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Freudenberger Burgschauspiele: Im kommenden Jahr wird bereits das zwölfte Theaterstück auf der Freudenburg aufgeführt

Vorhang auf für Laiendarsteller mit Elan

Von unserem Mitarbeiter Elmar Kellner

Alles begann sozusagen mit einem Geburtstagsfest. Als im Jahr 1987 in Freudenberg die 700. Wiederkehr der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahre 1287 gefeiert wurde, da trat auch "Graf Asmus, Burgherr von Freudenberg" in Erscheinung. Und wie. Zum Leben erweckt hatten ihn die Freudenberger Gerda und Paul Pagel. Sie machten den Grafen zum Mittelpunkt eines Theaterstückes, das im Rahmen der Feierlichkeiten gespielt wurde.

Wohl keiner konnte ahnen, was sich daraus ergeben würde. Im kommenden Jahr, 2009, hebt sich zum mittlerweile zwölften Mal der Vorhang, und wieder, wie meist, ist es eine Uraufführung, die gezeigt wird. Diesmal geht es um "Liebesleiden. Die Leben der Marie M.", vom Autor Jean Michel Räber eigens für die Burgfestspiele in Freudenberg verfasst.

Der große Erfolg des Stückes "Graf Asmus" führte dazu, dass 1988 der Burgschauspielverein Freudenberg gegründet wurde, der laut Satzung die Stadt Freudenberg und das Untermaingebiet kulturell bereichern will. Dafür engagieren sich die Mitglieder und viele weitere Aktive mit großer Begeisterung. Alle zwei Jahre werden Burgschauspiele inszeniert sowie ab und an zusätzliche Veranstaltungen angeboten.

Erster Vorsitzender des Burgschauspielvereins war Rudolf Maier, der zehn Jahre lang an der Spitze stand, ehe er 1998 auf eine Wiederwahl verzichtete und von Volker Mai abgelöst wurde. Maier, dem 1997 anlässlich seines 75. Geburtstages vom Ministerpräsidenten die Landesehrennadel verliehen wurde, prägte ganz wesentlich die Aufbaujahre und legte damit den Grundstein für die heutige Bedeutung des Burgschauspielvereins für Freudenberg und die weite Region.

Untrennbar verbunden ist das Freilichttheater in dem Städtchen am Untermain mit der Spielstätte, der Freudenburg. Seit Juli 1995 ist sie im Eigentum der Stadt.

Doch bereits lange vorher kümmerten sich Freudenberger Bürger, an der Spitze Franz Hofmann, um die alte Ruine. Dank ihres unermüdlichen Einsatzes wurde ein Ambiente geschaffen, das seinesgleichen sucht. Heute hat sich der Burgschauspielverein hoch über den Dächern der Stadt längst häuslich eingerichtet. "Zu häuslich", wie mancher findet, der dadurch das Denkmal in Mitleidenschaft gezogen sieht.

Mit Hans-Dieter Schmidts "Pfeiferhannes" ging es 1989 in die zweite Spielzeit, dem folgte, zwei Jahre später, der "Schinderhannes" von Carl Zuckmayer. Für die Burgschauspiele 1993 griff erneut Schmidt zur Feder und verfasste das Stück "Die Hexenseuch". In diesem Jahr tauchte auch erstmals Dominik Neuner auf der Freudenburg auf. Seither hält die Verbindung zwischen dem renommierten Theatermann und den Laien aus dem kleinen Städtchen am Main. Auch wenn Neuner in der Vergangenheit immer wieder einmal damit kokettierte, nicht auf ewig an Freudenberg gebunden zu sein, gebunden sein zu können.

In einem Interview mit den Fränkischen Nachrichten gab Neuner, damals noch Operndirektor am Staatstheater in Wiesbaden, einmal einen Einblick in seine Motivation, die ihn dazu antreibt, immer wieder einen großen Teil seines Terminkalenders frei zu räumen und seiner Freizeit zu opfern. "Dieser Ort", sagte er damals, "befindet sich auf einem sehr guten Meridian". Natürlichkeit und Ehrlichkeit schätze er am Ensemble besonders. Berühmtheit und Bekanntheit spielten hier keine Rolle. "Hier stehe ich nicht unter dem Stress, mein eigenes Image weiterpflegen zu müssen."

Auch mit Neuner änderte sich nichts an der Freudenberger Gepflogenheit, dass die Stücke, die man spielt, etwas mit dem Ort, zumindest aber der Gegend, etwas zu tun haben müssen. Und dass jeder, der es möchte, auch eine Rolle erhält. Im Gegenteil, Neuner legt selbst äußersten Wert auf diese Bedingungen, machen sie doch einen großen Teil des Charmes - und des Erfolges - der Burgfestspiele aus.

Ganz erhalten ließ sich die Unbeschwertheit des Amateurtheaters allerdings über die Jahre nicht. Längst haben sich die Freudenberger weit über die Grenzen ihrer Stadt hinaus einen Ruf erworben, den es nun alle zwei Jahre zu verteidigen gilt. Die Rahmenbedingungen sind professioneller geworden.

So laufen schon seit langem die Vorbereitungen für die Premiere am 26. Juni des kommenden Jahres, und darüber hinaus beschäftigt man sich, wie stets in der Vergangenheit, auch schon mit der Zukunft.

Fränkische Nachrichten
30. September 2008


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