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Von unserem Redaktionsmitglied Ralf Marker
Öffnungszeiten: April und Oktober 10 bis 17 Uhr, von Mai bis September 10 bis 18 Uhr, montags geschlossen.
Eintrittspreise: Erwachsene 3 Euro, Ermäßigte 2,50, Kinder von sechs bis zwölf Jahren 1,50, Schüler im Klassenverband 1,50. Kinder unter sechs Jahren und Einzelmitglieder haben freien Eintritt. Familien zahlen nur für ein Kind.
Führungen kann man im Museum anmelden.
Einblick in die meist schlichte, aber auch sehr fesselnde Vergangenheit der früheren ländlichen Lebens- und Arbeitswelt - das bietet das Odenwälder Freilandmuseum dem Besucher. Möglichst authentisch soll dieses Bild nach den Vorstellungen von Museumsleiter Thomas Naumann sein, und deswegen verzichtet man in Gottersdorf auf Schrilles und Buntes. Eher ruhig und bedächtig ist der Gang durch das Museum in dem Walldürner Stadtteil. Und wer ein bisschen Zeit mitbringt - heutzutage nicht immer selbstverständlich -, der lernt eine ganze Menge über das Leben und Arbeiten der Menschen in längst vergangenen Zeiten.
Das Museum ist eines von zweien in Baden-Württemberg in der Trägerschaft eines Fördervereins. Nach den Sturm- und Drangjahren der Anfangszeit geht es beim Aufbau seit einiger Zeit etwas langsamer voran, was auch mit den gesunkenen Fördermitteln des Landes zu tun hat. "In kleinen Schritten streben wir dem Ziel entgegen", sagt Museumsleiter Thomas Naumann.
Die Bandbreite der bereits fertig gestellten Häuser und Gebäude des noch nicht vollendeten Museums reicht vom bescheidenen Taglöhnerhäuschen bis zum stattlichen Großbauernhof, von der dörflichen Postagentur bis zur Landschusterei, von der Grünkerndarre bis zur Ziegelhütte, von der Feldscheune bis zum Bienenstand. Der dargestellte Zeitraum erstreckt sich vom 17. bis ins 20. Jahrhundert. Jedes Gebäude im Museum ist etwas Besonderes und berichtet von der langen Geschichte des Hauses und seiner Bewohner.
Der Besucher bekommt ein realistisches Bild des bäuerlichen und des bürgerlichen Lebens in früheren Zeiten in "Badisch Sibirien" geboten. So wurde der Landstrich früher gerne genannt. Und auch heute noch taucht diese Formulierung gelegentlich auf, sie hat aber viel von ihrem einstigen Schrecken verloren. Viel zu lachen gab es in der guten, alten Zeit oft nicht, viele mussten sich strecken, wenn sie leben und überleben wollten.
Das Leben früher war aber eben manchmal auch sehr bunt und schon gar nicht ungefährlich, auch wenn der Alltag aus geregelten, über die Jahrhunderte eingefahrenen Normen bestand. Auch hier gibt das Freilandmuseum wohl in etwa das richtige Verhältnis der vormaligen Lebensgefühle wieder: den umtriebigen Veranstaltungstagen - das Angebot reicht vom Ostereiersuchen für Kinder über das Grünkernfest und Handwerkertage bis hin zum Kriegsgeschehen in früheren Zeiten - stehen rund 190 "normale" Öffnungstage gegenüber, in denen man sich den biografischen Spuren der ehemaligen Bewohner der Gebäude widmen kann.
Auf die Erkennbarkeit dieser Spuren wird nämlich im Museum ganz besonderer Wert gelegt. In den Häusern geben Texttafeln ausführlich Auskunft über das Gebäude und seine Bewohner. Hier braucht man etwas Muse, um zu lesen und dann zu verstehen, dass die auf den ersten Blick scheinbar putzig wirkenden Häuser ihren Bewohnern eben in der Regel alles andere als ein Idyll geboten haben.
Wer nach dem Museumsbesuch immer noch wissensdurstig ist und einen Abstecher in die umgebende Natur machen will, dem bietet sich der durch den Naturpark Neckartal-Odenwald angelegte "Odenwaldpfad" an. Wer dagegen glaubt, sich eine Stärkung verdient zu haben, der kommt in den Gasthäusern am Ort oder in der Museumsschänke auf seine Kosten.
Fränkische Nachrichten
30. September 2008
Adresse der Seite: http://www.fnweb.de/regionales/ta/frankoniahaus/tourismus/20080930_srv0000003179814.html