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Tourismus: Die Marketingchance nutzen

Wein als Botschafter des guten Geschmacks

Von unserem Redaktionsmitglied Olaf Borges

"Ein Gang durch das Taubertal ist ein Gang durch die deutsche Geschichte". So hat es der deutsche Volkskundler Wilhelm Heinrich Riehl 1865 geschrieben. Doch nicht nur für die Augen, auch für den Gaumen hat das Taubertal einiges für Touristen zu bieten und mit seinem Wein einen Botschafter, der den Bekanntheitsgrad der Region noch weiter steigern kann. Die FN sprachen mit dem Slow-Food-Vorsitzenden Deutschland, dem Bad Mergentheimer Hotelier Otto Geisel, über Möglichkeiten, den Wein verstärkt in der Werbung für die Region einzusetzen.

"Ein Produkt, das Botschafter für eine Region sein will, braucht Eigenständigkeit", so Otto Geisel. Es dürfe also nicht austauschbar sein, sondern müsse etwas Unverwechselbares haben. Auch die Region, die sich touristisch vermarkten wolle, brauche eine Emotionalität. Beispiele dafür gebe es genügend. "Wenn wir den Namen Provence hören, denken wir gleich in Bildern oder in Geschmackswelten", so Geisel. Die Provence stehe für schönes Licht und blauen Himmel, aber genauso für Lavendel und andere Gewürze, wie Thymian und Rosmarin. Gleiches passiere, wenn man von der Toskana spreche. Die touristisch erfolgreichen Regionen hätten in der Regel auch eine geschmackliche Prägung. Südtirol beispielsweise hebe in der Werbung voll auf den Genuss ab, so der Slow-Food-Vorsitzende.

Betrachte man hier die Region, sehe man man im Grunde drei Landkreise, die ein gewisses Profil aufweisen. Der Kreis Schwäbisch Hall könne mit dem Hällischen Landschwein punkten, der Hohenloher Landkreis mit dem Boeuf de Hohenlohe und der Main-Tauber-Kreis natürlich mit dem Wein. "Der Taubertäler Wein hatte schon einmal eine große Geltung auf dem deutschen Weinmarkt", gibt Geisel zu bedenken. Er sei einst in Frankfurt beliebter als der Wein aus dem Rheingau gewesen. Mit der Taubertal-Edition, der mittlerweile auch die Weingärtner aus Markelsheim und die Winzergenossenschaft Beckstein positiv gegenüberstehen, wolle man "den Geschmack des Taubertals" in die Flasche bringen. Und wenn hier ansässige Global-Player den Taubertäler Wein auf Messen als Botschafter einsetzen, was zum Teil ja schon geschehe, dann würde dies helfen, das Tal und seine guten Tropfen weiter bekannt zu machen. Auch die Slow-Food-Messe in Stuttgart habe man dazu genutzt, den Besuchern mit Weinen der Taubertal-Edition das Maul wässrig zu machen. Denn die brauchen sich in der Weinlandschaft nicht zu verstecken und machen das Taubertal schmeckbar, ist sich der Victoria-Patron sicher. Denn die Weine besitzen laut Geisel jenen spezifischen Geschmack, der Ausdruck der Landschaft, also des Bodens und des Klimas an der Tauber ist. Zum Einsatz würden die typischen Rebsorten des Taubertals kommen. Der Tätigkeit der Winzer und Weingärtner aus dem Taubertal obliege es, das organische Leben im Boden zu fördern. Gleichzeitig würden sie für die Einhaltung der strengen Richtlinien bei der Erzeugung des Weines bürgen. Im Keller werde den alten Ausbautraditionen gefolgt. So entstehe dieser authentische, nicht imitierbare Wein von außergewöhnlicher Qualität.

Heutzutage wird das Taubertal in weintechnischer Hinsicht in die Anbaugebiete Baden, Franken und Württemberg aufgeteilt. Doch dies sei nicht immer so gewesen. Einst war der Landstrich links und rechts der Tauber das größte zusammenhängende Weinanbaugebiet Deutschlands, das sich von Wertheim bis Rothenburg erstreckte. Deshalb hätten sich Weinbaubetriebe und Genossenschaften zusammengeschlossen, um unter dem Namen "Taubertal-Edition" besondere Weine aus dem Taubertal auf den Markt zu bringen. Und dieses Potential gelte es nun auszuschöpfen, um den Bekanntheitsgrad des Landkreises weiter zu steigern.

Hoffnungen machte auch ein Besuch von Staatssekretärin FRiedlinde Gurr-Hirsch vom Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg im Main-Tauber-Kreis. Die habe sich in Bronnbach vom Engagement der Beteiligten überzeugt und von den bereits umgesetzten Aktivitäten sehr beeindruckt gezeigt. "Soweit es über bestehende Programme möglich ist, werden wir Ideen oder Konzepte fördernd begleiten", hatte sie zugesagt.

Chancen für das Taubertal sieht Geisel auch im Projekt "Genießerland Baden-Württemberg". Das zeigt derzeit in München auf dem Viktualienmarkt Flagge. Mit einem Großbanner wirbt man mit "Lecker hier. Aber waren Sie schon mal in Baden-Württemberg?" für den Besuch des Nachbarlandes. Otto Geisel hält es für ratsam, sich unter diesem Dach als Genießerregion im Genießerland einzubringen. Denn nach der Kampagne "Wir können alles - außer Hochdeutsch" will Baden-Württemberg jetzt als "Genießerland Nummer 1" in Deutschland punkten. Staatsminister Wolfgang Reinhart, Agrarminister Peter Hauk (beide CDU), Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP) und Tourismus-Direktor Roger Heidt haben eine Vereinbarung unterzeichnet, durch die Tourismus-Marketing, Agrar- und Forstprodukte-Marketing und Landesmarketing künftig zusammen arbeiten. Baden-Württemberg soll als führende Feinschmeckerregion in Europa herausgestellt werden. Und dieses hochgesteckte Ziel könnte auch der Main-Tauber-Kreis für sich nutzen. Im Bestreben, nicht nur eine Genießerregion zu sein, sondern sich auch als solche zu präsentieren, sei man im Kreis ganz vorn dabei, ist sich der Slow-Food-Vorsitzende Otto Geisel sicher.

Fränkische Nachrichten
30. September 2008


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