DAS NACHRICHTENPORTAL

Dienstag, 28.03.2017

Suchformular
 
 

Lieber Leser, bitte aktivieren sie Cookies, um in den vollen Genuss unseres Angebotes zu kommen.

  • Drucken

Landjudentum in Unterfranken: Nachwuchswissenschaftler erforschen alte Quellen / Beim Renovieren in Veitshöchheims Synagoge kamen zahlreiche Schriften zutage

Was der Gewürzhändler notierte

Archiv-Artikel vom Montag, den 19.08.2013

Von unserer Mitarbeiterin Pat Christ

Bedeutende Funde: In hunderten Kartons lagern im Jüdischen Kulturmuseum in Veitshöchheim Texte, die in fränkischen Genisoth gefunden wurden.

© Pat Christ

Würzburg. Talmude, private Briefe oder Bibeldrucke - in der Veitshöchheimer Genisa-Forschungsstelle befinden sich zahlreiche wertvolle Dokumente über die Geschichte der Landjuden in Franken. Nachwuchswissenschaftler aus ganz Deutschland machten sich unlängst unter Leitung der Würzburger Forscherinnen Rebekka Denz und Gabi Rudolf daran, die Quellen zu erschließen. Aktuell wird die Veröffentlichung der Ergebnisse vorbereitet.

Das große Reservoir an jüdischen Dokumenten, das ein Wochenende lang ausgewertet wurde, befand sich auf Dachböden verschiedener jüdischer Synagogen in Unterfranken - und vor allem auf dem Speicher der Synagoge in Veitshöchheim. Beim Renovieren wurden hier 1986 zufällig zahlreiche religiöse Schriften, Drucke, Taschenkalender, Briefe, Märchen, Erbauungstexte, historische Abhandlungen, Textilien und religiöse Gegenstände gefunden. Nach jüdischem Brauch waren sie im Dachboden abgelegt worden.

In vielen alten Synagogen existiert eine solche Genisa. Denn Juden dürfen ihren religiösen Vorschriften zufolge unbrauchbar oder unansehnlich gewordene Schriften nicht einfach vernichten.

Das einsatzfreudige Team um Denz und Rudolf nahm sich ein ganzes Wochenende Zeit, um die Quellen zu analysieren. "Wir waren eine interdisziplinäre Gruppe", berichtet Denz. An dem Analyseseminar nahmen neben Experten der Judaistik auch Religionswissenschaftler, Historiker und Musikwissenschaftler teil.

In den Räumen des 1994 eigeweihten Jüdischen Kulturmuseum in Veitshöchheim stieß das Team auf äußerst interessante Dokumente. Denz: "Zum Beispiel auf eine Quelle über die Beschneidung eines kranken Jungen oder auf den Brief eines Rabbiners zum Verhalten gegenüber kranken Gästen". Das hebräische Notizbuch eines Gewürzhändlers zählt zu den für die Wirtschaftsgeschichte besonders spannenden Dokumenten aus der Genisa.

Lange lagerten die Quellen weitgehend vor Nässe geschützt auf dem Dachboden fränkischer Synagogen. Aus dem 17. Jahrhundert stammen die ältesten der in Jiddisch, Hebräisch oder Deutsch verfassten Zeugnisse. Laut Denz war es alles andere als einfach, diese Dokumente zu analysieren: "Es gibt Bruchstellen, schlecht lesbare Handschriften oder uns fehlte einfach der Kontext." Vertreterinnen und Vertreter der verschiedenen Fachrichtungen beieinander zu haben, war gerade deshalb wichtig: "Wir gaben uns Texte zum Gegenchecken und tauschten uns darüber aus, in welchem Zusammenhang ein Text wohl stehen könnte."

Die Analyse dient dazu, das Leben der unterfränkischen Juden besser einschätzen zu können. Wie die Landjuden lebten, darüber wird viel spekuliert - und noch immer viel zu wenig gewusst. Waren sie, wie oft behauptet wird, tatsächlich alle orthodox? Wie war das Miteinander zwischen Christen und Juden in den Gemeinden? Zu all diesen Fragen gibt es noch kaum genauere Untersuchungen. Natürlich sind die knapp 40 Originalquellen, die beim ersten Workshop analysiert wurden, nur ein Anfang, um die Geschichte der Landjuden aufzuhellen. Zu umfangreich ist der wissenschaftliche Fragenkatalog. Ende des Jahres soll deshalb ein zweiter Workshop organisiert werden.

Über das Landjudentum aufzuklären, das will Gabi Rudolf außerdem mit ihrem aktuellen Forschungsprojekt in der Abteilung Landesgeschichte der Universität Würzburg. Dabei geht es um die frühneuzeitlich-jüdische Geschichte in Arnstein und Thüngen.

Rudolf konzipierte außerdem eine Ausstellung in der im Juni 2012 als Lernort eröffneten Alten Synagoge Arnstein. Rebekka Denz engagiert sich im Projekt "Landjudentum Unterfranken". Das startete im November 2011 und hat die Präsentation des jüdisch-kulturellen Erbes im Regierungsbezirk. Im Sommer ist die Eröffnung einer von den Wanderausstellung geplant.

© Fränkische Nachrichten, Montag, 19.08.2013
  • Drucken
 
 
TICKER

Das Wetter im Main-Tauber-Kreis

Tauberbischofsheim - Prognose für 0 Uhr

Das Wetter am 28.3.2017 in Tauberbischofsheim: klar
MIN. 4°
MAX. 18°
 

 

Erste Distelhäuser Lachnacht

Breitgefächerter Angriff auf die Lachmuskeln des Publikums

Bei der ersten Distelhäuser Lachnacht am Samstag fand in der Alten Füllerei traten Atze Bauer, Jörg Kaiser, Gymmick und Konrad Stöckel auf und strapazierten die Lachmuskeln des Publikums - jeder auf seine eigene witzige Art mit Kabarett, Comedy und Musik. [mehr]

Würth Open Air

HipHop, Pop und Rock

Das mittlerweile überregional bekannte Würth Open Air findet zum 18. Mal von Freitag, 21., bis Sonntag, 23. Juli im Rahmen der Eröffnungswoche des neuen Carmen Würth Forums statt. Dem Unternehmen Würth ist es mit dem Deutsch-Rapper und Sänger CRO gelungen, ein musikalisches Highlight für den… [mehr]

Hier hat der Leser das Wort

Märchen vom menschengemachten Klimawandel in die Welt gesetzt

Kein vernünftiger Mensch bezweifelt, dass sich unser Klima ändert. Seit der letzten Eiszeit vor gut 10 000 Jahren hatten wir ein dutzend Mal abwechselnd Warm- und Kaltzeiten, die Temperaturen schwankten etwa um drei Grad Celsius. Zuletzt hatten wir die "kleine Eiszeit", begleitet von Missernten… [mehr]

In eigener Sache

Klare Regeln für Leserbriefe in den FN

Liebe Leserinnen und Leser, die Fränkischen Nachrichten erfüllen als Tageszeitung eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Unsere Berichterstattung ist darauf ausgerichtet, zu Ihrer Meinungsbildung über das Tagesgeschehen und aktuelle Entwicklungen beizutragen. Teil dieses Prozesses ist es auch… [mehr]

Stellenabbau

Keine Kündigungen bei GE in Mannheim

Es ist ein kleiner Trost für die über 1000 GE-Mitarbeiter, die in Mannheim ihren Job verlieren werden. Der Vorstand sicherte in einem Brief an die Belegschaft zu, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde. [mehr]

Kontakt zu den Redaktionen

 
 

DAS NACHRICHTENPORTAL