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Literatur: Hommage an die beiden Mundart-Dichter Gottlob Haag und Wilhelm Staudacher in der Spielbacher Brauerei

Zwischen Entbehrung und Aufbegehren

Zwei, die die Liebe zur hohenlohisch-fränkischen Literatur verbindet: Gunter Haug (links) und Bernulf Schlauch.

© Hartmut Volk

Eine Hommage an die beiden Mundart-Dichter Gottlob Haag und Wilhelm Staudacher von Gunter Haug und Bernulf Schlauch im Spielbacher Goldochsensaal gewesen.

Spielbach. Auch außerhalb der legendären Spielbacher Starkbiersaison gelang es dem langjährig befreundeten Publizisten-Duo, den Saal im Obergeschoss der urigen Brauereigaststätte zu füllen.

In ihren gemeinsamen Lesungen halten Haug und Schlauch regelmäßig das Andenken an die beiden Mundart-Dichter Wilhelm Staudacher aus Rothenburg und Gottlob Haag aus Niederstetten-Wildentierbach hoch. Beide waren hoch dekorierte Schriftsteller, die miterleben mussten, "wie die Mundart den Bach runterging", berichtete Gunter Haug eingangs.

Der schwäbische Bestsellerautor mit fränkischen Wurzeln war persönlich gut befreundet mit dem 2008 verstorbenen Haag, den er für "einen der allergrößten" Schriftsteller hält - nicht nur in Hohenlohe-Franken, sondern bundesweit. Er habe den Dichter als recht einsam erlebt. Bei seinen Besuchen in Wildentierbach sei oft düstere Musik von Gustav Mahler im Hintergrund gelaufen. "Wenn zum Gottlob nei bischd, haschd immer dacht, die Welt geht unter", plauderte Haug aus dem Nähkästchen.

Ärmliche Kindheit

Die schwermütige Grundstimmung, die sich durch Haags gesamtes Werk zieht, liegt wohl auch in seiner ärmlichen Kindheit begründet. Einem Kollegen gegenüber bekannte Haag einmal: "Ich bin als Kind im Dorf quasi der letzte Dreck gewesen." Er war das begabte Kind einer armen Taglöhnerfamilie, ohne Chance auf eine höhere Bildung. Einblicke in seine entbehrungsreiche Jugendzeit vermittelte ein von Haug vorgetragener Abschnitt aus Haags einzigem und autobiografischem Roman "Der Bankert oder ein zufriedenes Leben".

Die Lyrik des jungen Gottlob Haag sei von dessen Lektüre der düster gestimmten Gedichte Georg Trakls geprägt, berichtete Bernulf Schlauch.

Die bei Trakl in allen Schattierungen thematisierten Grundstimmungen des Vergehens, die er in den Gefühlsfarben des Herbstes zum Ausdruck brachte, schien bei Haag einen spezifischen Nerv getroffen zu haben, sind es doch vornehmlich Herbstgedichte, die den Großteil seines lyrischen Werkes ausmachen. Haag habe nur wenige Frühlingsgedichte verfasst, sagte Schlauch, und rezitierte einige ausdrucksstarke Beispiele.

Wie Gottlob Haag ist auch Wilhelm Staudacher in sehr ärmlichen Verhältnissen groß geworden. Als Knabe musste er sich mit seinen beiden Brüdern ein paar Schuhe teilen, berichtete Haug über die Kindheit seines Onkels in den 1930er-Jahren in Rothenburg.

Gegen Dummheit und Ignoranz

Seine Kindheitserlebnisse hat Wilhelm Staudacher in "Kleinstadtgeschichten" niedergeschrieben, die die Witwe des Dichters posthum als mehrbändige Buchreihe herausbrachte und aus denen Haug zwei rührende und unterhaltsame Episoden vortrug.

Was das Werk der beiden Urgesteine fränkischer Mundartdichtung über die stimmungsvollen Milieu- und Naturschilderungen hinaus auszeichnet, ist das Aufbegehren gegen menschliche Dummheit und Ignoranz und die Arroganz der Mächtigen.

Während Staudacher dafür eher leise und feinsinnige Töne findet, wie etwa in seinen Aphorismen, macht Gottlob Haag aus seinem Herzen keine Mördergrube und geht mit den Regierenden oft barsch ins Gericht. Bernulf Schlauch als altem Revoluzzer machte es sichtlich Spaß, ein paar gesellschaftskritische Gedichte Haags vorzutragen.

Nach der Lesung stellten die beiden Publizisten jeweils ihre eigenen Neuerscheinungen vor: Bernulf Schlauch, der sich als Slow-Food-Aktivist für die Erhaltung bäuerlich-handwerklicher Esskultur stark macht, hat für die Haller Bäuerliche Erzeugergemeinschaft einen reich illustrierten Band über "die Tradition der Hohenloher Hausmetzger" verfasst.

Gunter Haug gab mit witzigen Schilderungen seines "turbulenten Leben zwischen Wicklesgreuth und Schwäbisch Sibirien" einen vergnüglichen Vorgeschmack auf seine im Herbst erscheinende Autobiografie. havo

© Fränkische Nachrichten, Dienstag, 21.03.2017
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