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Röttinger Kanapee-Gespräch: „Welt im Wandel – wie gehen Politik und freie Wirtschaft damit um?“

„Das Glas ist voll und bleibt es“

Von unserem Mitarbeiter Markhard Brunecker

Trugen zu einer kurzweiligen und interessanten Diskussionsrunde bei: (von links) Moderator und CSU-Kreisvorsitzender Thomas Eberth, MdB Paul Lehrieder, Parlamentarischer Staatssekretär für Wirtschaftliche Zusammenarbeit Thomas Silberhorn und der Finanzvorstand der Wirthwein AG, Rainer Zepke.

© Markhard Brunecker

Geht die Globalisierung ungebremst weiter? Experten haben daran Zweifel, wie beim Kanapee-Gespräch deutlich wurde.

Röttingen. Das Fazit des "Röttinger Kanapee-Gesprächs" mit dem Thema: "Welt im Wandel - wie gehen Politik und freie Wirtschaft damit um? - war eindeutig: "Das Glas ist voll und wird es auch bleiben".

Zum zwölften Mal veranstaltete der CSU-Kreisverband Würzburg-Land zu Jahresbeginn in der Röttinger Burghalle ein Kanapee-Gespräch.

Unter der Moderation des Kreisvorsitzenden Thomas Eberth aus Kürnach diskutierten der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, MdB Thomas Silberhorn, der Finanzvorstand der Creglinger Wirthwein AG, Rainer Zepke, und der Ausschussvorsitzende für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, MdB Paul Lehrieder, über dieses aktuelle Thema.

Die Globalisierung schreitet weiter voran, die Schere zwischen armen und reichen Ländern spreizt sich weiter, der Kampf um sauberes Wasser und Ressourcen wird immer schwieriger, Millionen Menschen sind auf der Flucht, und die USA haben Donald Trump gewählt. Daher die Frage von Moderater Eberth an die Runde: "Müssen wir sorgenvoll in die Zukunft blicken"?

Der politische Ehrengast Silberhorn ist sich sicher, dass die Globalisierung nicht so weiter gehen wird. Bisher ging es nur in eine Richtung in die Billiglohnländer, doch künftig wird dies anders sein, denn diese Länder konnten sich nicht entfalten. Es wird für beide Seiten nur mit fairen Bedingungen wie gerechten Löhnen oder Klimaschutz gehen. Allein der Klimawandel sei von großer Bedeutung, denn ein Drittel der Weltbevölkerung wohnt an der Küste, und selbst ein geringer Anstieg des Pegels der Weltmeere sei eine immense Herausforderung.

Bei den Flüchtlingen müsse man an die Ursachen der Flucht gehen, damit die Menschen in ihrer Heimat bleiben, die meisten davon seien Minderjährige. Von den Flüchtenden hielten sich 90 Prozent in den Nachbarländern auf, nur zehn Prozent kämen nach Europa. Das A und O seien auf jeden Fall die Bildung und Arbeitsplätze. Man müsse den Leuten eine Perspektive geben, damit sie in ihrer Heimat bleiben, betonte er mehrmals. Sollte dies gelingen, was auch der kostengünstigere Weg wäre, sehe er optimistisch in die Zukunft. Rainer Zepke vom mit 3550 Mitarbeitern an 21 Standorten global aufgestellten Unternehmen Wirthwein AG aus Creglingen sieht die Lage etwas gespalten. Mit sorgenvolle Miene beobachte er den Terror, der immer näher auf uns zukomme, und den Klimawandel mit seinen Naturkatastrophen. Er stimme Merkel grundsätzlich zu "Das schaffen wir", doch die Größenordnung ließ er offen.

Auch die Wirtschaft sei gefordert. Dabei appellierte er an die Politiker, dass der administrative Ablauf geändert, und zwar vereinfacht, werden müsse. Zum Thema Trump erklärte er, dass man alles zuerst einmal ernst nehmen müsse, auch wenn man nicht alles glauben dürfe. Sein mittelständisches Unternehmen müsse wachsam sein, damit ihm nicht die Geschäftsgrundlagen entzogen werden, seien doch rund 500 Mitarbeiter der Wirthwein AG in den USA tätig. Diese erhielten, wie auch in China, einen guten Lohn, etwas anderes könne sich das Familienunternehmen gar nicht leisten und gar Gefahr laufen, als Ausbeuter hingestellt zu werden. Man stehe aber auch zum Standort Deutschland, in dem auch ständig neue Arbeitsplätze geschaffen würden. Seine Unternehmen werden alle Chancen, auch in China, nutzen. Bei der Wirthwein AG sei alles in Ordnung und daher sei auch das Glas voll. MdB Paul Lehrieder ging vor allem auf die Familienpolitik ein und stellte erfreut fest, dass in den letzten Jahrzehnten die Sterberate von Kindern bis fünf Jahren von 12,5 Millionen auf 5,9 Millionen gesunken sei. Dieser Weg müsse aber weiter beschritten werden. Zu dem Verhältnis zwischen CDU und CSU meinte das Bundestagsmitglied im Beisein zahlreicher CSU-Politprominenz, dass es sich hier um Schwesterparteien und keine Zwillingsparteien handle. Er hoffe aber, dass noch ein gemeinsames Wahlprogramm gefunden wird, wenn nicht, ginge man auch in die Opposition.

© Fränkische Nachrichten, Dienstag, 10.01.2017
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