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Kultur und Bewegung: Beim Bauländer Skulpturen-Radweg ist diese Verbindung hervorragend gelungen / Kommentare im Gästebuch / Idealismus auf der ganzen Linie

Kunst beim Radeln bewegt genießen

Von unserem Redaktionsmitglied Daniela Käflein

Die Kunstwerke des Skulpturen-Radweges in der reizvollen Landschaft des Baulandes provozieren, amüsieren und laden zur Auseinandersetzung ein. Viele Einheimische haben sich mit den Arbeiten der Künstler beschäftigt und ihnen ihre eigenen Namen verpasst. "Eisbären" heißt beispielsweise im Volksmund die Skulptur "Glück unterwegs auf der Suche nach" von Elisabeth Howey, die zwischen Bödigheim und Seckach zu finden ist.

"Der Landwirt, auf dessen Boden die ,Eisbären' so gut zur Geltung kommen, stand dem Vorhaben sofort aufgeschlossen gegenüber", erinnert sich der Initiator und frühere Bürgermeister von Seckach, Ekkehard Brand, im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten. Überhaupt war es gerade diese Tatsache, Menschen von einer ganz anderen Seite kennenzulernen, die ihn an der Herausforderung "Skulpturen-Radweg" so gereizt hat.

Zwei Jahre sind jetzt seit der Eröffnung vergangen. Menschen aus der ganzen Republik haben sich inzwischen mit dem Fahrrad auf den Weg zum Skulpturen-Radweg gemacht. Kein Wunder, findet das einmalige Projekt doch bis weit über die Grenzen der Region hinaus Beachtung.

Begeistert äußert sich beispielsweise Rainer aus Hannover im Gästebuch auf der Homepage des Skulpturen-Radwegs: "Ich habe Ende August den ganzen Tag -€¦ für diesen wundervollen Skulpturenweg gebraucht und viel, viel, viel fotografiert. Manchmal wäre ich gerne noch länger bei einem Kunstwerk geblieben-€¦". Selten so "humorvolle Kunstwerke" gesehen zu haben, erklärt Christine Nicolay und eine gewisse Conny aus Heidelberg ist besonders vom Manta und den Wellen begeistert, stellt aber auch fest: "Kunst macht Appetit. Das gastronomische Angebot auf der Strecke könnte etwas besser sein."

Wer im Frühjahr 2006 die Chance nutzte, den Künstlern bei der Arbeit über die Schulter zu schauen, traf ausnahmslos auf Idealisten: junge Leute, die wissen, dass ihr Weg als Künstler sicher kein leichter werden wird. Eine Tatsache, die Ekkehard Brand immer wieder faszinierte. Obwohl ihm schon vorher klar war, dass er mit der Kunst im "öffentlichen Raum" nicht immer auf ungeteilte Zustimmung stößt, ging er ganz bewusst das Risiko ein, öffentlich Widerspruch zu ernten. "Aber es hat sich gelohnt", meint er heute im Rückblick beim Gespräch mit den FN und klopft dem "Glück unterwegs auf der Suche nach" kameradschaftlich auf die Schulter.

Auch wenn bei der Förderung der Kunst - anders als beispielsweise bei der Formel 1 - manchmal der geforderte "Return of Invest" ausbleibt, haben sich die Anstrengungen, den Skulpturen-Radweg nach "Badisch Sibirien" zu holen, in jedem Fall gelohnt.

Denn kaltschnäuzig sind sie nicht, die jungen Künstler. Sie stellen nicht einfach irgendein "Dingens" in die malerischen Hügel des Baulandes. "Und das wäre auch gar nicht gegangen. Die Jury war schließlich erstklassig besetzt", weiß Initiator Ekkehard Brand.

Die Studenten der Kunstakademien schütten bei der Arbeit für den Skulpturen-Radweg ihr künstlerisches Herzblut aus, entwickeln ihr eigenes Ding und gehen konsequent den eigenen Weg. Pfiffige Ideen haben sie, mit einem gewissen intellektuellen Tiefgang. Immer wieder erfinden sie ihre eigene, individuelle Form. Und immer wieder staunt der unbeteiligte Beobachter über ihren Idealismus, mit dem sie ans Werk gehen.

Feierabend ein Fremdwort

Stefan Rohrer beispielsweise, der Schöpfer der Skulptur "Manta in der Kurve" - die sich übrigens bei der Jugend aus Bronnacker inzwischen als BMX Teststrecke bewährt hat - schweißt im Frühjahr 2006 in einer Halle der Firma AZO in Osterburken. Er konnte sich allerdings nur schwer daran gewöhnen, dass es hier einen Feierabend gibt. Zu Hause in seinem Atelier arbeitet er oft die ganze Nacht, wenn ihm danach ist. Aber bei AZO gibt es eine Klingel und dann ist Ausspannen angesagt! Eine ganz neue Erfahrung für den Kunststudenten, der eigentlich Steinmetzmeister ist.

Dagegen konnte Daniel Beerstecher an seiner "Retrograden Umgestaltung" im Feuerwehrgerätehaus Adelsheim so lange arbeiten, wie er Lust hatte. Und die vergeht ihm nicht so schnell. Wenn man ihm bei der Arbeit zuschaute, merkte man, dass es hier nicht in erster Linie um die "Nebensache" Geld geht. Vielmehr war zu spüren, dass sich die Künstler mit voller Energie dafür einsetzen, ihre Idee für den Betrachter zu transportieren. Auch dass die meisten vor dem Studium eine praktische Handwerkerausbildung absolviert haben, kommt ihnen jetzt zugute und trägt zur Einzigartigkeit des Radweges bei.

"Ohne Titel" umgesetzt

Kurz nach dem Ortsausgang Merchingen in Richtung Bronnacker hat Andreas Kiessling im Frühjahr 2006 sein Zelt aufgeschlagen. Sein Werk "Ohne Titel", das die Einheimischen "Welle" nennen, bereitet ihm in der praktischen Umsetzung doch einiges Kopfzerbrechen. Aber zusammen mit Unternehmen und Handwerkern der Region gelingt die Umsetzung schließlich doch.

Verbindung von Natur und Kunst

Hervorragend ist es den jungen Künstlern mit diesem Projekt gelungen, eine Verbindung von Natur und Kunst zu schaffen. Geprägt durch flache Hügel, die sich malerisch durch die Landschaft ziehen, eignet sich das Bauland auch hervorragend für Fahrradausflüge mit der ganzen Familie, da sich die Steigungen in Grenzen halten.

Was gibt es schließlich Herrlicheres, als Kunst in einer so wundervollen Landschaft wie dem Bauland zu genießen? Dass man dabei noch an der frischen Luft ist und Bewegung beim Radfahren hat, gibt es sogar gratis dazu.

Fränkische Nachrichten
30. September 2008


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