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Die Fränkischen Nachrichten haben sich im Laufe ihrer Geschichte vom reinen Zeitungs-Verlag zu einem modernen Medienhaus mit verschiedenen Geschäftsfeldern entwickelt. Aus Anlass des 100. Geburtstags des Frankoniahauses, in dem die FN seit 1952 beheimatet sind, nimmt Geschäftsführer Michael Grethe zu den momentanen Aktivitäten des Verlagshauses Stellung und wirft darüberhinaus auch einen Blick in die Zukunft. Das Interview führte Chefredakteur Dieter Schwab.
In der Vergangenheit waren die Fränkischen Nachrichten ausschließlich Print-Unternehmen. Heute ist das Medienhaus deutlich breiter aufgestellt. Welche Geschäftsfelder sind aktuell die Basis?
Michael Grethe: Die Tageszeitung Fränkische Nachrichten ist nach wie vor die tragende Säule unseres Medienhauses und wird dies auch in Zukunft bleiben. Sie wird ergänzt durch unser Anzeigenblatt Fränkische Wochenpost, mit dem wir alle Haushalte unseres Verbreitungsgebietes erreichen. Die FN-Reisebüros organisieren seit über 20 Jahren Leserreisen und seit diesem Jahr die Leserreisen für unsere ganze Zeitungsgruppe mit einer Auflage von annähernd 200 000 Exemplaren. Das jüngste Geschäftsfeld ist die FN-Post, mit der wir Briefe von Geschäftskunden in unserem Verbreitungsgebiet und mit unseren Kooperationspartnern in ganz Deutschland zustellen. Dieses Geschäftsfeld bereitet uns viel Freude, weil es natürlich immense Wachstumschancen bietet.
Die FN sind seit jeher Partner kultureller Veranstaltungen. Jetzt gehen sie als Initiator der Messe "Mitten im Leben" und des FN-Innovationspreises weiter in die Offensive. Passt das noch zur Chronistenrolle?
Grethe: Die Fränkischen Nachrichten verstehen sich nicht nur als reiner Chronist des Geschehens in der Region, sondern ein wenig auch als Motor für die Wirtschaft und ganz besonders den Handel in unserem Verbreitungsgebiet. Seit mehr als fünf Jahren beschäftigen wir uns intensiv mit den Auswirkungen der demografischen Entwicklung. Die nachrückenden Jahrgänge werden zahlenmäßig immer kleiner, die Lebenserwartung steigt und die Menschen bleiben zum Glück länger fit. Nachdem unsere Redaktion unter dem Motto "Mitten im Leben" dieses Thema auf 26 ganzseitigen Beiträgen beleuchtet und die vielfältigen Aspekte dieser wirtschaftlichen Veränderung unter die Lupe genommen hat, wollten wir eigentlich eine Abschlussveranstaltung mit verschiedenen Vorträgen machen. Daraus ist dann die Idee zu einer parallel stattfindenden Messe entstanden.
Den Unternehmen in unserer Region, die über unser Medium Fachkräfte suchen, wollten wir mit der Ausschreibung des FN-Innovationspreises helfen oder den Anstoß geben, dass sie sich rechtzeitig den Herausforderungen der demografischen Entwicklung stellen und hierfür Konzepte erarbeiten.
Werbung in der Tageszeitung oder dem Internet ist ein Geben und Nehmen. Welche Aufgabe hat die FN-Card in dieser Partnerschaft zwischen werbender Wirtschaft und den Fränkischen Nachrichten?
Grethe: Die FN-Card soll einerseits unseren Abonnenten einen Mehrwert zu ihrem Abonnement geben, indem unser Kunde bei unseren Werbepartnern Dinge des täglichen Lebens günstiger erstehen kann. Wer alle Vergünstigungen in Anspruch nimmt, hat ganz schnell den monatlichen Abonnement-Preis wieder drin. Den werbetreibenden Firmen wollten wir mit der FN-Card helfen, dass das Geld in der Region bleibt und sie auf diese Weise zusätzliche Umsätze generieren können.
Mit FN-Post werden Informationen zielgerichtet transportiert. Was kann dieser noch relativ junge Geschäftsbereich des Unternehmens besser als andere in dieser Branche?
Grethe: Bei der FN-Post wird jeder ihr übergebene Brief wie ein Einwurf-Einschreiben behandelt und kann somit nachverfolgt werden. Versuchen Sie einmal, heraus zu bekommen, wo ihr Brief geblieben ist, wenn er vom Marktführer transportiert wurde und nicht von uns.
Gehört dem Internet die Zukunft oder werden sich die Menschen auch in 25 Jahren noch vorwiegend über eine Tageszeitung ihre Informationen holen?
Grethe: Das Internet ist ein hervorragendes Medium für die gezielte Suche nach einer Information, während die Tageszeitung aus der Flut von Informationen die wichtigsten für den Leser zusammenstellt. Nachdem die Informationsflut immer größer wird, wird dies immer wichtiger. Insofern bin ich davon überzeugt, dass auch in 25 Jahren noch die Tageszeitung ihre Existenzberechtigung als glaubwürdigstes Medium mit vertrauenswürdiger Information für ihre Leserschaft in der Region haben wird.
Ob sie dann noch auf einer großen Rotation gedruckt, zum Träger transportiert und von diesem dem Leser zugestellt wird, vermag ich allerdings nicht zu sagen. Vielleicht druckt sich dann jeder Haushalt eine individuelle Zeitung jeden Morgen zu Hause selbst aus.
Ergänzend zum Internet: Wie könnte das Bedürfnis nach schneller und kurzer Wissensvermittlung in einigen Jahren noch befRiedigt werden?
Grethe: Neben der ausführlichen Information der gedruckten Zeitung und der elektronischen Zeitung zum Anschauen im Internet oder Herunterladen aus dem Internet werden sich die regionalen Zeitungsverlage zum Informationsbroker für verschiedene Medien herauskristallisieren. Das heißt, eine Information wird für verschiedene Arten der Weiterverwendung aufbereitet.Dazu gehören SMS-Dienste, die mobile Zeitung, die aufs Handy geladen wird, und die Zeitung ergänzende kleine Videos, die man ebenfalls überall abrufen kann.
Wer an Urlaub denkt, denkt mittlerweile auch automatisch an die Fränkischen Nachrichten. Wie passt ein Reisebüro zu den Aktivitäten einer Tageszeitung?
Grethe: Mit unseren FN- und RCO-Reisebüros zeigen wir Präsenz in der Fläche und bereichern die Angebotsvielfalt der Einzelhandelsstandorte Bad Mergentheim, Tauberbischofsheim, Wertheim, Buchen und Walldürn. In Wertheim haben wir bereits in idealer Weise die Geschäftsstelle der Tageszeitung, die wir seit diesem Jahr Kundenforum nennen, mit dem FN-Reisebüro verbunden.
Durch unser Angebot bekommen unsere Kunden die kostenlose Beratung bei der Auswahl und die Information über das gewünschte Zielgebiet, die sie sich ansonsten bei einer Direktbuchung nur mühsam zusammenstellen können. Trotz der hohen Beratungsqualität bleiben die Preise auf niedrigem Niveau.
Fränkische Nachrichten
30. September 2008
Adresse der Seite: http://www.fnweb.de/regionales/ta/frankoniahaus/wirtschaft/20080930_srv0000003197872.html