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Hilfe im Alltag: Wenn das Geld vorne und hinten nicht reicht

Sozialkaufhaus ein Spiegel der Gesellschaft

Von unserem Redaktionsmitglied Maria Gehrig

Ein Sofa für 39 Euro, ein Anzug für gerade mal zehn Euro, ein Paar Schuhe für einen Euro, Socken und T-Shirts am Wühltisch gratis: Für den "Normalbürger" sind das echte Schnäppchen, für Bedürftige allerdings "bittere Notwendigkeit". Wer im Sozialkaufhaus nach Billig-Angeboten Ausschau hält, ist finanziell meist nicht auf Rosen gebettet und muss sehen, wie er jeden Monat über die Runden kommt.

Die Schere "Arm - Reich" geht in Deutschland immer mehr auseinander. Besonders seit Hartz IV ist die Nachfrage in den Sozialkaufhäusern Baden-Württembergs deutlich gestiegen: um 20 Prozent, belegen Zahlen. Sie sind damit gleichsam ein "Spiegelbild der Gesellschaft". Nicht nur in Städten wie Stuttgart oder Mannheim boomen die Geschäfte, die gebrauchte Waren zu niedrigen Preisen anbieten; auch in Mosbach hat das Sozialkaufhaus "Möbel & Mehr" beachtlichen Zulauf. Träger ist die Caritas.

Im Mai wurde es mit Unterstützung des Europäischen Sozialfonds eröffnet. "Auch vor dem Hintergrund, dass der Neckar-Odenwald-Kreis die höchste Privatinsolvenzquote im ganzen Land hat", erklärt Kreis-Caritas-Geschäftsführer Meinrad Edinger. "Auf der einen Seite steht die Langzeitarbeitslosigkeit und Ausgrenzung vom ersten Arbeitsmarkt, auf der anderen das Materielle der Konsumgesellschaft - ein Überschuss, der anderen helfen kann", betont er.

Deshalb gibt es im Sozialkaufhaus nicht nur Waren zu "erschwinglichen Preisen", die Einrichtung selbst kann auch Langzeitarbeitslosen, Alleinerziehenden, älteren oder gesundheitlich eingeschränkten Menschen neue Perspektiven geben.

Ihnen gilt es, durch eine Beschäftigung dort wieder Selbstwert und Selbstbewusstsein vermitteln. Im besten Fall finden sie nach neun Monaten Qualifizierung einen neuen Job.

Kleidung, Möbel, Haushaltsgegenstände, Spielsachen, eine separate Kinderabteilung und Babyausstattung - all das ist im Mosbacher Sozialkaufhaus auf einer Fläche von 1000 Quadratmetern zu finden. "Das Gros der Spenden kommt von Privatpersonen oder Haushaltsauflösungen", macht Edinger deutlich. Die Verkaufserlöse allerdings reichen für die Deckung der Kosten nicht. Deshalb schießt die Caritas für das Projekt Mittel aus Kirchensteuern für Menschen in Not und Armut zu.

Kasperlbühne, Puppenwagen, Bilderbücher oder Schulranzen: Im Sozialkaufhaus gibt es ein großes Angebot an Kindersachen. "Spielzeug wird häufig verschenkt", so Meinrad Edinger.

"Seit Hartz IV ist ein Umdenken angesagt", erklärt er. Denn dies sei keine bedarfsorientierte Unterstützung mehr, sondern eine Pauschale, mit der viele Empfänger heute nicht mehr auskommen. Vor allem auch deshalb, weil die Preise für Lebensmittel und Energie teilweise kräftig gestiegen sind.

Deshalb sei es für den Caritas-Verband Neckar-Odenwald-Kreis ganz einfach auch darum gegangen, neben den drei Tafelläden in Buchen, Eberbach und Adelsheim das Spektrum und damit das Angebot zu erweitern.

Edinger hofft, dass Bedürftige durch billiges Einkaufen im Sozialkaufhaus etwas Geld zurücklegen können für Dinge des täglichen Lebens und eine warme Stube.

Edinger schließt nicht aus, dass es auch in Buchen eines Tages ein Sozialkaufhaus geben wird.

Fränkische Nachrichten
30. September 2008


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