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"Wertheim Village": Nach rund fünf Jahren ist der Ausbau nun abgeschlossen / Weitere Steigerungen bei den Besucherzahlen werden angestrebt

"Wir sehen unsere Kunden als Gäste"

Von unserem Redaktionsmitglied Bernhard Müller

"Es ist eine Erfolgsstory. ,Wertheim Village' hat sich seit der Eröffnung im November 2003 hervorragend etabliert", sagt John T. Quinn, Deutschland Direktor der Betreiberfirma Value Retail. Und die Zahlen geben ihm recht: Für dieses Jahr erwartet man 2,4 Millionen Besucher, das wäre eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent. Doch damit sind die ehrgeizigen Ziele noch lange nicht erreicht. Ein weiterer Anstieg bei der Kundenfrequenz wird angestrebt, wie Iris Kiefer, Senior Marketing Manager, und Bettina Krusch, Marketing Manager, in einem Gespräch mit den FN betonen. Profitieren davon soll nicht nur "Wertheim Village", sondern die gesamte Region, wie es das gemeinsame Tourismuskonzept vorsieht.

Mit einer Gesamtinvestition von zirka 95 Millionen Euro ist nach rund fünf Jahren der Ausbau nun abgeschlossen. Im Mai wurde der dritte und letzte Bauabschnitt von "Wertheim Village" eingeweiht. Auf der genehmigten Verkaufsfläche von 13 500 Quadratmetern sind jetzt 116 Boutiquen angesiedelt. Rund 92 Prozent der Fläche ist bereits fest vermietet, die übrigen Einheiten sind temporär, zum Beispiel durch Sonderverkäufe, belegt. Bei der Vermietung der restlichen Fläche, die bis Jahresende erfolgen soll, werde nach dem Motto "Qualität vor Quantität" eine gezielte Abrundung des Sortiments angestrebt, so die Value Retail-Mitarbeiterinnen. Ziel sei ein stimmiges Markenmix, das die ganze Familie etwa in den Bereichen Freizeit, Sport Accessoires oder Lifestyle anspreche. Aktuell habe das "Wertheim Village" 660 Mitarbeiter, davon 35 Prozent in Teilzeit. Bei hundertprozentiger Vermietung der Boutiquen rechnet Value Retail damit, rund 710 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen zu können.

Wie Untersuchungen ergeben haben, kämen nur knapp 20 Prozent der Besucher aus dem Naheinzugsbereich, während der höchste Anteil der Kunden aus Kreisen mit einer Entfernung von über 60 Minuten Fahrtzeit stamme. Das "Village" bringe mehr Kaufkraft in die Region, als abgezogen werde, betont Iris Kiefer.

So besuchen 14,4 Prozent der Kunden, die nicht aus der Umgebung kommen, nach einer Shoppingtour im "Village" die Wertheimer Innenstadt. Rund 35 Prozent der Befragten fehle aber noch das Interesse an einem Besuch der Stadt, weitere 24 Prozent kennen das Angebot bereits. Hier gelte es, das touristische Ziel gemeinsam mit den Partnern aus der Region noch stärker und interessanter zu vermarkten.

Unter anderem kooperiere "Dertour" in seinem Städtereisekatalog seit Jahren erfolgreich mit "Wertheim Village" und bewerbe das Einkaufszentrum als Ausflugstipp in der fränkischen Region. Zudem ist das "Village" seit diesem Jahr als einzige Shoppingdestination Mitglied bei der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) und wird aktuell zusammen mit der DZT über einen Beileger in den verschiedenen Hubert Burda-Titeln als Kurzreiseort beworben, informiert Bettina Krusch.

Stetig zugenommen habe in den vergangenen Jahren die Zahl ausländischer Touristen, im August waren es zehn Prozent. Sie kommen vor allem aus dem europäischen Ausland, Russland, China und Korea. Speziell der Umsatz russischer Kunden sei zum Vorjahr stark angestiegen. Insgesamt kaufen Touristen mehr ein. So sei im Vergleich zu 2007 in diesem Jahr eine Umsatzsteigerung von 37 Prozent bei Besuchern aus dem europäischen Ausland zu verzeichnen.

Ziel sei es, so die Value Retail-Mitarbeiterinnen, den Anteil ausländischer Touristen in den nächsten Jahren auf bis zu 20 Prozent anzuheben. Dies sei nicht unrealistisch, wie etwa das "Village" im englischen Bicester zeige. Deshalb fokussiere man sich auf den touristischen Part und forciere das europäische Marketing und die internationale Werbung.

"Wir sehen unsere Kunden als Gäste." Diese Philosophie sei einer der Schlüssel zum Erfolg. "Dieser Servicegedanke ist ein ganz wichtiges Kriterium und wird von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gelebt und umgesetzt", erklärt Iris Kiefer.

Entsprechend würden die Beschäftigten auch im internationalen Kundenmanagement geschult, um auf landestypische Besonderheiten der Kunden eingehen zu können. Dazu gehöre beispielsweise, dass Value Retail kostenlos Englischkurse für Verkaufsgespräche anbiete, die von den Mitarbeitern gut angenommen werden.

In den Sommermonaten und an hochfrequentierten Tagen helfe ein Concierge den Kunden in der Einkaufsstraße weiter, gebe Auskunft oder übernehme es auch mal, die Einkäufe für die Besucher ans Auto bringen zu lassen. Neben den 1600 kostenlosen Parkplätzen gehöre zum Servicegedanken ebenso die Kinderbetreuung.

Ein ganz wesentlicher Aspekt für den Erfolg sei auch das entspannte und stressfreie Einkaufen. Es herrsche kein geschäftiges Treiben wie in manchen Großstädten, es sei "vielmehr ein Flanieren durch die Mall", so Iris Kiefer. Und auch die Sauberkeit und Sicherheit seien wichtige Faktoren, die neben der Architektur das besondere "Village"-Ambiente ausmachen.

"Wir müssen uns keine Sorgen machen, was die Zukunft anbelangt", erklären die Mitarbeiterinnen. Denn mit einem attraktiven Angebot und einem Markenmix, der alle Zielgruppen anspreche, sei man sehr gut aufgestellt. Gerade angesichts des allgemeinen Trends steigender Preise sei die Marktentwicklung für Outlets sehr positiv, da man mit einem tollen Preis-Leistungsverhältnis beim Einkauf von Markenartikeln aufwarten könne.

Fränkische Nachrichten
30. September 2008


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