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Frankoniahaus: Vor 100 Jahren wurde auf einem Gartengrundstück ein markantes Sandsteingebäude errichtet

Ein Haus mit großer Geschichte

Von unserem Redaktionsmitglied Diana Seufert

Immer am Puls der Zeit: Aktuelle Nachrichten von der Kommunalpolitik bis zum Vereinsleben, von Kultur, Sport und Gesellschaft werden täglich sondiert. In der Redaktion wird recherchiert und redigiert und somit eine attraktive Zeitung hergestellt. Online über das WorldWideWeb werden zahlreiche Aktivitäten präsentiert. In der FN-Post sorgen viele fleißige Hände für das Sortieren der zahlreichen Briefsendungen. Und wen es in die Ferne zieht, der wird im Reisebüro der Fränkischen Nachrichten gut beraten. Das Medienhaus ist zum Dienstleister für vielfältige Bereiche avanciert.

Eine wechselvolle Geschichte prägt das markante Gebäude in rotem Sandstein, das 1908 errichtet worden war. Viele Bewohner und Arbeitnehmer gingen in den vergangenen 100 Jahren hier ein und aus, freudige und traurige Ereignisse gab es zu vermelden. Aber eines ist in all den Jahren stets geblieben: Das Gebäude war als Druckerei für den Tauber- und Frankenboten konzipiert worden und beherbergt noch heute ein modernes Medienunternehmen.

Beim Blick in die Chronik wird schnell klar: Nur wenig ist über die Bauzeit und die ersten Jahre des Frankoniahauses bekannt. Diesen Namen trägt es übrigens bereits von Beginn an, da es für Zwecke der Frankonia Aktiengesellschaft erbaut worden ist, die für Druck und Verlag des Tauber- und Frankenboten zuständig war. Gedruckt wird vieles, von der Visitenkarte bis zum Trauerbild und dem Pergament für die Butter. In einer kurzen Notiz wird am 7. Februar 1908 im "Boten" erwähnt, dass der Müller'sche Garten (Bauplatz) an der Ecke der Schmieder- und Gartenstraße durch Kauf an Redakteur Anniser übergeht. Als Kaufpreis wird die Summe von 3800 Mark genannt. Ob dies der Beginn des Baues ist oder bereits viel früher damit begonnen worden war, ist nicht bekannt. Die Planungen gab es wohl schon viel früher.

Die damalige Zweckbestimmung ist ein Betriebsgebäude für eine Druckerei mit Wohnungen, Besitzer ist die AG Frankonia Verlag und Druckerei. Im April 1893 aus dem Presseverein Tauberbischofsheim hervorgegangen, übernahm der Verlag der AG Frankonia am 1. Juli 1895 den Druck des Tauber- und Frankenboten von Buchdrucker Markus Zöller.

Die tägliche Auflage der Zeitung mit Sitz in einem Gebäude Ecke Sonnenplatz und der Telefonnummer 3 liegt 1908 nach einer notariellen Beurkundung bei 8425 Exemplaren. Auf vier Seiten finden die Abonnenten des "Boten" Wichtiges vor allem aus dem Bereich Politik, vom Reichstag und dem Badischen Landtag. Die Lokalnachrichten sind unter der Rubrik "Aus Baden und von der Grenze" aufgelistet und reichen weit bis nach Mannheim und Karlsruhe. Vermischtes aus aller Welt sowie Anzeigen gibt es ebenfalls. Sport- und Kulturinteressierte gehen leer aus, während bereits ein Fortsetzungsroman zum Blatt gehört. Bilder gibt es (noch) keine, lediglich die grafische Gestaltung der Anzeigen lockert die Zeitung auf. Erste Zeichnungen sorgen erst im Jahr 1910 für eine optische Aufwertung einzelner Ausgaben. Und die Treue der Leser wird mit Prämienbüchern aus dem Humboldt-Verlag honoriert. Sechs Mal in der Woche, außer montags, wird die Zeitung herausgegeben. Regelmäßig gehört auch eine Lioba-Beilage dazu.

Bei der 13. ordentlichen Generalversammlung der Aktiengesellschaft Frankonia, Druck und Verlag des Tauber- und Frankenboten, im Juni 1908 in der Brauerei Volk, der ein Gottesdienst vorausgeht, wird der Neubau nur kurz gestreift. Das Jahr 1907 sei günstig verlaufen. "Zur Erbauung eines neuen Geschäftshauses und Ausdehnung des Geschäftes wurde das Aktienkapital von 60 000 Mark auf 90 000 Mark erhöht."

Der Bau nach den Plänen von Stadtbaumeister Albicker in Wertheim scheint schnell vorangeschritten zu sein. Das Haus mit Erkervorbau und verspielten Jugendstilformen ist Ende des Jahres einzugsfertig. Bereits am 31. Dezember 1908 erscheint eine Anzeige im "Boten", dass wegen Umzugs der Druckerei in den Neubau in der Schmiederstraße am nächsten Tag keine Zeitung erscheine. Die nächste Ausgabe sei für den 3. Januar 1909 geplant.

Und an diesem Tag steht auf der ersten Seite zu lesen: "In größerem Format erscheint von heute ab der Tauber- und Frankenbote. Da die bisherigen Geschäftsräume zu eng wurden und auch den behördlichen Vorschriften nicht mehr entsprachen, wurde ein allen Ansprüchen gerecht werdender Neubau bezogen.

Aus diesem Anlass wurde für den Druck des "Boten" eine (...) Rotationsmaschine aufgestellt, die es (...) ermöglicht, das Format zu vergrößern und (...) künftig mehr Stoff zu bieten und früher als seither zu erscheinen." Dennoch werden die erhöhten Kosten nicht an den Leser weitergegeben, 1 Mark 10 Pfennig ohne Zustellung hat der Abonnent zu zahlen. Mit einer ganzseitigen Anzeige am 13. März 1909 wird die offizielle Geschäftsverlegung in die Räume der Schmiederstraße, unterhalb des Amtsgerichts, schließlich besiegelt.

Das Jahr 1908 läuft trotz des Neubaus günstig. Die Zahl der Abonnenten ist gestiegen, ebenso die Einnahmen aus den Anzeigen, wie es im Bericht über die Generalversammlung der Aktiengesellschaft Frankonia am 10. Juni 1909 heißt.

Redakteur Anniser verlässt die Redaktionsstube Anfang November 1910. Nach 16-jähriger Tätigkeit als Redakteur des Blattes und Geschäftsführer der Gesellschaft, wechselt er als Direktor der Zentrale der landwirtschaftlichen Lagerhäuser und will sich nur noch um das Geschäftliche kümmern.

Unterschrieben wird diese Anzeige von Josef Schmitt für den Vorstand und für den Aufsichtsrat Stadtpfarrer Epp. Die Redaktionsarbeit übernimmt ab 4. November 1910 als verantwortlicher Redakteur Josef Kiefer, der vom "Freiburger Boten" an die Tauber gezogen ist. Er arbeitet nicht nur im Frankoniahaus, sondern bezieht dort auch eine Wohnung. Später wird Kiefer Verlagsleiter.

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