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Diabetes-Zentrum Bad Mergentheim: Der 10. November 1982 war der Beginn einer neuen Ära

Ein Wunsch, der bald Realität wurde

Von unserem Redaktionsmitglied Klaus T. Mende

"Erst war es nur ein Gedanke, beim gemeinsamen Abendessen mit unseren kleinen Kindern, beiläufig von meinem Mann geäußert, bald eine Idee und schon wenig später eine Vision: die einer eigenen Diabetes-Klinik." So beschreibt Helga Bergis jene Zeit, in der ihr viel zu früh verstorbener Gatte Dr. Kristian Bergis jenen Wunsch äußerte, der schon bald Realität werden sollte. "Es war der Wunsch, etwas zum Wohl der Menschen mit Diabetes mellitus bewegen zu wollen", schreibt sie im Vorwort der Chronik anlässlich des 25-Jahr-Jubiläums, welches das Diabetes-Zentrum in Bad Mergentheim in diesem Jahr begeht.

Blick in die Gründerzeit

Kurzer Rückblick in die Anfangs-, ja die Gründerzeit: Es war jener kalte Herbsttag, der 10. November 1982, der vieles verändern sollte. Seinerzeit vielleicht ein kleiner Schritt für die damaligen Macher, jetzt im Nachhinein, so kann konstatiert werden, ein großer Schritt nach vorn für die von Diabetes Betroffen. Im damaligen Sanatorium am Frauenberg hatten sich Vertreter mehrerer Medien eingefunden. Auf der Tagesordnung stand die Zukunft des einstigen Vorzeige-Kurhauses. Schnell war, so ist auch in der Chronik zu lesen, die erste Überraschung perfekt. Denn Punkt eins einer vorbereiteten Presseerklärung hieß: "Der Landesverband Baden-Württemberg des deutschen Roten Kreuzes und die Eheleute Dr. Bergis haben, auf Grund von seit dem Frühjahr 1982 laufenden Verhandlungen, vereinbart, dass die Anteile der Sanatorium am Frauenberg GmbH vom DRK auf die Eheleute Dr. Bergis käuflich zum 1. Januar 1983 übertragen werden".

Doch dies sollte noch keinesfalls alles sein. Denn es sollte noch besser kommen. Weiter war da zu erfahren: "Durch eine weitreichende Umstellung und teilweise Neuorientierung nach Renovierung, Umbau und Namensänderung der Firma in Diabetes Klinik Bad Mergentheim GmbH werden langfristig sichere Arbeitsplätze gewonnen."

Basis gelegt

Die Bombe, wenn man es mal so nennen möchte, war also geplatzt. Anstatt eines möglichen Leerstands, der dem Sanatorium hätte drohen können, waren die Grundlagen geschaffen, eine neue Ära einzuläuten, einen Dampfer auf große Fahrt zu schicken, in dem Wissen, dass etwas aufgebaut werden könnte für Patienten, die mit einer Krankheit leben müssen, deren Behandlungschancen deutlich verbessert werden können.

Fortan geht es steil bergauf, das Ehepaar Bergis sollte letztlich für seinen unternehmerischen Mut belohnt werden. Mit Datum 15. März 1983 sind schließlich zwei ganz wesentliche Pfeiler des späteren Diabetes-Zentrums fest im Boden verankert: Die Klinik sowie die Akademie. Ein dritter sollte sich bereits bald noch hinzugesellen: Die Tochter "diabetic services GmbH" will die Versorgung des Diabetes-Patienten mit speziellen Heil- und Hilfsmitteln, von Blutzuckermessgeräten mit Teststreifen über Fachliteratur bis hin zu Diätkochbüchern ermöglichen.

In den folgenden Jahren zeigte die Unternehmenskurve weiter nach oben, auch wenn sich immer mal wieder eine Hürde in den Weg stellte, die es erst einmal zu überwinden galt. So zum Beispiel im März 1987, als ein seinerzeit schlecht gelaunter Dr. Kristian Bergis die Nachricht erhalten hatte, dass es das Land Baden-Württemberg ablehnen würde, die Diabetes-Klinik im Bettenbedarfsplan des Landes aufzunehmen, da angeblich kein Bedarf bestehe.

Resignation aber war für Dr. Bergis ein Fremdwort, vielmehr verfolgte er neue Ziele. Eines davon wurde 1989 realisiert, als ein fünfstöckiger Erweiterungsbau offiziell in Betrieb genommen wurde. In den Folgejahren ging's weiter bergauf. Das Zentrum erarbeitete sich einen Bekanntheitsgrad, der bald weit über die Region hinausgehen sollte. Einhergehend damit war es erforderlich, den Personalstand stetig anzuheben, das Haus war längst fest verankert im Reigen der Kliniken in der Kurstadt Bad Mergentheim.

Schicksalsjahr

Dann folgte das Schicksalsjahr 1999. Es war der 21. August, als eine Piper Malibu mit drei Personen an Bord, darunter Dr. Kristian Bergis, auf dem Regionalflughafen Paderborn-Lippstadt erwartet wurde. Sie sollte aber nie ankommen, denn sie war wenige Kilometer entfernt abgestürzt, alle drei Insassen kamen dabei ums Leben.

Urplötzlich hatten sich die Voraussetzungen grundlegend geändert. Die Zukunft des Hauses lag ab sofort in den Händen von Helga Bergis, die ihren Mann auf dessen Weg immer unterstützt hatte, ihm wertvoller Rückhalt und Ratgeberin zugleich war.

In relativ kurzer Zeit galt es für sie, die geschäftliche Situation neu zu erfassen: Wie würde es weitergehen? Es ging weiter, das Diabetes-Zentrum Bad Mergentheim blieb in Familienbesitz. Und es setzte seinen Weg nach oben kontinuierlich fort. Bis auf den heutigen Tag, bis hinein in das Jubiläumsjahr.

Unterstützung an der Seite

Denn längst hat Helga Bergis tatkräftige Unterstützung, in Person von Geschäftsführer Dr. Thomas Böer, Chefarzt Dr. Thomas Haak und Pflegedienstleiter Klaus Ulbrich, an der Seite, die das Schiff auch in Zukunft erfolgreich durch die Gewässer des Alltags leiten werden.

Ein Vierteljahrhundert Diabetes-Zentrum Bad Mergentheim - für alle ein Grund zum Feiern, aber bestimmt kein Anlass, die Hände selbstzufRieden in den Schoß zu legen und sich auf den Lorbeeren auszuruhen.

Die nächsten Aufgaben waren bereits und die Maxime des Gründers Dr. Kristian Bergis ist aktueller denn je: "Nichts ist beständiger als Wandel".

Fränkische Nachrichten
30. September 2008


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