugend und durfte früh bei den Profis mittrainieren (Jens Lehmann war damals die Nummer eins). Aber diese Trainingszeiten musste er sich zum Teil durch Mehrarbeit und dadurch entstehende Freischichten während seiner Ausbildung auf der Zeche erst einmal verdienen. Er hat die Maloche quasi von der Pike auf gelernt. Das sieht man noch heute bei jeder Einheit. Robert Wulnikowski haut sich rein und nimmt seine Aufgabe als Führungsspieler ernst. "Wenn mir etwas auffällt, sage ich das gleich", berichtet er von der Zusammenarbeit mit seinen Torwartkollegen Jörg Siebenhandl und Dominik Brunnhübner.

Doch auch er kann nach all den Jahren als Profi immer noch etwas lernen. "Als ich angefangen habe, durfte der Torwart nach einem Rückpass den Ball noch in die Hand nehmen", erzählte er und fügt mit breitem Grinsen an: "Und der Libero hat die Abschläge für mich gemacht." Er sei aber schon immer ein offensiver Torwart gewesen und habe versucht "rauszukommen"; diese Spielweise habe ihm bei der "Evolution" des Torwartspiels in den vergangenen zehn, fünfzehn Jahren enorm geholfen. Heute gelte es, Bälle anzunehmen und weiterzuleiten, und dies alles in kürzester Zeit, weil die Gegner immer wieder pressen, erklärte Wulnikowski. Da komme es auch für ihn auf jede Kleinigkeit an, um das Stellungsspiel und die Konzentration zu verbessern.

Kein Freund des Internets

Diese Konzentration erhält er sich auch dadurch, dass er nicht dauernd auf sein Handy "glotzt", so wie das die meisten seiner deutlich jüngeren Mitspieler vor allem während des Trainingslagers tun. Der Vater zweier Söhne kann diesem gesellschaftlichen Wandel nicht viel abgewinnen: "Auf Facebook und Instagram bin ich gar nicht gemeldet." Vor 15 und 20 Jahren habe man sich zwischen den Einheiten mehr unterhalten als heute. Und man ist nachts auch einmal aus dem Hotel ausgebüxt: "Da waren wir schon auch mal in der Disco. Doch das geht heute nicht mehr."

Die Motivation dafür, sich auch noch mit 39 Jahren in den Dreck zu hechten und sich den Schüssen der Gegner entgegen zu werfen, nimmt er "aus dem Spaß an meinem Job". Und es sieht so aus, als wird ihm dieser auch nach dem 30. Juni nicht verloren gegangen sein...

© Fränkische Nachrichten, Mittwoch, 11.01.2017
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